Hückelhovener Suchtforum: „Sucht im Alter“ in den Fokus gerückt

Von: hewi
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Zum Hückelhovener Suchtforum konnte Gastgeberin und Moderatorin Marlies Trapp (2. v. l.) als Referenten Andreas Kutschke, Margret Boeck, Dr. Karl-Heinz Feldhoff und Dietrich Knorr (v. l. n. r.) im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde in Hückelhoven an der Haagstraße begrüßen. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Beim achten Hückelhovener Suchtforum stand das Thema „Sucht im Alter“ im Fokus der Betrachtung. Alkohol, Tabak und psychoaktive Medikamente führten auch im höheren Lebensalter häufig zu Missbrauch und Abhängigkeit, wie die Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, Marlies Trapp, bei der Begrüßung des Fachpublikums im evangelischen Gemeindezentrum in Hückelhoven an der Haagstraße betonte.

Die Zahl der Senioren mit Suchtproblemen werde sich gegenüber 2001 in Jahr 2020 verdoppelt haben, berichtete sie. „Sind wir dieser Herausforderung gewachsen?“ lautete deshalb auch der Untertitel des Forums, zu dem auch der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Karl-Heinz Feldhoff, als Referent eingeladen war. Wie Trapp vertrat auch er den Standpunkt, dass für ältere Menschen mit Suchtproblemen besondere Formen der Unterstützung geschaffen werden müssten.

Hohe Dunkelziffer

Im Kreis Heinsberg leben 248233 Menschen. 64 761 davon sind über 60 Jahre alt. Statistisch kann man bei drei Prozent der Bevölkerung von einem Suchtmittelmissbrauch ausgehen – ein Problem, das demnach rund 1942 ältere Menschen im Kreis betreffen würde. Die Beratungsstelle betreue 42 Menschen über 60 Jahren, betonte Trapp. Dies seien knapp über zwei Prozent der betroffenen Zielgruppe. Nach Schätzungen gehe man von eindeutig höheren Zahlen aus, betonte auch Feldhoff.

Rund ein Drittel der männlichen Senioren über 65 und knapp 18 Prozent der weiblichen würden zu viel trinken. Bei der Tablettensucht, von der in Deutschland rund 1,9 Millionen Menschen betroffen seien, hätten die Frauen die Nase vorn. Der Umgang mit Medikamenten berge große Risiken, betonte Feldhoff und verwies darauf, dass nach Schätzungen rund 70 Prozent der Krankenhauseinweisungen von Senioren auf falschen Gebrauch von Medikamenten zurückzuführen seien.

Erfahrungen aus der Praxis

Andreas Kutschke, Pflegewissenschaftler und Krankenpfleger, berichtete aus der Praxis. Beim Thema „Altenpflege und Abhängigkeit von Medikamenten und Alkohol“ gab er einen Einblick in den Umgang älterer Menschen mit den „kleinen Helfern“ und zeigte auf, welchen Anforderungen sich die Pflege verstärkt zu stellen habe. Eine Pflegeeinrichtung, die sich dem Thema widmet, ist „Casa Wohnen und Pflegen“ in Erkelenz. Einrichtungsleiter Dietrich Knorr stellte die Arbeit des Pflegeheims für mehrfach geschädigte, chronisch suchtkranke Männer und Frauen vor. Auch Margret Boeck vom Caritasverband Düsseldorf hat entsprechende Erfahrungen gesammelt. Sie ist Bereichsleiterin im Caritas-Altenzentrum St. Josefshaus, in dem auch suchtkranke alte Menschen betreut werden.

Plädoyer für Vernetzung

In einer Podiumsdiskussion hatten die Zuhörer Gelegenheit, die Referenten zu ihren Fachgebieten zu befragen. Deutlich wurde beim Suchtforum auch, dass von der Kommunalpolitik Weichenstellungen für die zukünftige Ausrichtung der Beratungs- und Pflegearbeit erwartet werden. Im Namen des Kreises warb Gesundheitsamtsleiter Feldhoff für die Vernetzung der Angebote und berichtete auch von überregionalen und grenzübergreifenden Initiativen zu dem Thema.

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