Waldfeucht - Hallenbadretter werden in Haaren dringend gesucht

Hallenbadretter werden in Haaren dringend gesucht

Von: dawin
Letzte Aktualisierung:

Waldfeucht. Die Sachlage ist klar: Das Hallenbad in Haaren produziert jährlich Verluste in Höhe von 420.000 Euro. Nun steuert die Gemeinde Waldfeucht auf die politische Entscheidung zu, die alles andere als populär ist: Das Bad macht Ende Juni 2022 die Pforten dicht, wenn bis dahin kein anderes Betreibermodell beziehungsweise keine Gegenfinanzierung, die die strapazierte Gemeindeschatulle entlastet, gefunden wird.

Zeitgleich mit der Kommunalwahl 2020 soll es einen sogenannten Ratsbürgerentscheid geben, mit dem der Schließungsbeschluss entweder bestätigt oder, bei Vorliegen eines Gegenfinanzierungsvorschlags, kassiert wird. Über die inhaltliche Ausgestaltung des Ratsbürgerentscheides wird die Gemeindevertretung zu gegebener Zeit beraten und beschließen.

Der Schul- und Kulturausschuss sprach sich mit den Stimmen von CDU und UWG für dieses Prozedere aus, SPD, Bündnisgrüne und FDP folgten dem Verwaltungsvorschlag nicht. Birgit Frenken, Grüne, vermisste in dem Vorschlag ein überzeugendes Angebot an Aktivitäten, mit denen sich die Verwaltung in die Lösungsfindung einbringt: „Das müsste stärker zum Ausdruck kommen.“

Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen konterte: „Einen pauschalen Rucksack lasse ich mir nicht aufpacken. Wir haben viele Möglichkeiten ausgelotet, vieles dargestellt und unternommen.“ Und ein potenzieller Betreiber, mit dem das Problem vom Tisch wäre, sei nicht in Sicht. Er betonte, dass die Bevölkerung mitwirken könne und möge. „Wir sind dankbar für jeden Vorschlag, wir werden ihn ganz sicher prüfen.“

Norbert Tholen, FDP, monierte, dass der Bürgerentscheid „nicht zeitnah“ erfolge und „das Anliegen zu weit in die Zukunft geschoben“ werde. Er plädierte dafür, zuallererst einmal die Waldfeuchter für den Rettungsversuch zu mobilisieren und das Ergebnis eines möglichen bürgerschaftlichen Engagements abzuwarten. „Deshalb sollten wir unsere Entscheidung vertagen.“

Schrammen wies auf die Notwendigkeit eines Bad-Beschlusses hin: Die Gemeinde befinde sich im Haushaltssicherungskonzept, bis 2023 müsse zwingend ein ausgeglichener Haushalt vorliegen. „Wir können hier also nicht nach Lust und Laune beschließen.“

Kämmerer Johannes Blank formulierte mehrere Gründe für den Bürgerentscheid 2020, der termingleich mit der Kommunalwahl stattfindet: „Dann haben wir eine große Beteiligung und ein sehr repräsentatives Ergebnis. Außerdem wissen wir dann, wie sich das Defizit beim Bad entwickelt hat und über welche Summe wir genau reden und entscheiden.“ Um auf dem Weg bis 2020 ein umfangreiches Meinungs- und Ideensortiment zu erhalten, schlug Birgit Frenken, Grüne, vor, das sogenannte Schwimmbad-Gremium – unter anderem mit Vertretern des Schwimmbad-Personals und der DLRG-Ortsgruppe – neu zu beleben.

Der Bürgermeister hielt dagegen: „Die Diskussion ist im politischen Raum angekommen. Da die schwierige Thematik zum Teil nichtöffentliche Details beinhaltet, soll sie auch in den Ratsgremien bleiben.“ Nichtsdestotrotz seien konkrete Vorschläge, woher auch immer, willkommen.

Jörg van den Dolder, Sachkundiger Bürger (Grüne), kritisierte, dass die Verwaltung die Leute auffordere, dass diese auf die Verwaltung zukommen; der umgekehrte Weg sei richtig.

Er vermisst eine gewisse „Transparenz“ in der Schwimmbad-Frage: „Die Verwaltung muss Daten und Fakten aus der Vergangenheit zusammentragen und detailliert aufzeigen, welche Optionen denkbar sind. Die Menschen brauchen Informationen, um zu wissen, wo es langgeht.“ Heinz-Josef Schrammen: „Im Rathaus kann sich jeder Interessierte gerne über das, was öffentlich gemacht werden darf, informieren.“

Nicht allein die Zukunft der Haarener Einrichtung ist mit einem dicken Fragezeichen versehen. Diese negative Entwicklung in der Bäderlandschaft treibt auch Peter Garczarek, Grüne, um. Er hofft auf Einsicht an höherer Stelle: „Man muss Bund und Land zeigen, dass überall die Bäder schließen. Wo soll das hinführen, wenn die Kinder nicht mehr das Schwimmen lernen können.“

In die Kritik stimmte Bürgermeister Schrammen ein: „Die kommunalen Aufgaben werden immer komplexer und mehr. Städte und Gemeinden kriegen das finanziell nicht mehr gestemmt.“ Da kam der Satz von Kämmerer Johannes Blank, bei dem viele Wenn und Aber mitschwangen, wie Galgenhumor daher: „Wer weiß, wie sich die Lage entwickelt. Vielleicht sind wir bis 2020 besser aufgestellt, und die Diskussion hat sich erledigt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert