Handwerker: 90 Prozent der Betriebe erwarten stabiles Niveau

Von: Udo Stüßer
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Dr. Michael Vondenhoff zieht eine positive Bilanz für die Handwerker im Kreis Heinsberg und blickt optimistisch auf das neue Jahr. Fotos (3): Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer
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Michael Hemmersbach, Obermeister der Baugewerbe-Innung, hofft auch auf die Unterstützung durch die Politik.

Geilenkirchen. „Für die Handwerker im Kreis Heinsberg war 2015 ein erfolgreiches Jahr.“ Diese positive Bilanz zieht Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Zum Beginn des neuen Jahres blickt er auch mit einer großen Portion Optimismus auf die nächsten zwölf Monate.

„Rund 90 Prozent der Handwerksbetriebe im Kreis Heinsberg erwarten, dass die Geschäfte in diesem Jahr auf einem stabilen Niveau bleiben oder sogar noch anwachsen.“

Im vergangenen Jahr sei man laut ersten Schätzungen der Handwerkskammer Aachen und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zunächst von einer Wachstumsprognose von 1,5 Prozent ausgegangen. „Im Herbst lagen wir dann sogar bei zwei Prozent“, so Vondenhoff.

Nach einer Herbstumfrage sprach Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, dann sogar von einem „kräftigen Konjunkturschub im Sommer“ und von einer „Champagnerstimmung“ im Kammerbezirk. Für die hervorragende Geschäftsentwicklung auch im Kreis Heinsberg macht Vondenhoff unter anderem die niedrigen Zinsen und den ins Bodenlose gefallene Ölpreis verantwortlich. „Aufgrund dieser guten Vorzeichen erwarten wir auch für 2016 eine Wachstumsrate von zwei Prozent“, so der Hauptgeschäftsführer.

Besonders optimistisch sei man im Bau- und Ausbaugewerbe. Einerseits sei ein Sanierungsstau aufgelaufen, andererseits werde aufgrund der niedrigen Zinsen gebaut. „Für sein gespartes Geld bekommt man derzeit kaum Zinsen, deshalb investieren viele Leute in das berühmte Betongold“, so der Geschäftsführer.

Dies unterstreicht auch Michael Hemmersbach, Obermeister der Baugewerbe-Innung Heinsberg: „2015 war ein Superjahr.“ Der Übach-Palenberger Bauunternehmer ist auch für 2016 recht optimistisch. „Die Politik will nun massiv in den Wohnungsbau eingreifen“, sagt er. Während im Bundesgebiet üblicherweise jährlich rund 250.000 Wohnungen gebaut würden, habe die Bundesregierung in diesem Jahr 400.000 als Zielmarke gesetzt.

Die Bauwirtschaft rechne nun mit einer höheren degressiven Abschreibungsmöglichkeit für private Investoren und einer besseren Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Er selbst, so sagt Hermmersbach, spürt derzeit die Impulse im Wohnungsbau durch vermehrte Angebotsnachfragen durch Architekten. „Normalerweise habe ich Aufträge für die nächsten zwei bis drei Monate. Ich bin jetzt bereits bis Sommer ausgelastet, das beruhigt natürlich“, freut sich der Chef von 15 Mitarbeitern.

Auch das Kfz-Gewerbe blickt laut Vondenhoff auf ein positiv verlaufenes Jahr zurück. „In Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt drei Millionen Autos verkauft, hinzu kamen sieben Millionen Besitzumschreibungen von Gebrauchtwagen. Und die Auslastung von Kfz-Werkstätten lag bei 81 Prozent“, so Vondenhoff, der aber auch kritische Worte aus Handwerksreihen hört: „Manche Augenoptiker jammern aufgrund der Konkurrenzsituation mit großen Anbietern. Und das Baugewerbe wünscht sich ein stärkeres Engagement der Kommunen in öffentliche Bauten.“

Eine Prognose wagt Vondenhoff, seit dem Jahr 2004 an der Spitze der Kreishandwerkerschaft, nur bis Ende des Jahres. Ob die Konjunktur auch 2017 weiterhin brummt, dazu will sich der 44-jährige Jurist nicht festlegen. Der Handwerker lebe von der Stimmung in der Bevölkerung, hat Vondenhoff festgestellt. Aufgrund der weltpolitischen Ereignisse, aufgrund der Krisenherde in der Welt und vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik könne sich die Stimmung verdunkeln. „Die Deutschen sind sehr skeptisch, sie sind leicht zu verunsichern. In Krisensituationen horten sie ihr Geld, der Konsum könnte zurückgehen.“ Sicherlich freue sich der Verbraucher über die derzeit niedrigen Energiepreise. „Niedrige Energiepreise bedeuten aber auch, dass weniger produziert wird und die Weltwirtschaft sich auf einem niedrigen Niveau befindet“, beschreibt Vondenhoff die andere Seite der Medaille.

Mit entscheidend für die Geschäftsentwicklung des Handwerks auch im Kreis Heinsberg sei unter anderem die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Was dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft trotz guter Konjunktur Sorgen macht, ist die Gewinnung von Fachkräften. „Wir brauchen Fachkräfte im Handwerk. Es wird allerdings immer schwieriger, sie zu finden. Deshalb herrschte eine große Euphorie, dass man durch die Flüchtlingswelle Fachkräfte generieren kann. Doch das dauert Jahre. Und etwa 70 Prozent der Flüchtlinge, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen, brechen sie wieder ab“, bedauert er. Deshalb rühre das Handwerk in den Schulen kräftig die Werbetrommel.

Bei der Suche nach Auszubildenden fahre das Handwerk die Ansprüche bereits nach unten, obwohl die Anforderungen immer größer würden. „Die guten Schüler werden von den Universitäten abgeworben, die schwachen Schüler bleiben auf der Strecke“, beschreibt Vondenhoff die Probleme. „Wir engagieren uns bei den Studienabbrechern und hoffen, dass sie eine Heimat im Handwerk finden.“ Während die Präsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Professor Thomas Bauer und Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, vor wenigen Tagen in Berlin von einem erwarteten Umsatzwachstum im Bauhauptgewerbe von drei Prozent sprachen, ist die Stimmung im Nahrungsmittelgewerbe nicht ganz so rosig. „Die Discounter sind die großen Konkurrenten unserer Fachbetriebe. Denn Geiz ist geil“, bedauert Vondenhoff. Wenn hier nun die Zahl der Auszubildenden sinke, habe das auch Folgen für das Berufskolleg. „Die Schülerzahlen sind sinkend. Wenn wir die Klassen nicht voll bekommen, werden sie geschlossen. Große Sorgen machen uns besonders die Bäcker.“

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