Im Fall der Fälle muss jeder Handgriff sitzen

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Anspruchsvolle Übung: Bergung
Anspruchsvolle Übung: Bergung eines ohnmächtigen Tauchers mit angehaltenem Atem

Hückelhoven. Hektisches Winken mit einer Flosse und laute Hilferufe lassen darauf schließen, dass die mitten im Baggersee Brachelen an der Oberfläche treibenden Taucher ein Problem haben. Eine weitere Tauchpuppe, die gerade von einem Übungstauchgang am Ufer aufgetaucht ist, zögert nicht lange: während einer den Notruf absetzt, schwimmen seine beiden Kollegen den im See treibenden Tauchern entgegen.

„Mein Partner ist unter Wasser plötzlich ohnmächtig geworden”, weiß einer der beiden atemlos zu berichten. Jetzt muss alles ganz schnell gehen.

Während sich einer der Helfer um den völlig außer Atem befindlichen Kollegen kümmert, greift der andere den Ohnmächtigen, fixiert seinen Atemregler im Mund und schleppt ihn schnellstmöglich Richtung Ufer. Dort wird er bereits von helfenden Händen erwartet: schnell wird das Unfallopfer von seiner Ausrüstung befreit und an Land gezogen.

Auch auf deutlichen Zuruf ist der Taucher nicht mehr ansprechbar. Routiniert entfernt der Ersthelfer den engen Tauchanzug, überprüft die Atmung und legt den Ohnmächtigen in die stabile Seitenlage. Da eine Dekompressionserkrankung nach zu schnellem Auftauchen ausgeschlossen werden kann, machen die beiden Helfer den Notfallkoffer klar und geben dem Verunfallten über eine Maske Sauerstoff zu Atmen.

Was dramatisch klingt, ist glücklicherweise nur eine Übung. Einmal im Jahr schult der Sporttauchverein Hückelhoven erfahrenen Taucher aus seinen Reihen in der Soforthilfe bei Tauchunfällen. „In verantwortungsvollen Grenzen ausgeübt ist Tauchen zwar ein sehr sicherer Sport, trotzdem muss für den Fall der Fälle jeder Handgriff sitzen”, erklärt Ausbilder Matthias Ewen.

Um dies zu trainieren, erwartet die Lehrgangsteilnehmer an diesem Wochenende ein hartes Programm: Bergeübungen im Schwimmbad mit und ohne Atemgerät, Problemlösung über und unter Wasser, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Umgang mit Sauerstoffnotfallkoffer und automatischem Defibrillator sowie Schleppübungen quer durch den See, die alle Teilnehmer an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit bringen.

Theoretische Lektionen in Tauchmedizin und natürlich Unfallvorbeugung und Unfallvermeidung runden das anspruchsvolle Programm ab. Für Ewen, der ebenfalls bei der Johanniter Unfallhilfe als Ausbilder tätig ist, sind solche Lehrgänge eine gute Möglichkeit, bei den Tauchern in seinem Verein Risikobewusstsein und Respekt vor dem Wasser zu vermitteln.

„Wenn mal etwas wirklich Schlimmes passiert, ist Geschwindigkeit alles. Im Wasser bin ich machtlos, helfen kann ich erst an Land” so der Tauchlehrer. Und er ist sich sicher: „Unfallvermeidung beginnt immer schon vor dem Tauchen. Durch Abwägen aller Risiken, realistisches Einschätzen der Rahmenbedingungen und den Mut, einen Tauchgang auch mal abzusagen oder abzubrechen, wenn die Bedingungen eben nicht 100 Prozent stimmen”.

Daher lautet seine Botschaft an die Kursteilnehmer: „Wenn erst ein Problem auftritt, ist keine Zeit mehr zum Nachdenken.”

Nach einem arbeitsreichen Wochenende sind die fünf Teilnehmer des Kurses und auch die als „Unfallopfer” eingesetzten Nachwuchstaucher des Vereins um viele wertvolle Erfahrungen reicher. Der Sporttauchverein Hückelhoven bildet nicht nur erfahrene Taucher aus.

Auch die Anfängerschulung hat im Verein einen hohen Stellenwert. Infos zu Tauchkursen, Voraussetzungen und Inhalten gibt es unter http://www.ferientauchkurse.de oder Tel. 0177/4403418.
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