Hip-Hop: Nenad Rademakers tanzt sich an die Spitze

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Der Sieger der „Deutschen Mei
Der Sieger der „Deutschen Meisterschaft Videoclip-HipHop”: Nenad Rademakers will im nächsten Jahr seine Tanzschüler bei dem Wettbewerb antreten lassen. Foto: vm

Heinsberg-Dremmen. Manchmal musste Nenad Rademakers einfach gewinnen, er hatte keine andere Wahl. Als er vor etlichen Jahren mit Freunden in Berlin bei den Dance Days angetreten war beispielsweise, konnten sich die jungen Tänzer nur die Hinfahrt leisten.

Kein Preisgeld, kein Rückfahrticket. Entsprechend hoch war der Druck. „Das war schlimm”, gibt Nenad heute offen zu. Aber es ging immer gut. Heute kann der 24-Jährige vieles gelassener sehen. Vor ein paar Wochen hat er den ersten Platz im Solo-Wettbewerb der „Deutschen Meisterschaft Videoclip-HipHop” in Mannheim belegt. Und auch im Underground, bei den sogenannten battles (Kämpfen) zwischen Hip-Hop-Tänzern, hat er sich inzwischen einen Namen gemacht.

Rademakers stammt aus Serbien, seit zehn Jahren lebt er in Deutschland. Zu seinem wenig serbisch klingenden Nachnamen ist er gekommen, als seine Mutter einen Niederländer heiratete, der ihn adoptiert hat. Die ersten Jahre in Heinsberg, erzählt der 24-Jährige, seien nicht einfach gewesen. Als er in einem Jugendzentrum gesehen hat, wie Jugendliche Breakdance machen, wollte er das auch lernen - aber keiner wollte es ihm zeigen.

Also brachte er es sich selbst bei, fand Gleichgesinnte, mit denen er immer nach der Schule nach Aachen fuhr. Dort, im Carl-Sonnenschein-Haus, trainierten sie. Die Fahrt dorthin, mit Bus und Bahn, dauerte immer anderthalb Stunden. „Das war schon mies, aber wenn man so heiß auf eine Sache ist, dann nimmt man das in Kauf”, erzählt Rademakers.

In Kauf nehmen musste er auch so manche schmerzhafte Erfahrung wie gebrochene Finger - schließlich hat ihm nie jemand sagen können, was er falsch machte. Er schaute Tanzfilme und Clips im Internet, beschäftigte sich mit der Geschichte von Funk, Disco und Hip-Hop. Dass es keine starren Vorgaben gibt, dass man allein schon durch den „groove” immer in Bewegung ist, statt nur eine bestimmte Haltung anzunehmen wie bei anderen Tänzen, dass man sich frei entfalten kann, das gefiel ihm. „Nicht zu viel nachdenken. Das ist wie ein kleiner Urlaub”, sagt Rademakers.

Über seine Freunde kam er zu den Showmeisterschaften, bei Popstars machte er den 30. Platz, den Tanzsportclub Grün-Weiß Aachen brachte er in die erste Bundesliga im Showtanz. „Wenn man eine Sache macht, dann muss man sie auch vernünftig machen”, sagt Rademakers, wenn er davon erzählt und das klingt kein bisschen aufgesetzt. Er immer sehr konzentriert und vor allem: sehr höflich. Sein ganzer Charakter, erzählt er, sei durch den Tanz gebildet worden: seine Ehrlichkeit, Offenheit und die Art und Weise zu kommunizieren.

Mit dem Erfolg kam auch die öffentliche Aufmerksamkeit, er wurde zu offiziellen Veranstaltungen mit den üblichen Honoratioren eingeladen, lernte, wie man Kontakte knüpft und begann irgendwann, selbst Workshops zu geben. Kürzlich unterrichtete er an der Realschule in Gangelt, Fortsetzung folgt.

„Das war ein hohes Lob von den Lehrern, als sie meinten, ich hätte nicht nur die Technik und den Spaß vermittelt, sondern die Kinder auch gut unter Kontrolle gehabt”, erzählt Rademakers, der gerade in Venlo studiert.

In der Tanzschule Ars Vivendi in Heinsberg-Dremmen gibt er ebenfalls Workshops, einer findet beispielsweise in den Sommerferien statt, am 20. August zwischen 17 und 19 Uhr. Kosten: zehn Euro pro Person.

Er versuche, das zu vereinen, was Wettbewerbe und battles noch trenne: Bei dem einen ginge es darum, eine einstudierte Choreographie zu beherrschen, bei dem anderen um Spontaneität und Kreativität. Beides wolle er in den Kursen vermitteln - und auch einen Beitrag zur Integration leisten.

„Gerne können Menschen mit Migrationshintergrund kommen. Selbstverständlich”, sagt er. Auch Ältere würde er gerne begrüßen, um ihnen zu zeigen, dass das, was die Jugendlichen da machen, nicht viel anders als das ist, was in den 60ern und 70ern in Discos passiert ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:

Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.