Heinsberg - Heinsbergs einzigartiger Schatz: Die Künstlerdynastie Begas

Heinsbergs einzigartiger Schatz: Die Künstlerdynastie Begas

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Beeindruckt von der Fülle des Begas Hauses: Professor Bernhard Maaz.

Heinsberg. Er ist ein vielbeschäftigter Mann. Zwischen Dresden, wo er zurzeit noch Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Gemäldegalerie Alte Meister sowie stellvertretender Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlung ist, und München, wo er ab April als Generaldirektor die Bayerische Staatsgemäldesammlung leitet, macht Professor Dr. Bernhard Maaz, Station in Heinsberg, um einen Festvortag zum einjährigen Bestehen des Begas Hauses zu halten.

Dass er später noch seine Tochter besuchen kann, die in Aachen Architektur studiert, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Ein sehr angenehmer.

Unterstützt hat er das Museum schon oft, zum Beispiel, indem er Gutachten geschrieben hat, wie für das Gemälde „König Saul“, das jetzt die Heinsberger Dauerausstellung ergänzt. Mit unserer Redakteurin Mirja Ibsen sprach der Kunsthistoriker über die Sinnhaftigkeit eines Begas Hauses in der Kreisstadt Heinsberg, Sponsoren und bedruckte Tassen.

Begas in Heinsberg: Passt das?

Bernhard Maaz: Heinsberg hat, man kann es schon so sagen, einen einzigartigen Schatz. Es sind nahezu 100 Jahre Kunstgeschichte, die sich hier in einer Künstlerdynastie manifestieren. Und ausgerechnet die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, also des Jahrhunderts, in dem die Grundlagen unseres Moderne-Verständnisses gelegt worden sind. Normalerweise hat man Personalmuseen wie das Goethehaus in Weimar, die ein Bild zeichnen, das die unmittelbare Nachwelt entworfen hat. Das Besondere, das geradezu Einmalige in Heinsberg, ist, dass ein Familien-Oevre durch Leihgaben, durch Ankäufe, durch Museumsbesitz sichtbar gemacht und rekonstruiert wird. Und das, was dabei entsteht, ist ein Bild, das neben den historischen Dimensionen des Museums bis 1800 mit ihren sakralen Schätzen die Tradition des 19. Jahrhunderts zwischen Romantik, Biedermeier und Gründerzeit auffächert. Aus all dem kann man vieles ableiten: Ein Epochenbild zwischen französischer Revolution und erstem Weltkrieg. Ein Bild der Kunstgeschichte zwischen Romantik und ja fast schon dem deutschen Impressionismus, aber doch den deutschen Realismus um 1900. Zu der Fülle von Aspekten, die man aufdecken kann, gehört aufzuzeigen: Welche Funktion hatte bildende Kunst zwischen Familienporträt, Staatsauftrag, Historienmalerei und Landschaft?

Mit der Konzeption von Museen kennen Sie sich aus. Sie haben viel umgebaut, erst in Berlin, dann in Dresden und jetzt in München. Was ist die Stärke dieses Hauses?

Bernhard Maaz: Die Stärke dieses Museums ist es, Kunstgeschichte und Kulturgeschichte harmonisch miteinander zu verweben. Und am Exempel der Familie Begas sehr viel mehr zu zeigen, als nur das lokal oder nur das kunsthistorisch Interessante. Beim Rundgang durch das Museum wird deutlich, in welchem Maße diese Kunst Bestandteil der Alltagskultur des Bürgertums war. Und was wir daraus lernen können ist, dass das ein kostbares Gut ist, wenn künstlerische Produktion nicht nur über dem Sofa hängt, sondern sich auch auf angewandte Kunst ausstreckt, weil damit ein idealer Brückenschlag bewerkstelligt wird zwischen dem, was wir heute als Hochkultur bezeichnen und den sogenannten angewandten Künsten. Niemand würde heute ein Werk von Baselitz auf eine Tasse drucken. Warum eigentlich nicht? Das ist eine Frage, die man sich stellen darf, wenn man aus diesem Museum herausgeht, und dabei begreift, dass so eine Harmonie existiert hat.

Ihr Lieblings-Begas?

Bernhard Maaz: Ich werde darauf anders antworten: Das Privileg aller Museumsleute ist es, dass sie ihre Lieblinge immer wieder neu definieren können. Und die größte Überraschung, die ich heute hier beim Rundgang erlebt habe, ist die Entdeckung dieses ganz, ganz kleinen, ganz frühen Selbstbildnisses von Carl Begas dem Älteren. Und zwar, weil es einen Künstler auf der Suche zeigt. Dieser Ausdruck der Suche ist etwas, das jeden Menschen heute angehen kann.

Was wünschen Sie dem Hause?

Bernhard Maaz: Dass durch eine Spende von rund 22.000 das großartige Bild der Tänzerin Fanny Elssler ausfinanziert wird und dass durch eine ebensolche Spende die Grundlage für den Erwerb eines neuen Bildes gelegt wird. Also dass das Museum weiter wächst.

Und was sagen Sie Kritikern, die fragen: „Wo ist unser schönes Heimatmuseum?“

Bernhard Maaz: Es ist da! Es ist nur einfach mit einem aktuellen Blick neu aufgestellt. Und diese Kirchenschatzkunst, die Sie hier finden. Die ist doch bestechend! Museum definiert sich über Personen: Erstens über die, die es machen, zweitens über die, die behandelt werden, drittens über die, die es anschauen – und viertens: über die Sponsoren. Das kann man nicht oft genug sagen. Das ist dringlich!

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