Kreis Heinsberg - IHK-Analyse: Wie sieht‘s mit dem Einkaufen im Ort aus?

IHK-Analyse: Wie sieht‘s mit dem Einkaufen im Ort aus?

Von: disch
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Einkaufen/Obst/Gemüse
Nahversorgung ist eine Grundvoraussetzung für einen attraktiven ländlichen Lebensraum - zu diesem Schluss kommt die IHK Aachen bei ihrer Analyse zur regionalen Daseinsvorsorge. Foto: dpa

Kreis Heinsberg. „Die Sicherung der Nahversorgung ist eine Grundvoraussetzung für einen attraktiven ländlichen Lebensraum. Erst dann bleibt er uns als Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum, aber auch für Landwirtschaft, Erholung und Kultur erhalten“, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen: „Es kann nicht unser Ziel sein, dass sich alle Funktionen in den Ballungsräumen bündeln, denn das führt langfristig zu negativen Entwicklungen.“

Die IHK hat eine weitere Analyse der regionalen Daseinsvorsorge herausgegeben, dabei auch die aktuelle Versorgungssituation am Beispiel des Lebensmittelhandels in den Städten und Gemeinden des Kreises Heinsberg (und des Kreises Düren) beleuchtet und die Erreichbarkeit der Geschäftsstandorte bewertet. Vor allem der ländliche Raum habe mit dem demografischen Wandel zu kämpfen, so Bayer. „Dort, wo die Bevölkerung schrumpft, sinken auch die Einnahmen. Um attraktiv zu bleiben, sollten Städte und Gemeinden deshalb über eine hochwertige Nahversorgung verfügen.“ Mit ihrer Analyse will die IHK den Städten und Gemeinden eine erste Orientierung bieten, „damit sie neue Impulse für die Daseinsvorsorge entwickeln“. Projekte wie Dorfläden und „rollende Supermärkte“ seien dabei erste Schritte. Auch das Internet spiele eine zunehmend größere Rolle.

Um die Versorgungssituation zu bewerten, wurde von der IHK die räumliche Verteilung von nahversorgungsrelevanten Einzelhandelsstandorten analysiert. Dabei hat sich die IHK auf Einzelhandelsgeschäfte beschränkt, die Lebensmittel anbieten. Es wurde zwischen verschiedenen Angebotsformen unterschieden: Super- und Verbrauchermärkte als Vollsortimenter oder Discounter, Fachgeschäfte mit einem eingeschränkten Angebot, beispielsweise nur Getränken oder Fleischwaren, und Dorf- und Hofläden mit ebenfalls einem begrenzten, teilweise auch regionalen Angebot. Nicht berücksichtigt wurden Angebote wie ­rollende Supermärkte, mobile Dienste oder Online-Handel, da dadurch theoretisch eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden könnte.

Radius von 1000 Metern Luftlinie

Die fußläufige Erreichbarkeit von Einzelhandelsbetrieben wurde als wichtigstes Kriterium bei der Raumanalyse herangezogen, um die Versorgungssituation der Bevölkerung zu bewerten. Den Strukturen des ländlichen Raumes geschuldet, der zwangsläufig größere Wegestrecken erfordert, legte die Untersuchung einen Radius von 1000 Metern Luftlinie fest.

Inwieweit die ländlich geprägteren Kommunen in Zukunft noch als Lebens- und Arbeitsraum für die Bevölkerung in Frage kommen könnten, hänge insbesondere von der Nahversorgung ab, so die IHK in ihrer Studie. Eine gute räumliche Ausstattung erhöhe die Bindung an die Wohnumgebung – insbesondere für ältere Menschen.

Fachleute gehen laut IHK davon aus, dass in Orten mit weniger als 2000 beziehungsweise 3500 Einwohnern im Einzugsgebiet die Sicherung der Nahversorgung für den stationären Einzelhandel durch Einzelhandelsketten wirtschaftlich unattraktiv sei.

Wenn keine lokalen Einzelhändler mit kleineren Verkaufsflächen mehr vor Ort seien, sei die Nahversorgung nicht mehr gewährleistet und alternative Nahversorgungskonzepte seien erforderlich.

Die IHK verwies auf verschiedene alternative Konzepte, die teilweise auch schon in Deutschland erprobt worden seien: Multifunktionsläden, Bürgerläden, mobile Versorger oder Filialkonzepte. Auch die Bestellung von Lebensmitteln via Internet werde zunehmend an Bedeutung gewinnen und eine Nahversorgung über Lieferdienste gewährleisten können.

Mit Blick auf stationäre Konzepte sei besonders entscheidend der Standort, denn die gute verkehrliche und fußläufige Erreichbarkeit sowie ausreichende Parkplätze beeinflussten die Kundenfrequenz erheblich. „Die Wahl des Nahversorgungskonzepts ist in erster Linie eine unternehmerische Entscheidung“, erklärte die IHK. „Dennoch stimmen auch die Bürger vor Ort mit ihren Füßen ab, ob sich Nahversorgung vor der Haustüre lohnt. Dazu zählt, dass der Kunde gegebenenfalls auch bereit ist, mehr zu zahlen, ein kleineres Angebot in Kauf zu nehmen oder beispielsweise eingeschränkte Öffnungszeiten zu akzeptieren.“ Planerisch könnten die Kommunen in einem gewissen Rahmen Einfluss auf die Nahversorgungssituation nehmen. In erster Linie gehe es dabei darum, mit den Instrumenten der Bauleitplanung überdimensionierte Angebote in nicht integrierten Lagen zu verhindern. Zudem könnte es lokale Einzelhandels- oder Nahversorgungskonzepte geben. Nahversorgungseinrichtungen könnten mit Geld oder auch nicht-monetär gefördert werden.

Für die ländlich geprägten Regionen empfiehlt es sich nach Ansicht der Kammer, interkommunal abgestimmte Konzepte zur Sicherung der Daseinsvorsorge zu entwickeln, „damit ein ruinöser Wettbewerb um Standorte vermieden und der Bestand in kleineren Orten gesichert wird“.

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