Heinsberg - Henning Venske zieht über die „Lallbacken” der Nation her

Henning Venske zieht über die „Lallbacken” der Nation her

Von: Anna Petra Thomas
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Erfreut zeigte sich Henning Ve
Erfreut zeigte sich Henning Venske über viel Zuspruch. Doris Lemke-Rossner aus Karken bat ihn nicht nur, sein neues Buch zu signieren, sondern hatte auch noch eins aus dem Jahre 1983 mitgebracht: „Pupsi und der Tortenmord - Das endgültige Mädchenbuch für Jungen.” Foto: Thomas

Heinsberg. Was „Lallbacken” sind, wissen seit dieser Woche zumindest die 60 Besucher der Buchhandlung Gollenstede, die Henning Venske bei seiner Lesung aus seinem neuen Buch „Lallbacken - Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” zuhörten und sich dabei phasenweise auch ganz köstlich amüsierten.

Venske, „Kabarettist der alten Schule”, wie ihn Buchhändler Marcus Mesche vorstellte, „sagt und schreibt, was er denkt und tritt dabei so manch einem auf die Füße”. Mehr sagte er nicht, wollte er doch keine „Lallbacke” sein?

„Ich mach hier ne richtige Lesung”, hatte Venske in einem Gespräch mit unserer Zeitung (siehe unten) schon vorab erklärt. „Das andere mache ich auf der Bühne.” Und doch wurde im Laufe des Abends klar, dass er auch das andere kann, auch in einer Lesung, als er zum Beispiel Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigners Zitat in original Bayrisch zum Besten gab.

Politische Phrasen

„Ich lese aus meinem Manuskript, da sind die Buchstaben größer”, sagte er, als er hinter einem großen Tisch Platz nahm und dann wie ein Nachrichtensprecher ein weißes A4-Blatt nach dem anderen von einem dicken Stapel von rechts nach links quasi abarbeitete. Aus den Jahren 2002 bis 2011 stamme seine Dokumentation politischer Phrasen, die zeige, wie austauschbar „die Herrschaften” doch seien, wie dumm, wie verlogen, schickte er dem vorweg.

Dann startete er inhaltlich ganz hinten in seinem Buch, einem Kapitel, das nach den davor platzierten Einblicken ins Kanzleramt, 14 Ministerien, dem Bundespräsidialamt und „Die Vierte Gewalt” mit „Und jetzt das Wetter” überschrieben war. Venske mokierte sich über den Status Berlins, wo jeder Pups zur Hochkultur werde, nur weil er Unter den Linden gelassen worden sei. Und er vermisste den „Bericht aus Bonn”. Offen verurteilte er die Verharmlosung rechtsradikalen Terrors, nannte Sarrazins Äußerungen „Volksverhetzung unter dem Mantel der Meinungsfreiheit” und zeigte sich bei all seinen Analysen als jemand, der die historischen Zahlen, Fakten und Zusammenhänge wirklich zu kennen scheint, mit denen er argumentiert.

Weiter gings ins Innenministerium, Kapitel 3 von 18 im Buch, und zu „Lallbacke Friedrich”, Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich. „Vielleicht muss dem deutschen Innenminister und seinen Verfassungsschützern mal jemand klarmachen: Eine Politik, die Nazis das Recht einräumt, gesellschaftlich in Erscheinung zu treten, taugt nichts”, las Venske von Seite 78.

Hart ins Gericht ging er vor der Pause auch mit dem Thema Religion. „Was hat denn historische Wurzeln?”, fragte er. „Das Schächten der Lämmer wirkt auf mich nicht befremdlicher als der Zölibat.” Religion könne kein Schulfach sein, weil kein Wissen vermittelt werde. Die Religionsfreiheit solle ja gar nicht angetastet werden, so seine Meinung, „aber eine religiöse Missionstätigkeit kann eine aufgeklärte Gesellschaft keinesfalls dulden”.

Nicht besser kam nach der Pause das Finanzministerium weg, als Venske vorschlug, das deutsche Steuersystem unter Denkmalschutz zu stellen oder die Autobahnen als Bodenschätze zu vermarkten. Und was den Verbraucherschutz angehe, wäre es ja wohl angemessener, alles zu kennzeichnen, was nicht „bio” sei und nicht umgekehrt. „Wenn man ein Thunfischsteak ans Ohr hält, kann man Radio Tokio hören. Aber aktive Sterbehilfe ist nach wie vor verboten”, so sein Kommentar dazu.

Schließlich widmete sich Venske der Presse als der vierten Gewalt im Staat und ließ sich zu einer Zugabe überreden, die er dem Thema Bahn widmete und Bundeskanzlerin Angela Merkel zitierte: „Damit es Deutschland besser geht, werden die Weichen aufwärts gestellt.”
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