„Hartz Fear TV”: Der Lebensalltag von Langzeitarbeitslosen

Von: defi
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Gekündigt, was nun? Vom Schic
Gekündigt, was nun? Vom Schicksal Langzeitarbeitsloser berichtet das Theaterstück „Hartz Fear TV - Die Jensen Show”. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Es tut uns Leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir Ihnen leider im Rahmen unseres neuen Programms zur Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen kündigen müssen.” Einen Brief solchen oder ähnlichen Inhalts haben alle Schauspieler des Theaterstücks „Hartz Fear TV - Die Jensen Show” auch in der Realität schon erhalten.

Lange arbeitslos zu sein, war sozusagen eine der Grundbedingungen, um überhaupt das „Casting” für „Die Jensen Show” bestehen zu können. 50 Teilnehmer aus arbeitsmarktorientierten integrierenden Einrichtungen der Caritas im Bistum Aachen hatten im Herbst 2010 an den „Schnuppertagen” zur „Jensen Show” teilgenommen, 16 hatten sich für das Theaterprojekt entschieden, davon vier aus der Caritas-Werkstatt Schierwaldenrath. Die Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen hatte auf Antrag der Caritas-Werkstatt Schierwaldenrath Fördermittel in Höhe von 25.000 Euro für das Theaterprojekt bewilligt. Die Durchführung hatte die Diözesan-Arbeitsgemeinschaft Integration durch Arbeit (DiAG IDA) übernommen.

Nach der Premiere im Theater K in Aachen folgte nun eine Aufführung in der mit fast 200 Zuschauern gut besetzen Heinsberger Stadthalle. Wie schon bei der Premiere, reagierte auch das Publikum in Heinsberg durchweg positiv auf Inhalt und Darbietung der „Jensen Show”. Das Stück gibt sehr authentisch den Lebensalltag von Langzeitarbeitslosen wieder. Die Projektteilnehmer agierten nicht nur sehr engagiert auf der Bühne, sondern hatten im Vorfeld mit erfahrenen Theaterpädagoginnen Szenen des Stückes, das auf dem Roman „Herr Jensen steigt aus” von Jakob Hein basiert, selber erarbeitet und eigene Texte geschrieben. So konnten ihre ganz persönlichen, nicht immer erfreulichen Erfahrungen in das Stück einfließen. Schon der Titel „Hartz Fear”, phonetisch vom umgangssprachlichen Begriff für das soziale Sicherungssystem nach SGB II abgeleitet, sagt viel über die Befindlichkeit von Arbeitslosen und besonders von Langzeitarbeitslosen aus. Die „Furcht” davor, was mit einem wird, wenn man keine Arbeit findet, wenn die Maßnahme ausläuft, bestimmt den Alltag, dessen wichtigster Inhalt die „Glotze” geworden ist. Das Publikum zeigte sich sehr beeindruckt von Szenen, wie etwa dem „Kochkurs”, bei dem es ein „Rezept” für einen „guten Lebenslauf” gab. Vom Jobcenter verordnet, muss der Langzeitarbeitslose am Kochkurs teilnehmen, da steht nicht das Kochen im Vordergrund, das Wichtigste ist die Unterschrift des Kursleiters in der Anwesenheitsliste, um keine Kürzungen der finanziellen Unterstützung hinnehmen zu müssen.

Hans Ohlenforst von der Caritaswerkstatt Schierwaldenrath hat das Theaterprojekt von Anfang an begleitet: „Wir wollten mit diesem Projekt Öffentlichkeit erzeugen für die Situation Langzeitarbeitsloser und den Gedanken der Teilhabe in den Mittelpunkt stellen. Mich persönlich freut es besonders zu sehen, wie die Teilnehmer sich während der Arbeit an diesem Theaterstück geöffnet haben und sich ihre Persönlichkeit gefestigt hat. Wir haben bereits jetzt zahlreiche Anfragen, dieses Stück auch auf anderen Bühnen zu spielen. Das Interesse des Publikums an diesem hochbrisanten Thema scheint sehr groß zu sein.”

Kontakt über dieCaritas-Werkstatt

Wer Interesse an „Hartz Fear TV - Die Jensen Show” hat, sollte sich an Hans Ohlenforst von der Caritas-Werkstatt Schierwaldenrath unter ? 02452/919284 wenden.
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