Heiliger Mann mit Feingefühl für zarte Seelen

Von: Norbert F. Schuldei
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Arndt Holten hat die Nikolaus-Rolle vom Vater geerbt. Foto: Schuldei

Hückelhoven-Hilfarth. Von Zufall kann eigentlich keine Rede sein: Als man beim TuS Jahn in Hilfarth 1994 einen Nikolaus für die vereinsinterne Weihnachtsfeier suchte, sagte Arndt Holten sofort: „Ich mach´ das.”

Schließlich war er, seitdem er denken kann, mit dem heiligen Mann auf du und du: Sein Vater hatte sich Jahr für Jahr am Nikolaustag das Messgewand übergestreift, den weißen Bart angelegt und war mit dem goldenen Buch in der Hand von einem Haus zum anderen gezogen, um die Kinder zu beschenken. Jetzt war der Brauch vom Vater auf den Sohn übergegangen. Fast also kann man von Tradition sprechen.

Seit 15 Jahren also ist Arndt Holten in Hilfarth in jedem Jahr am 5. und 6. Dezember der Nikolaus. „Als wir beim ersten Mal mit unserer Tour durch die Häuser fertig und die Kinder beschenkt waren, dachten wir: Jetzt haben wir den Pröll einmal an, jetzt können wir auch mit unserer Verkleidung durchs Dorf ziehen”, sagt Arndt Holten rückblickend.

Er redet in der Mehrzahl, denn schon damals standen ihm zwei „Schwatte”, wie man hier sagt, also Hans Muff oder auch Knecht Ruprecht zur Seite. Seit einigen Jahren schlüpfen Rolf Eßer und Volker Minkenberg in diese Rollen.

Beide sind natürlich auch Mitglieder des TuS Jahn. In ihrem Kostüm ähneln sie allerdings Mitgliedern einer kriminellen Vereinigung mehr als Begleitern eines heiligen Mannes.

„Ja, das stimmt. Wir sollen allerdings auch Respekt einflößen”, lacht Volker Minkenberg. Heranwachsende sind heute durch die Medien an so Vieles gewöhnt.

„Bei Familien mit sehr kleinen Kindern bleiben die beiden draußen vor der Tür, dann geh´ ich allein rein”, sagt Nikolaus Arndt Holten. Ein heiliger Mann hat Feingefühl und weiß um die Verletzlichkeit der zarten Seelen.

Damals, vor 15 Jahren also, zogen sie durchs Dorf, womit Hilfarth gemeint ist, und kehrten in die Kneipen ein. „Da waren wir natürlich in unserem Ornat gern gesehene Gäste und hatten frei trinken”, sagt Holten.

„Das war so schön, dass wir gesagt haben: Das machen wir nächstes Jahr noch mal.” So hat das angefangen.

Natürlich haben sie von Anfang an für ihre „Auftritte” Geld bekommen: „Wir haben den Eltern immer gesagt: Gebt, was ihr meint, geben zu müssen”, sagt Arndt Holten.

Von vornherein war klar, dass sie die Einnahmen für einen wohltätigen Zweck zur Verfügung stellen würden. „Wir haben beispielsweise dem Korbmachermuseum in Hilfarth Geld zukommen lassen, aber auch Zwergnase, ein Verein am St. Elisabeth-Krankenhaus in Rheydt, dessen Mitglieder sich um Frühgeborene kümmern, wurde unterstützt.” Wie viele aus dem Kreis Heinsberg wurde nämlich auch Holtens kleiner Sohn Felix dort „wunderbar versorgt”. Inzwischen zieht er dem Papa schon den weißen Wattewolkenbart vom Kinn.

„Heute müssen wir unsere Tour Wochen vorher genau planen, so viele Anfragen von Eltern bekommen wir mittlerweile”, sagt Rolf Eßer. Aber er macht das wirklich gerne.

Spaß am Verkleiden

Nikolaus Arndt Holten hat Spaß daran, in das lange, weiße, untenherum mit Spitzen verzierte Kleid einzusteigen, das schwarze Messgewand über den Kopf zu streifen, den weißen Bart anzukleben, die Mitra auf den Kopf zu setzen, die Handschuhe anzuziehen, das grüne Buch mit dem goldenen Kreuz auf dem Deckel in die Hand zu nehmen und loszumarschieren.

„Das Ornat habe ich komplett von meinem Vater übernommen”, sagt er. Auch hier atmet also Tradition. „Das Messgewand stammt übrigens aus dem Kloster Brauns-rath.” Hat sein Vater ihm jedenfalls erzählt.

Fünfzehn bis zwanzig Minuten lassen die drei Männer sich Zeit für jedes Kind. Wobei der Fahrplan auch schon mal ganz schön durcheinandergepurzelt werden kann: „Nicht selten erwarten wir ein Kind und sehen dann drei oder vier Kurze vor uns”, erzählt Rolf Eßer.

„Wir haben noch zwei Kinder aus der Nachbarschaft eingeladen, bekommen wir dann zu hören.” Mit den Jahren haben die drei Routine bekommen und meistern auch solche Situationen.

„Was wir den Kindern erzählen, das haben die Eltern uns natürlich im Gespräch vorher genau mit auf den Weg gegeben”, sagt Arndt Holten. Da räumt der Eine sein Zimmer nicht auf, und die Andere sitzt oft zu lange vor dem Computer - so etwas in der Art.

„Wir kehren natürlich auch positive Dinge hervor”, betont der Teilzeit-Nikolaus. Die Geschenke für die Kleinen haben deren Eltern besorgt.

„Die stehen dann oft auf dem Gästeklo oder an irgendeinem Ort, wo wir sie uns vorher abholen”, sagt Minkenberg. „Das ist der Vorteil: Wenn man zu dritt kommt, fällt es nicht so sehr auf, wenn einer mal für eine Minute weg istÉ”

Apropos Teilzeit: Die drei Männer nehmen sich jedes Jahr für den 5. und 6. Dezember Urlaub. „Das ist in unserem Terminkalender fest eingeplant, die zwei Tage opfern wir gerne”, sagen sie unisono. Warum eigentlich? Was treibt sie an, als Nikolaus und Hans Muff jedes Jahr in Häuser zu ziehen und in Wohnungen zu gehen und Kinder zu beschenken? „Es gibt nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen.” Das kommt den Dreien unisono aus dem Mund.
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