Holz hat Platz der Kohle eingenommen

Von: disch
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Wo einst Steinkohle das Bild prägte, ­lagert heute Holz als Futter für die Kraftwerke unter dem Förderturm an Schacht 3. Foto: prägte, ­lagert heute Holz als Futter für die Kraftwerke unter dem Förderturm an Schacht 3.
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Der Blick ins Kesselfeuer gehörte natürlich dazu beim Rundgang durch die WEP-Kraftwerke. Fotos (5): Koenigs Foto: Koenigs
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Rund um die Uhr vor Ort ist ein ­Kesselwärter: WEP-Geschäftsführer Christoph Langel schaut Thomas Günther über die Schulter.
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Imposant auch von außen ist die Rauchgasreinigungsanlage – eine der vielen Stationen auf dem Kraftwerksrundgang bei der WEP.
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Ausgeloste Abonnenten hatten die Chance, bei der WEP in Hückelhoven einmal hinter die Kulissen zu blicken.

Kreis Heinsberg. „Hückelhoven hat bereits heute im Vergleich deutscher Städte fast die höchste ­Fernwärmeversorgungsdichte aus erneuerbaren Energien!“ Dies erklärte Christoph Langel, Geschäftsführer der WEP Wärme-, Energie- und Prozesstechnik GmbH, als er zu einer Veranstaltung im Rahmen des Aboplus-Programms 25 (ausgeloste) Abonnenten unserer Zeitung zu einem Blick hinter die Kulissen des Energieversorgers willkommen hieß.

Beheimatet ist die WEP in ­Hückelhoven an Schacht 3. Und dies erklärt sich bei einem Blick auf die Geschichte des Unternehmens, das heute zum Konzernverbund der Stadtwerke Dinslaken gehört: Gegründet wurde die WEP 1983 als Tochter der Steinkohlenzeche Sophia-Jacoba. Seit 1997, jenem Jahr, als die letzte Kohle bei SJ gefördert wurde, liegt die komplette Fernwärmeversorgung der Stadt in Händen der WEP. Allein in Hückelhoven versorgt sie heute über Rohrleitungsnetze rund 4000 Haushalte mit Fernwärme in Form von 90 bis 110 Grad heißem Wasser. 2009 wurde zudem der Stromvertrieb aufgebaut, 2015 folgte der Gasvertrieb. So zählt die WEP alles in allem – Fernwärme, Strom und Gas, bundesweit betrachtet – mehr als 28.000 Kunden, Tendenz steigend.

Nicht nur, weil in Hückelhoven und im benachbarten Wassenberg der Ausbau und die Verdichtung des Fernwärmenetzes stetig vorangetrieben wird (jeder neue Hausanschluss spart laut Langel circa acht Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein). Auch die Zahl der Strom- und Gaskunden wächst, obwohl die WEP in den bekannten Vergleichsportalen nicht auftaucht, wie Langel auf entsprechende Nachfrage eines Besuchers bestätigte.

Die Provisionen, die im Falle eines Anbieterwechsels über solche Portale fällig würden, wolle die WEP im Interesse ihrer Kunden sparen, erklärte Langel. Da setze die WEP lieber auf Mund-zu-Mund-Propaganda, auf Sponsoring in der Region und auf Werbung, zum Beispiel mit Anzeigen in der Tageszeitung, denn: Als Unternehmen ohne Werbung zu agieren, sei so, als wenn jemand in einem Flugzeug oben am Himmel den Motor abschalte, weil er die nötige Flughöhe erreicht habe...

Stolz verwies Langel auf die Auszeichnung der WEP als „Top-­Lokalversorger“ für Strom und Gas in Hückelhoven und auf die Rolle der WEP als Schrittmacher bei der Klimaexpo NRW.

63 Mitarbeiter zählt die WEP aktuell; rund ein Drittel war früher bei Sophia-Jacoba tätig. Dies gilt auch für die drei Mitarbeiter, die bei dieser ­Aboplus-Aktion die Abonnenten durch die beiden Kraftwerke der WEP führten: Detlef Lengersdorf, Achim Mathieu und Marc Piosik. Wo einst Steinkohle die Szenerie prägte, lagert heute Holz als Brennstoff. Denn 2004 war das frühere SJ-Kraftwerk von Kohle auf Altholz umgestellt worden; mit 5,5 Megawatt elektrischer und 30 MW thermischer Leistung. 2007 wurde ein weiteres Kraftwerk mit Frischholz als Brennstoff errichtet (Leistung: 2,5 MW elektrisch, 8 MW thermisch).

Holz wird nach vier Qualitätsstufen unterschieden: A I (naturbelassen, zum Beispiel Paletten) und A II (verleimt oder beschichtet, wie Möbel) finden bei der WEP Verwendung; hingegen A III (mit halogenorganischen Verbindungen) und A IV (mit Holzschutzmitteln) nicht.

Bei der Führung erkundeten die Abonnenten den Weg von der automatischen Zuführung des Brennstoffs Holz – 40.000 Tonnen Frischholz und 60.000 Tonnen Altholz im Jahr – über die Verbrennung im Feuerraum des Dampfkessels und die Dampferzeugung mit Hilfe eines Rohrsystems bis zur Stromerzeugung (knapp 60.000 Megawattstunden im Jahr - genug für rund 15.000 Haushalte) und Wärmeauskopplung (fast 300.000 MWh im Jahr); nicht zu vergessen die Rauchgasreinigung. Dabei erfuhren sie auch, dass nur ein einziger Arbeitsplatz rund um die Uhr besetzt ist: Der Kesselwärter hat in seinem Leitstand alles im Blick.

„Holz ist nicht einfach“, sagte Detlef Lengersdorf, der früher als Reviersteiger unter Tage gearbeitet hat und heute bei der WEP als technischer Leiter fungiert. Die Kohle habe fast schon wie ein Schmierstoff für die Maschinenteile im Kraftwerk gewirkt. Holz – ob naturbelassen mit entsprechenden Sandeinträgen oder gebraucht mit Nägeln und anderen Schrottelementen – bereite da doch Maschinen und Menschen eine Menge mehr Arbeit. Aber für „Maloche“, sprich schwere Arbeit, hat der Zechenstandort ja bekanntlich schon immer gestanden. Passt also eigentlich bestens zum Anspruch der WEP, ein modernes Unternehmen mit Tradition zu sein.

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