Kreis Heinsberg - Hartz-IV-Bezieher profitieren kaum von verbesserter Lage am Arbeitsmarkt

Hartz-IV-Bezieher profitieren kaum von verbesserter Lage am Arbeitsmarkt

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Kreis Heinsberg. Die erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher im Kreis Heinsberg profitieren nach Angaben der Caritas seit Jahren kaum noch von einer verbesserten Lage am Arbeitsmarkt. Das zeige der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW, zu der auch der Caritasverband für das Bistum Aachen gehört. Der Report wird in Kooperation mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz erstellt.

Der Anteil der Langzeitleistungsbezieher an allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten betrug demnach im Kreis Heinsberg im Februar dieses Jahres 65,6 Prozent. In den Vergleichsmonaten der beiden Vorjahre waren es 65,6 Prozent (Februar 2014) beziehungsweise 65,7 Prozent (Februar 2013).

Gleichzeitig stehen laut Caritas im Kreis Heinsberg immer weniger öffentlich geförderte Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Immer mehr Mittel würden von den Jobcentern für Verwaltungsaufgaben und immer weniger für die aktive Arbeitsmarktförderung ausgegeben.

„Den 65,6 Prozent Langzeitleistungsbeziehern im Kreis Heinsberg fällt der Ausstieg aus der Armut und Arbeitslosigkeit besonders schwer“, erklärte Roman Schlag, beim Caritasverband für das Bistum Aachen zuständig für soziale Sicherung.

„Wir stellen für den Kreis Heinsberg fest, dass die Mittel für die aktive Arbeitsmarktförderung und die öffentlich geförderten Beschäftigungsangebote für erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher seit Jahren zurückgefahren werden. Im Kreis Heinsberg haben wir im Juni 2015 gegenüber Juni 2012 einen Rückgang bei den öffentlich geförderten Beschäftigungen von 145 Plätzen zu verzeichnen.“

Nachdem zwischen 2010 und 2011 die gravierendsten Kürzungen bei den Eingliederungsleis-tungen zu verzeichnen gewesen seien, weise der Arbeitslosenreport NRW nach, dass zwischen 2011 und 2014 das den Jobcentern vom Bund bereitgestellte Budget für Eingliederungsleistungen um weitere 16 Prozent reduziert worden sei. Weil die Verwaltungskosten der Jobcenter durch Lohn- und Betriebskostenerhöhungen in den vergangenen Jahren gestiegen seien und die Budgets für Verwaltungs- und Eingliederungskosten gegenseitig deckungsfähig seien, würden immer mehr Mittel in die Verwaltungsstruktur statt in die aktive Förderung von Hartz-IV-Beziehern investiert.

„Schichteten die 53 Jobcenter in NRW im Jahre 2011 nur durchschnittlich sechs Prozent der Mittel aus ihrem Eingliederungs- in den Verwaltungsetat um, stieg der Anteil in 2014 auf 15 Prozent; davon widmeten acht Jobcenter weniger als zehn Prozent, 22 Jobcenter zehn bis unter 20 Prozent und 21 der Jobcenter 20 bis maximal 31 Prozent der Mittel um“, so rechnete die Caritas jetzt vor. Im Kreis Heinsberg habe der Umschichtungsanteil im vergangenen Jahr bei 29 Prozent gelegen.

Die Formel, nach der eine bessere wirtschaftliche Lage die Arbeitslosigkeit reduziere, stimme nur zum Teil, so die Caritas. Die Zahlen des Arbeitslosenreportes NRW würden belegen, dass sie für Erwerbsfähige in Hartz IV nicht aufgehe. „Deshalb“, so forderte Schlag, „brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Mittel für langfristigere und damit auch kostenintensivere beschäftigungsfördernde Angebote für Langzeitleistungsbezieher.“ Der Caritasverband für das Bistum ­Aachen fordere wie die gesamte Freie Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen die Entkoppelung der Verwaltungskosten von den Mitteln der aktiven Arbeitsförderung und ein Sonderbudget des Bundes für einen Sozialen Arbeitsmarkt. Finanziert durch einen Passiv-Aktiv-Tausch könnten der Bund seine Einsparungen bei den Kosten zur Sicherung des Lebensunterhalts und die Kommunen die eingesparten Kosten der Unterkunft in die Finanzierung von Lohnkostenzuschüssen zu regulären Beschäftigungsverhältnissen einbringen.

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