Haarener Windmühle besucht: Wo riesige Zahnräder ineinander greifen

Von: Daniel Gerhards
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Der freiwillige Müller Klaus Röhrs erklärte unseren Abonnenten, wie die Kraft des Windes von den Flügeln auf die großen Zahnräder der Mühle übertragen wird. Foto: Daniel Gerhards
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Dafür war er mit ihnen bis in Haube des Gebäudes hinaufgeklettert. Foto: Daniel Gerhards
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Unten konnten die Teilnehmer selbst mit Hand anlegen und die Mühle in den Wind drehen. Foto: Daniel Gerhards

Kreis Heinsberg. Am Ende fehlte nur der Wind, damit sich die Mühle auch drehte. Wie die althergebrachte Technik in der Haarener Windmühle funktioniert, erfuhren die Teilnehmer der Mühlenführung aber trotzdem von einem Team aus freiwilligen Müllern des Vereins Historische Mühlen im Selfkant.

Die Hobbymüller erklärten Abonnenten unserer Zeitung, wie die Kraft des Windes auf die Mahlsteine übertragen wird, wo das Getreide früher angeliefert wurde, wie man es hinauf zum Mahlwerk bekam und was man tun muss, um die Mühle in Gang zu setzen.

Hoch oben in der Haube der Mühle, Typ Bergholländer, zeigte Klaus Röhrs, wie die hölzernen Zahnräder der Mühle ineinandergreifen. Über das Achsrad werde die Kraft auf die Königswelle und das Kronenrad übertragen. Die Zähne der großen Holzräder seien nur hineingesteckt, verzapft und mit Keilen gesichert. Keine einzige Schraube sei nötig, um die an ein überdimensionales Uhrwerk erinnernde Mechanik zusammenzuhalten, sagte er. Geschmiert wird das Ganze übrigens mit Bienenwachs. Der schont das Holz.

Dort oben sind auch noch schwarze Stellen am Holz zu sehen. „Das sind noch Spuren des Brandes“, so Röhrs. 1940 wurde die Mühle bei einem Feuer zerstört. Ersatzteile fand die Familie Verbeek, die die Mühle bis 1950 ­regulär betrieb, damals in den Niederlanden. In Alkmaar kaufte sie Flügel, Achse und andere Einzelteile von einer Mühle, die abgebrochen wurde. Müller Theo Verbeek schaute bei der Führung auch einmal vorbei und unterhielt sich mit einigen Gästen.

Draußen zeigte Hobbymüller Willi Reissen, wie die großen Flügel der insgesamt 25 Meter hohen Mühle mit Segeln bespannt werden. Dafür muss man die Sprossen am Flügel hochklettern. „Freiwillige vor“, hier es. Am Ende kletterte Willi Reissen doch selbst hinauf, um das Segel mit gekonnten Handgriffen festzumachen. Er erklärte, was zu tun ist, um die Mühle in den Wind zu drehen. Er zeigte auch, wie die Segeln nur bis zur Hälfte bespannt werden, wenn der Wind allzu stark weht. „Man bekommt die Mühle alleine in Gang. Das ist aber schwer. Wir machen das immer mit zwei oder drei Mann“, sagte Willi Reissen.

Ein Fakt, der viele Menschen auch aus dem Kreis Heinsberg überrascht, ist, dass die Selfkant­region mit ihren fünf Mühlen eine der „mühlendichtesten Regionen Deutschlands“ ist. Diese Historie will der Mühlenverein bewahren, in dem er sich um die Gebäude und die Technik kümmert und auch immer wieder Interessierte zu freiwilligen Müllern ausbildet.

Im Inneren der Mühle demonstrierte der freiwillige Müller Hans Floracks, wie man den Abstand zwischen den 1,5 Tonnen schweren Mahlsteinen einstellt. Sei der Abstand gering, werde das Mehl sehr fein. Größeren Abstand stelle man ein, wenn man das Korn schroten wolle. Bei gutem Wind könne man in der Mühle bis zu zehn Tonnen Getreide am Tag mahlen. Solche Mengen verarbeiten die freiwilligen Müller vom Mühlenverein aber nicht. Denn das selbst gemahlene Mehl dürfen sie nicht verkaufen. Die Auflagen des Gesundheitsamtes wären viel zu groß für den Verein.

Zum Schluss erklärte Hans Floracks dann noch, was zu tun ist, wenn der Mahlstein einmal stumpf ist. Dann muss der Müller den schweren Stein mit einem Steinkran hochheben und mit einem Hammer schärfen. „Wir haben das schon mal gemacht. Das hat drei Tage gedauert“, sagte Hans Floracks.

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