Heimat shoppen: „Einzelhandel im Kreis Heinsberg gut aufgestellt“

Von: disch
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Kreis Heinsberg. Die Aktion „Heimat shoppen“ soll den stationären Handel ins öffentliche Bewusstsein rücken, indem sie seine Vorteile aufzeigt. Die Kunden sollen dafür sensibilisiert werden, dass sie mit ihrer Kaufentscheidung einen unmittelbaren Einfluss auf ihr direktes städtisches Lebensumfeld nehmen.

Der Einzelhandelsverband, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Zeitungsverlag Aachen – unterstützt vom Handwerk und den Sparkassen – arbeiten bei dieser Aktion zusammen. Thomas Pennartz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heinsberg, ist auch Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Heinsberg. Vom Thema „Heimat shoppen“ ist er also in vielfacher Hinsicht berührt. Da ist die IHK als einer der Initiatoren dieser Aktion. Da ist die Sparkasse, die in vielfältigen Geschäftsbeziehungen sowohl mit dem Handel als auch mit den Verbrauchern steht und dies in ihrem Mehrwertprogramm „Ein starkes Stück Heimat“ zusammenführt. Und da ist natürlich der Kunde Thomas Pennartz.

 

Wie bedeutsam ist aus Ihrer Sicht die Aktion „Heimat shoppen“?

Pennartz: Es ist sehr gut, die Aufmerksamkeit der Bürger auf die Bedeutung und die Wirkungen ihrer Kaufentscheidungen zu lenken. Denn mit jedem Einkauf entscheide ich – wie jeder andere Bürger im Kreis Heinsberg – mit darüber, welches Stadtbild sich in meiner Heimat entwickelt.

Die Aktion „Heimat shoppen“ richtet sich ja erklärtermaßen nicht gegen das Online-Shopping, sondern will positiv für den stationären Handel werben. Käufe im Internet oder den Einkaufsbummel in einer Großstadt, beispielsweise in Aachen, Köln oder Düsseldorf, generell zu verteufeln, dürfte auch in der Tat wenig realistisch und zielführend sein, oder?

Pennartz: Wir sollten hier nicht verschiedene Einkaufserlebnisse miteinander vermischen. In meiner Heimat kaufe ich entsprechend des vorhandenen Produktangebotes ein. Vielfach ist das Angebot in den Städten des Kreises Heinsberg sehr stark und sehr gut an den Bedürfnissen des täglichen Bedarfs ausgerichtet. Allerdings ist nicht jedem Einkäufer bewusst, welch gute Qualität und welch gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im eigenen Ort geboten wird. Dies möchte die Aktion „Heimat shoppen“ in den Vordergrund stellen.

Ich hoffe es gelingt damit, die Einkaufszettel für den Einkauf in der Heimat etwas zu verlängern. Den längeren Einkaufsbummel sehe ich eher als Stadtbummel, bei dem ich eher ohne ein klares Einkaufsziel eine größere Stadt besuche und dabei auch den dort anbietenden örtlichen Einzelhandel in meine Kaufentscheidungen einbeziehe. Hier geht es also nicht um einen Wettbewerb der Standorte.

Im Internet kann ich dann über meinen Händler in der Heimat oder den örtlichen Händler in der größeren Stadt die Dinge erwerben, die stationär nicht angeboten wurden oder verfügbar waren. Sofern die stationären Händler diese Variante nicht anbieten, gibt es reine Internet-Shops. Letztlich sind die verschiedenen Vertriebswege – damit meine ich den stationären regionalen und überregionalen Einzelhandel und das Internet – nicht wirklich in Konkurrenz, wenn jedem Käufer das gute Angebot und die gute Dienstleistung vor Ort bekannt sind.

Auch die Kreissparkasse Heinsberg will mit ihrem Mehrwertpro-gramm „Ein starkes Stück Heimat” Händler und Kunden in der Region zusammenbringen – mit Vorteilen für beiden Seiten. Wie sind Ihre Erfahrungen aus den ersten beiden Jahren?

Pennartz: Die Einzelhändler sind mit uns gemeinsam mit hohem Engagement in dieses nur langfristig wirkende Programm eingestiegen. Viele sind bereit, ihr lokales Angebot immer wieder mit neuen Rabattaktionen oder stabilen Preisreduzierungen noch bekannter zu machen. Der im Oktober letzten Jahres abgefragte Bekanntheitsgrad des Programms zeigt, dass wir in den Köpfen der Sparkassenkunden angekommen sind.

Fast jedem ist das Programm mittlerweile bekannt: Über 90 Prozent unserer mehr als 80.000 Girokunden kennen „Ein starkes Stück Heimat“. Zudem erreichen wir mit über 2000 Freunden auf der Facebook-Seite auch auf diesem Kanal mittlerweile mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger.

Allerdings müssen wir insbesondere an der Nutzung durch die Kunden und an interessanten Mehrwerten für die Einkäufer gemeinsam mit dem örtlichen Handel noch weiter arbeiten. Hier gibt es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten, insbesondere bei der Vernetzung des lokalen Einzelhandelsangebots. Es ist unser wesentliches Ziel, mit diesem Projekt die Einkaufszettel beim Einkauf vor Ort deutlich länger zu machen.

Die Bürger als Sparer sind derzeit von den niedrigen Zinssätzen geplagt, während die Bürger als Kreditnehmer von den günstigen Zinskonditionen profitieren. Jedenfalls soll ja angeblich momentan besonders viel Geld in den Konsum statt in eine Sparanlage fließen. Stimmt diese Formel?

