Ihre Bilder schlüpfen als Kunst in Kopf und Herz

Von: defi
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Beim Kunstverein Region Heinsberg: Die Künstlerin Soim Lee (r.) erläuterte bei der Eröffnung der Ausstellung in Unterbruch die Entstehungsweise ihrer Bilder. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Soim Lee malt wunderschöne Bilder von Orten, die sie nie selber besucht hat und auch nicht besuchen wird. Zu sehen sind diese Landschaftsbilder zurzeit beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch in einer Ausstellung mit dem Titel „A beautiful place“ (Ein schöner Ort).

Der Besucher trifft auf einen Wasserfall mit Regenbogen, Palmen, eine Alpenlandschaft, die Everglades und eine ganze Bildreihe mit dem Titel „21 Romanticism“ und, um dem I das Tüpfelchen aufzusetzen, auf einen Palmenstrand mit dem augenzwinkernden (?) Titel „Therapeutic Landscape“ (Therapeutische Landschaft).

Soim Lee wurde in Südkorea geboren, studierte in Seoul von 2000 bis 2001 Freie Kunst, bevor sie von 2002 bis 2005 in Saarbrücken und von 2005 bis 2011 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte. Dort schloss sie ihre Studien der Malerei als Meisterschülerin von Professor Eberhard Havekost ab – und dort lebt und arbeitet sie.

Gegen Ende ihres Studiums hängte Soim Lee den Pinsel an den Nagel und probierte etwas Neues aus, etwas, das ihren Malstil bis heute prägt: die Airbrush-Technik mit Acrylfarben auf Leinwand. Ihre Bilder erscheinen durch den Sprüheffekt unscharf, was den romantischen Effekt sicherlich steigert. Gerade junge Menschen, so die Künstlerin im Gespräch mit den Vernissagebesuchern, würden ihre Gemälde schnell einordnen in einen digitalen Zusammenhang. Tatsächlich täuscht die gesprühte Farbe Pixel eines digital erstellten Fotos an.

Das Spiel mit Sein und Scheinen setzt sich auch in den Bildthemen fort. Soim Lee spielt mit Fotografien, die sie in Zeitschriften oder auf Postkarten entdeckt, stellt Zusammenhänge mit der klassischen Malerei her, mit Bildern etwa von Caspar David Friedrich. So findet sie eine an einen Cézanne erinnernde Berglandschaft mit einem Pfad in einem Reisekatalog. Soim Lee sagt: „Ich glaube eigentlich nicht, dass es kritische Bilder gibt.“ Aber der Betrachter ihrer schönen „Postkarten-Landschaften“ solle sich, wenn er denn mag, doch fragen, woher die Bilder kämen, auf die er reagiere.

Gerade dieses fein Gesponnene aus Erinnerungen an Bilder der Kunstgeschichte, an ­eigene Sehnsuchtsorte irgendwo zwischen Hochglanzidylle und Naturerlebnis machen den Grad aus, der Soim Lees Bilder als Kunst in Kopf und Herz schlüpfen lassen.

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