Herrlicher Blödsinn: Boulevard brummt vor lauter Schlitzohrigkeit

Von: sche
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Heinsberg-Oberbruch. Die Fahrt nach Düsseldorf konnte man sich sparen. Die Komödie an der Steinstraße kam nach Oberbruch mit „Denn sie wissen nicht, was sie erben” (Regie Dominik Paetzholdt).

Dort fand auch im letzten Jahr die Uraufführung statt. Autor ist Erich Virch, bekannt für Satiren, aber auch Songs. Er verfasste das Stück für den Tausendsassa Kalle Pohl, von dem man sich gewünscht hätte, weniger zu nuscheln und die Oberbrucher Halle nicht mit einem Zimmertheater zu verwechseln.

Trotzdem gab es Heiterkeit pur und Lachen ohne Ende. Es ging ums Erben, aber nicht nur. Häufig driftete das Geschehen ab, um Pointen wie die Raketen abzuschließen und das Publikum unmittelbar zum Gesprächspartner zu machen. Wie man so schön sagt, der Boulevard brummte vor lauter Schlitzohrigkeit. Wenn es um Erben geht, hört zwar die Freundschaft auf, aber die Skurrilität wuchert und blüht.

Das Publikum erlebte zwei Stunden, die rasch vergingen. Wer so richtig aus Leibeskräften lachen wollte, war gut aufgehoben. Wo so herrlicher Blödsinn verzapft wird, ist man gern live dabei. Dabei wurde man häufig auch per Du, sonst wäre es doch perdu gewesen. Alles drehte sich um Tante Witha. Dass sie es dann doch nicht war, fiel nicht auf. Die dafür vorgesehene Silvana Sansoni wurde von Christiane Hecker vortrefflich „gedoubelt”.

Dietrich und Edith Buschmeier (Kalle Pohl/Kerstin Gäthe) stellten die Bude auf den Kopf, um an ihr Erbe zu kommen. Auch der anfangs etwas depperte Eugen Gotthold (Momme Mommsen) war hinter ihr her. Handgetöpferte bunte Krüge spielten eine großen Rolle, in dem einen war der verblichene Olaf Schmidt, dessen Witwe (Ruth Willems) Trauerkleidung mit knapper bunter Kostümierung verwechselte, und am Ende Weinbrandbohnen statt der Asche beisetzen ließ.

Dafür steckten die Erbschleicher in tausend Schwierigkeiten und mit den Armen in den Krügen, weil sie darin ihr Testament suchten. Die barmherzigen Schwester Severitas (Michaela Klarwein) tauchten auf und mussten unbarmherzig handgreiflich werden. Immer mehr kam das Geschehen in Fahrt.

Hauptsächlich lebt das Stück von den Slapsticks, wie man heute sagt. Hauptsache man kommt auf seine Kosten. Das Erben ist ein Kapitel für sich. Die einen schlagen sich die Köpfe ein, die anderen gucken in die Röhren, weil nichts zu holen ist. Auch Witha Gotthold machte allen einen Strick durch die Rechnung und ließ am Schluss ihr ganzes Vermögen dem Oberbrucher Kanarienzuchtverein zukommen.
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