Heimatverein will Häuschen retten

Von: Karin Klimmeck
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Links eine der am besten erhal
Links eine der am besten erhaltenen Stationen der Kreuzweg-Häuschen innerhalb der Friedhofsmauer von St. Martinus Steinkirchen. Daneben eine der am stärksten zerstörten. Foto: Küppers

Wassenberg-Steinkirchen. Die Kreuzweghäuschen in der Friedhofsmauer der Martinus-Kirche Steinkirchen sind wirklich ein trauriger Anblick.

Der weiche Sandstein ist zerfallen, große Stücke der Quader fehlen und von den Kreuzwegstationen ist so gut wie nichts erhalten. Dabei sind sie sehr selten und stehen nicht umsonst unter Denkmalschutz.

Der Heimatverein Wassenberg will sich jetzt für die Instandsetzung der Häuschen einsetzen und auch die Friedhofsmauer ausbessern. „Ob das tatsächlich gelingt, ist noch unklar. Wir müssen erst noch mit dem Landschaftsverband Rücksprache halten”, sagte der Vereinsvorsitzende Sepp Beckers unserer Zeitung. Grundsätzlich wolle der Verein sich aber sehr gerne darum kümmern.

Geboren wurde diese Idee beim Sommervortrag über St. Martinus von Hanns Heidemanns. Dabei wurde für den Erhalt der Martinus-Kirche gesammelt, für den sich Mieke und Fred Küppers stark machen. Die Eheleute trugen auf Nachfrage, was mit dem Geld gemacht werden könnte, den Wunsch vor, dass die Friedhofsmauer mit ihren Kreuzweghäuschen instand gesetzt wird. „Es ist so schade, dass die verfallen”, sagte Mieke Küppers.

Die Häuschen sind in ihrer Art eine Besonderheit am Niederrhein. Sie ähneln den „Fußfällen” zwischen Wassenberg und Birgelen, die aus der Zeit der Gegenreformation nach 1700 stammen. Kurz vor dem Rathaus Wassenberg und an der Wegabzweigung in Birgelen Richtung Pützchen sind noch zwei Fußfälle erhalten, die aus Resten römischer Grabstellen stammen und in ihrem fensterähnlichen Oberteil Szenen des Leidensweges zeigen.

Die Fußfälle bildeten immer eine besondere Rolle im Glaubensleben. Am gesamten Niederrhein soll es nur noch einen solchen Kreuzweg wie in Steinkirchen geben, bei dem die Kirchhofsmauer den Hintergrund und Aufnahmeort bildet. Bei der alten Kirche waren es noch mehr Gebetshäuschen; heute sind es nur noch zehn, und diese sind zum großen Teil sehr restaurierungsbedürftig, denn der Zahn der Zeit frisst am weichen Sandstein, von den „Krönchen” liegen die Reststücke im Turm der Kirche.

Ein positives Beispiel, wie die Häuschen wieder aussehen könnten, ist in Borschemich zu sehen. Sie sind jüngeren Datums und sollen durch Rheinbraun mit dem Friedhof umgebettet werden.

Die Martinus-Kirche Steinkirchen ist nicht nur ein Ort hervorragender Kirchenkonzerte, sondern auch eine der ältesten Kirchengründungen zwischen Rur und Maas. Ihr Ursprung geht vermutlich auf eine frühe Holzkirche zurück in der Gründungsperiode des 7./8. Jahrhunderts durch iroschottische Mönche. In der Dorfgeschichte erhalten blieb die Erzählung von zersägtem, kohlschwarzem und besonders hartem Holz eines Kreuzrestes.

Bei der Gründung der Georgs-Kirche Wassenberg im Jahre 1118 wurde St. Martinus Steinkirchen bereits inkorporiert, wie Hanns Heidemanns kürzlich berichtet hatte. Im Kriegsjahr 1944/45 wurde der Turmhelm der „Steineren Kirche” aus der Romantik teilzerstört und danach wieder aufgebaut. Das Langschiff aus der gleichen Periode wurde 1870/71 durch den Kölner Architekten Wiethase nach Abbruch des alten Langschiffes, das als Gottesdienstraum für die größer gewordene Gemeinde mit Effeld zusammen zu klein geworden war, neu und größer errichtet. In Effeld wurde 1910 eine eigene Kirche gebaut, die im Vorjahr ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

Die Pflege der Martinus-Kirche selbst ist nur durch den ehrenamtlichen Einsatz des benachbarten Ehepaares Küppers möglich. Dieser bezieht sich nicht allein auf den technischen Teil, sondern auch auf die Betreuung eines kulturellen Angebotes, besonders im musikalischen Bereich oder bei Vorträgen, die immer auf gute Resonanz stoßen.
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