Kreis Heinsberg - Horst Köhler erinnert an den Bombenangriff am Nikolaustag 1944

Horst Köhler erinnert an den Bombenangriff am Nikolaustag 1944

Von: disch
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Nach der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Erkelenz: Mit Bildband, Gebäck und Urkorn in einer Erkelenz-Tasche bedachte Bürgermeister ­Peter Jansen den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. „Es berührt mich, mit welcher Zuversicht die Menschen in Erkelenz und dem Kreis Heinsberg trotz aller Herausforderungen die Zukunft gestalten. Das macht Mut und Hoffnung.“ Dies hatte Bundespräsident a. D. Horst Köhler bei seinem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erkelenz geschrieben.

Doch auch in seiner Rede, die er vor 350 geladenen Gästen in der Hauptstelle der Kreissparkasse Heinsberg in Erkelenz hielt, setzte Köhler lokale Akzente. Dabei schlug er den Bogen von der Geschichte – samt Erinnerung an den Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg – bis zur Gegenwart – mit Blick auf den Braunkohlentagebau Garzweiler II.

Bei der Vorbereitung auf den Vortrag habe er, „erst mit Neugier und dann voller Ehrfurcht“ gedacht: „Welche Geschichte hat der Kreis Heinsberg, dieses Stück Rheinland, nicht alles hinter sich!“ Über Jahrhunderte hinweg sei die Region ein Spielball der europäischen Kriege gewesen, „war mal unter niederländischer, mal unter französischer Herrschaft“. Die Pest habe im 16. Jahrhundert fast die gesamte Bevölkerung ausgerottet.

Und Wikipedia notiere genauestens, dass im Jahr 1841 in der Erkelenzer Stecknadelfabrik von den 73 Arbeitern fast die Hälfte Kinder unter 14 Jahren gewesen seien. „Später dann der Erste Weltkrieg, der Streit ums Rheinland, Hyperinflation, Nationalsozialismus und Judenvernichtung, Zweiter Weltkrieg... Der Kreis Heinsberg hat inmitten Europas all diese Wirrungen mitgemacht, mitmachen müssen, und noch vor genau 70 Jahren starben Menschen in Erkelenz durch Bomben: 44 Menschen kamen am Nikolaustag 1944 durch Luftangriffe ums Leben.“

„Wie haben sich die Zeiten doch geändert“, möge man da ausrufen. Köhler: „Wir leben in Europa in Frieden, wir beuten unsere Kinder nicht mehr aus, wir müssen uns vor Seuchen nicht mehr fürchten. Das alles sind keine Selbstverständlichkeiten“, so Köhler. Und er wäre froh, „wenn wir uns das bei allem berechtigten Meckern etwas öfter in Erinnerung rufen würden“.

Den Hunger nach Rohstoffen, Erderwärmung und Klimawandel sowie CO2-Emissionen ansprechend, führte Köhler weiter aus: „Wir müssten die Emissionen also rasant reduzieren, statt sie wie bisher weiter zu erhöhen. Wie wir unsere Energiesysteme so umstellen, dass die die physischen Grenzen des Planeten respektieren und gleichzeitig Wachstum und damit Arbeitsplätze fördern – was diese Herausforderung in all ihrer, ja, brutalen Ambivalenz bedeutet, das ist ja hier in Erkelenz ganz unvermittelt zu spüren.“

In die Diskussion zur Entwicklung der neuen globalen Nachhaltigkeitsagenda und dann auch in die Umsetzung sollten sich – so Köhlers Wunsch – auch die Kommunen und Landkreise und Regionen einmischen. Und weil er bei der Sparkasse spreche, fügte er hinzu: „Natürlich hat die regionale Wirtschaft hier eine besondere Bedeutung.“ Globale Partnerschaft, große Transformation, das finde ja nicht irgendwo statt, sondern immer vor Ort.

Überall gebe es Ideen und Initiativen. „Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, Europas und der Welt muss sich eben auch in Erkelenz beweisen. Und damit ist die schwierige und konfliktreiche Frage des Tagebaus hier in der Region eben auch ein Zeichen für die ganz realen Interessenkonflikte, die dieses Jahrhundert mit sich bringt, leider, aber das ist die Realität, und ach, ich kann ja nur ahnen, welche Gegensätze und Widersprüche hier in Erkelenz aufeinanderprallen. Ich habe höchsten Respekt dafür, dass Sie sich hier mit einem konstruktiven Geist diesen Herausforderungen stellen, die an die Substanz unseres menschlichen Zusammenlebens gehen.“

Beispielhaft für die lokalen Initiativen, bei denen die Bürger eingebunden würden, nannte das ehemalige Staatsoberhaupt unter anderem den Runden Tisch der Stadt Erkelenz.

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