Handwerk geht optimistisch ins neue Jahr

Von: Udo Stüßer
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Optimistischer Fliesenleger: Robert Kauhl. Foto: Hamacher

Geilenkirchen. „89 Prozent der Handwerker zeigten sich mit dem Jahresabschluss 2014 zufrieden.“ Diese positive Bilanz zieht Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg, zum Beginn des neuen Jahres. Während sich die Aussichten der Gesamtwirtschaft durch die schlechten Nachrichten von globalen Krisen eingetrübt hätten, zeige sich das Handwerk robust und gehe „unbeeindruckt ins neue Jahr“.

Neun von zehn Firmen rechneten auch im neuen Jahr mit guten oder zufriedenstellenden Ergebnissen, knapp acht von zehn Betrieben stellten sich auf steigende oder genauso hohe Umsätze ein. Nur elf Prozent erwarteten, weniger Personal zu beschäftigen. „Nach der Trendwende 2014 rechnet man für 2015 zwar nicht mit außergewöhnlichen Umsatzzuwächsen, aber mit einem Fortgang der bisherigen guten Auftragslage“, erklärt Vondenhoff.

Die Ursache für den Optimismus der Handwerker sei wohl damit zu begründen, dass das Zinstief und mit ihm der Immobilienboom andauern würden. Als einen Wermutstropfen bezeichnet Vondenhoff die Erhöhung der Grunderwerbssteuer von 5 auf 6,5 Prozent. Diese könne Unternehmer und private Häuslebauer davon abhalten, Investitionen in die Zukunft zu tätigen. Von der positiven Kauflaune erhoffe man sich auch einen Aufwärtstrend im Autohandel. Mit Sorgenfalten zu betrachten sei die nach unten zu revidierende Produktionsprognose des Maschinenbaus. Dieser wichtige Kunde des Handwerks habe Absatzprobleme. Vondenhoff meint: „Die Optimisten halten durch. Konsum und Wohnungsbau gelten weiter als Taktgeber.“

Und wie beurteilen Geschäftsleute aus der Region die Situation? Für Stefan Krings, Geschäftsführer der Firma Bau- und Wohndesign Krings in Gangelt-Langbroich, ist das Jahr 2014 gut gelaufen. „Ich erwarte, dass 2015 nicht alles vorbei ist. Das Geld ist derzeit billig wie nie. Aufgrund der niedrigen Zinsen bauen die Leute oder bauen um“, sagt er. Das mache sich auch auf sein Geschäft mit Türen, Fenstern, Raumausstattung und Küchen bemerkbar.

Aufgrund der guten Auftragslage hat Stefan Krings, der 30 Mitarbeiter beschäftigt, sein Personal im vergangenen Jahr aufgestockt. Normalerweise beschäftigt er einen Auszubildenden, im vergangenen hat er zwei weitere eingestellt, sein Team wird seit 2014 auch durch einen Meister verstärkt. Und auch für das nächste Jahr hat bereits ein Auszubildender eine Zusage. „Ob ich darüber hinaus noch mehr Personal einstelle, bleibt abzuwarten.“

Hans-Peter Tholen, Inhaber der Firma Tholen Elektrotechnik in Gangelt, bezeichnet das Jahr 2014 als zufriedenstellend. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit neuen Energien, mit Voltaikanlagen und Wärmepumpen. Auch Blockheizwerke sind auf dem Vormarsch. Diese Investitionen werden anhalten, solange die Strompreise steigen“, sagt er. Auch seine derzeitige Lage bezeichnet er als „nicht schlecht“. „Ich glaube, dass auch das Jahr 2015 zufriedenstellend verläuft“, erklärt er. Ungewissheit herrscht derzeit noch, weil er sich in Verhandlungen um größere Aufträge befindet. „Dabei handelt es sich um größere Gewerbebauten, die uns ein bis zwei Jahre Beschäftigung bringen.“ 100 Mitarbeiter stehen dem Firmenchef zur Seite. In diesem Jahr will er wieder fünf Auszubildende einstellen. „Wenn wir die überhaupt bekommen, der Nachwuchs steht im Handwerk nicht mehr so zur Verfügung.“

Lars Ratzer, Inhaber der Firma Jansen GmbH Bedachungen in Geilenkirchen, blickt positiv auf das Jahr 2015. „Die Lage ist jetzt schon rosig. So einen guten Start hatten wir noch nie“, freut er sich. Ganz anders war die Lage Anfang 2014. „Das Jahr hatte verhalten begonnen, die Leute haben ihre Vorhaben auf das Frühjahr und den Sommer verschoben, die Auftragslage stieg zum Jahresende hin immer mehr an.“ Durch den schlechten Start ist Ratzer mit dem abgelaufenen Jahr nicht ganz zufrieden. 16 Mitarbeiter hat er beschäftigt. „Es könnte sein, dass wir in diesem Jahr noch aufstocken.“

Robert Kauhl, Inhaber der Firma Fliesen Kauhl, bezeichnet das Jahr 2014 trotz aller Probleme als zufriedenstellend. „Der Preisdruck ist enorm. Durch die Novellierung der Handwerksordnung gibt es viel mehr Konkurrenz. Gab es vor der Novellierung bundesweit 12.000 Fliesenlegerbetriebe, so sind es heute 65 000. 95 Prozent sind teilweise schlecht ausgebildete Ein-Mann-Betriebe“, erklärt er. Dies sei auch im Kammerbezirk Aachen spürbar. In das Jahr 2015 blickt er dennoch recht optimistisch. In den nächsten drei bis vier Monaten ist seine Firma jetzt schon ausgelastet.

„Viele Leute achten auf Qualität und verzichten auf den billigsten Anbieter. Wir sind seit 1985 auf dem Markt und können uns mit Qualität und guter und solider Arbeit durchsetzen, so haben wir auch etliche Stammkunden.“ Was ihn optimistisch stimmt, sind die gute Konjunktur und niedrige Zinsen. „Die Menschen sind investitionsfreudig. Eine leichte Abschwächung wird durch die Erhöhung der Grunderwerbssteuer kommen. Positiv spüren wir seit einigen Jahren schon, dass man handwerkliche Leistungen steuerlich absetzen kann.“ Zehn Mitarbeiter stehen Robert Kauhl zur Seite. „Aber trotz guter Konjunktur bin ich mit weiteren Einstellungen vorsichtig.“

Für Michael Stahl, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei in Geilenkirchen, war 2014 nicht das beste Jahr. Es sei einfach kein gutes Pflanzwetter gewesen. Im Allgemeinen sei im Laufe der vergangenen Jahre weniger Geld für Pflanzen ausgegeben worden. „Die Gärten werden immer kleiner und sind auf Mindestbepflanzung ausgelegt“, hat er festgestellt.

Trotzdem waren die Absatzzahlen recht gut. Aber im vergangenen Jahr seien der März und April für das Pflanzen von Frühjahrsblühern zu nass und zu kalt, der Mai, der Pflanzmonat für Geranien, verregnet gewesen. „Und im Herbst war es zu warm. 14 bis 16 Grad sind nicht gut für das Weihnachtsgeschäft. Bei diesen Temperaturen ist die Weihnachtsstimmung nicht so vorhanden, dann lassen sich auch Weihnachtssterne und Alpenveilchen schlecht verkaufen.“ Michael Stahl weiß: „Es gibt ein Auf und Ab in unserer Branche. Deshalb blicke ich optimistisch auf 2015.“

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