Pennartz: Sparen als Vorsorge hat unabhängig vom jeweiligen Zins immer eine große Bedeutung gehabt und bis heute behalten. Die Sparquote, die den Anteil der regelmäßigen Rücklagen an den Einnahmen eines Haushaltes misst, ist leicht rückläufig, aber noch nicht Besorgnis erregend.

Wir sehen auch keine Tendenz, sich aufgrund des geringen Kreditzinssatzes immer höher zu verschulden und damit Konsum früher zu tätigen. Die Umsatzschwankungen, von denen die Einzelhändler im Kreis Heinsberg berichten, sind nach deren Einschätzungen eher vom jeweiligen Wetter getrieben. Eine Zinsabhängigkeit der Umsätze bei der Nahversorgung gibt es nicht.

Aus Ihrer Zusammenarbeit mit vielen Händlern in der Region haben Sie sicher einen guten Überblick. Ohne das Bankgeheimnis zu brechen: Wie ist es denn nach Ihrer Einschätzung aktuell um den heimischen Handel bestellt?

Pennartz: Wir sehen den Einzelhandel im Kreis Heinsberg als grundsätzlich gut aufgestellt an. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen in den verschiedenen Regionen des Kreises Heinsberg. Diese Unterschiede können zum Beispiel auch an der von der IHK regelmäßig zur Verfügung gestellten Zentralitätskennziffer abgelesen werden. Diese Zahlen sollte man aber nicht überbewerten, sondern als einen kleinen statistischen Baustein für eine Standortbewertung betrachten.

Viel wichtiger ist unseres Erachtens der häufig festzustellende Zusammenhang, dass ein ansprechendes Ladenlokal mit einem modernen Sortiment und motiviertem freundlichem Personal auch gute wirtschaftliche Ergebnisse erwirtschaftet. Dazu gehört auch der passende Auftritt im Internet, um sein Angebot bekannt zu machen und gegebenenfalls das stationäre Angebot zu ergänzen.

Aus Ihrer Sicht als Kunde: Was sind die Stärken des Handels im Kreis Heinsberg?

Pennartz: Die Stärke der Händler im Kreis Heinsberg liegt in der Nahversorgung. Die freundlichen und kompetenten Inhaber und deren Mitarbeiter erleichtern mir die Auswahl und weisen auf Chancen und Risiken meiner Kaufentscheidung hin. So übernehmen sie mit Verantwortung für meine Entscheidung und helfen mir, wenn es anschließend Probleme gibt. Das gibt mir immer das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Und ich gewinne enorm viel Zeit. Zeit ist für mich ein hohes Gut und damit auch sehr wertvoll. Beim Preisvergleich kommt diesem Wert meines Erachtens noch nicht genügend Bedeutung zu.

Was sind die Schwachpunkte? Was vermissen Sie als Kunde in der Region?

Pennartz: Ich finde sehr gute Fachgeschäfte in der Region und habe auch kein Mangelgefühl. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir im Kreis Heinsberg die Zusammenarbeit der Einzelhändler noch verbessern könnten. Ich bin sicher, dass sich die vielen Aktiven in den Gewerberingen, Aktionskreisen und Werbegemeinschaften über noch mehr Mitglieder, die sich konstruktiv und praktisch an der Arbeit beteiligen, freuen würden.

Dabei wäre es insbesondere gut, wenn die Verzahnung mit den Standorten der großen überregionalen Handelsketten besser gelingen würde beziehungsweise die jeweiligen Niederlassungsleiter sich noch mehr einbringen würden. An einzelnen Standorten läuft dies bereits hervorragend, aber leider nicht flächendeckend.

Zum Abschluss ein zugegebenermaßen schwieriger Blick in die Zukunft: Wie wird in zehn Jahren die Einkaufswelt im Kreis Heinsberg aussehen?

Pennartz: Der demografische Wandel macht auch vor dem Kreis Heinsberg nicht halt. Die Prognosen für die nächsten zehn Jahre lassen eine gleichbleibende Bevölkerungszahl erwarten, die aber im Durchschnittsalter erheblich zulegen wird. Für den Handel ist die gleichbleibende Zahl erfreulich, das höhere Durchschnittsalter wird aber Sortimente und Vertriebswege ändern. Zusätzlich ist die Digitalisierung eine Herausforderung, die aber bei den demografischen Aufgaben auch eine große Hilfe ist.

Also jetzt zu meinem Blick in die Zukunft: In zehn Jahren haben die Einzelhändler neben ihrem schönem Geschäftslokal einen attraktiven Internetauftritt, der das Produktangebot im Geschäft ergänzt und erweitert. Dazu kommt ein über die jeweiligen Gewerberinge, Aktionsgemeinschaften und Werbegemeinschaften organisierter Lieferservice. Um dies alles zu ermöglichen, sind alle Handel betreibenden Geschäftsleute in Gemeinschaften aktiv und engagierte Mitglieder. Gemeinsam mit den jeweiligen Kommunen und den Niederlassungsleitern der Handelsketten werden für die Bürger die bisher schon sehr gut besuchten Veranstaltungen organisiert und ­weiterentwickelt.

Die Vermieter begleiten den sich ändernden ­Auftritt des Handels durch zeitgemäß renovierte Gebäude. Und auch die Gastronomie bietet eine gute Auswahl an Angeboten, sich nach oder vor dem Einkauf des ­täglichen Bedarfs zu stärken. Ich stelle fest, dass der Einzelhandel sich bereits auf dem Weg befindet, sich in dieser Richtung – unterstützt durch die zuständigen Ämter in den Rathäusern – zu ent­wickeln. Es gibt allerdings bisher unterschiedliche Geschwindigkeiten.

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