Kreis Heinsberg - Heftige Kritik an Plan für Krankenhausreform

Heftige Kritik an Plan für Krankenhausreform

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
10920335.jpg
Dem Unmut Luft verschafft: Mit Luftballons in OP-Grün protestierten Mitarbeiter der Krankenhäuser Erkelenz, Heinsberg, Gangelt, Wegberg und Geilenkirchen auf der Millicher Halde. Foto: Helmut Wichlatz
10920336.jpg
Knapp 80 Mitarbeiter beteiligten sich an der Aktion und stiegen auch auf die Aussichtsplattform auf der Halde. Foto: Helmut Wichlatz

Kreis Heinsberg. Zur „aktiven Mittagspause“ hatten die fünf Krankenhäuser des Kreises ihre Mitarbeiter eingeladen. Knapp 80 waren der Einladung gefolgt und zur Millicher Halde gekommen. Dort hatten sie mit ihren Luftballons, an denen rote Postkarten hingen, die vielen Stufen bis zur Aussichtsplattform genommen, um die Ballons mit der Botschaft „So nicht!“ bei günstigem Wind steigen zu lassen. Worum geht es?

Eine Krankenhausreform wird diskutiert, die mehr Qualität und weniger Kosten bringen soll. In der Praxis bedeute dies aber mehr Schreibarbeit und weniger Zeit „am Patienten“, halten die Krankenhäuser dem entgegen. Also mehr Bürokratie und weniger Pflege. Diese als „Qualitätsoffensive“ angekündigte Reform solle die Pflege „am Bett“ stärken, gehe aber an der Realität vorbei, lautet die Kritik.

„Die derzeitige Diskussion zur Qualitätsoffensive in den Kliniken wird nicht fair geführt“, erklärt Jann Habbinga, Verwaltungsdirektor des Hermann-Josef-Krankenhauses in Erkelenz. Es werde mit Schlagwörtern wie „Qualität statt Quantität“ hantiert, doch das Kleingedruckte übersehen. Denn im Schnitt würden die Krankenhäuser weniger Behandlungen durchführen und auch weniger Geld bekommen.

Wenn es nach der Berliner Politik geht, steht der Versorgungszuschlag, den die Krankenhäuser fest in ihre Etats einkalkulieren, auf der Kippe und könnte ab Anfang 2016 entfallen. Er errechnet sich aus einem Anteil von 0,8 Prozent pro behandeltem Fall. Allein das Erkelenzer Krankenhaus würde laut Habbinga aufgrund des Wegfalls des Zuschlags im kommenden Jahr rund 400.000 Euro weniger einnehmen, was sieben Vollzeitstellen entspricht. Dies habe mit Qualität nichts zu tun, lautet die Kritik von Habbinga und seinen Kollegen.

„Wir brauchen eine Krankenhausreform“, fordert Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses. Und die müsse dort ansetzen, „wo die wirklichen Probleme sind“. Das seien Sanierungsstau, mangelnde Investitionsmittel, eine zu enge Personaldecke und steigende Behandlungszahlen.

Zeitgleich mit der Krankenhausreform stehen auch die Notfallambulanzen auf dem Prüfstand. Sollten die geschlossen und die Versorgung auf die Krankenhäuser übertragen werden, würde dies zu einer Steigerung der ambulanten Behandlungszahlen um bis zu einem Drittel in den Häusern führen.

Gleichzeitig bedeuten die Berliner Pläne auch weniger Planungssicherheit für die Krankenhäuser. Derzeit hat das Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus Bauvorhaben in Höhe von acht Millionen Euro vor der Brust. Investitionen in eine behandlungskompatible In-frastruktur würden durch die Reform ebenso erschwert wie die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Personaldecke.

Keine hohe Bettendichte im Kreis

Die von der Millicher Halde aufsteigenden und über Hückelhoven gen Himmel schwebenden Luftballons in OP-Grün sollten nun die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam machen. Denn die Auswirkungen einer solchen Krankenhausreform seien den meisten Menschen nicht bewusst, so Habbinga, der auf den Patientenbeauftragten des Bundestages, Karl-Josef Laumann, verweist, der die zu hohe Zahl der Krankenhausbetten in Deutschland kritisiert.

Diese liegt mit 822 pro 100.000 Einwohner etwa doppelt so hoch wie in den Niederlanden. Sicherlich gebe es Städte in Deutschland mit „beachtlicher Krankenhausdichte“, so Habbinga. Im Kreis Heinsberg sei die Quote mit rund 400 Betten auf 100.000 Einwohner indes keinesfalls zu hoch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert