Kreis Heinsberg - „Gute OGS darf keine Glückssache sein!“

„Gute OGS darf keine Glückssache sein!“

Von: jwb
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Großes Podium bei der Diskussion um die Offene Ganztagsschule: Vertreter von Arbeiterwohlfahrt und Caritas, Politik, Schulen und Eltern diskutierten mit Moderator Norbert Schuldei (Mitte). Foto: Bindels
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Ein von Kindern selbst bemaltes T-Shirt mit Aufdruck wurde mit zur Veranstaltung gebracht. Es sollte auf die Verantwortlichen und Anwesenden auf die Nöte der OGS-Schulen aufmerksam machen. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Bei einer Podiumsdiskussion von Arbeiterwohlfahrt und dem Caritasverband wurden die Kernforderungen von den Veranstaltern, Lehrern und Eltern deutlich: Die Qualität sichern, Standards ausbauen, die benötigten Personal- und Sachressourcen bereitstellen und die Finanzierung sicherstellen. Die Forderungen sollen im Juli der Landesregierung vorgelegt werden.

Unter dem Motto „Gute OGS darf keine Glückssache sein!“ haben die Arbeiterwohlfahrt und der Caritasverband als Träger Offener Ganztagsschulen (OGS) im Kreis Heinsberg zu einer Podiumsdiskussion in das AWO-Altenzentrum in Heinsberg Vertreter von Politik, Verwaltung, Eltern und Schulen eingeladen.

Nach Vorstellung der Freien Wohlfahrtspflege NRW umfasst der Kostenplan für die Finanzierung einer OGS-Gruppe von 25 Kindern für die Personal- und Sachausstattung circa 79.274 Euro pro Jahr oder jährlich 3170 Euro pro Kind.

Im Kreis Heinsberg klaffe eine erhebliche Finanzierungs­lücke zwischen den notwendigen Kosten von circa 3170 Euro pro Kind und der tatsächlich aktuell gezahlten Pauschale, die je nach Kommune zwischen 435 (Wegberg) und 1053 Euro (Hückelhoven) betrage. Ziel der Träger der Offenen Ganztagsschulen sei eine neue gesetzliche Regelung. Die Forderungen sollen am 12. Juli der neuen Landesregierung in Düsseldorf übergeben werden.

Unter der Moderation von Norbert Schuldei stellten sich der Landtagsabgeordnete Thomas Schnelle (CDU) und die Kommunalpolitiker Andrea Reh (SPD) und Jörg van den Dolder (Bündnis 90 / Die Grünen), der Leiter des Kreisjugendamtes Hans-Jürgen Oehlschläger, Helmut Holländer, Erster Beigeordneter der Stadt Hückelhoven, und Gerd Pint, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales der Stadt Wegberg, die Schulleitungen der Grundschule Arsbeck und der Peter-Jordan-Schule Hückelhoven, Elternvertreter sowie pädagogische OGS-Leitungen aus Arsbeck, Hückelhoven, Boscheln und Wegberg auf dem Podium den Forderungen der Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege.

Auch im Kreis Heinsberg fehlten OGS-Plätze, die Kindergruppen seien teilweise zu groß und zuverlässige Standards seien nicht gesetzlich festgelegt, waren einige der Feststellungen von Ulla Sevenich-Mattar und Sabine Floßdorf von der AWO sowie Karl-Ernst Dahmen von der Caritas. Vor allem die regelmäßig alle drei bis fünf Jahre stattfindenden neuen Ausschreibungen, wer Träger der OGS-Durchführung werde, habe negative Auswirkungen, beklagten unisono AWO und Caritas. Ein Wechsel des Trägers bedeute auch einen Wechsel der pädagogischen Bezugspersonen für die Kinder, betonten denn auch die Elternvertreter.

Die unterschiedlichen Pauschalen verhinderten eine angemessene tarifliche Entlohnung der im OGS-Bereich tätigen Mitarbeiter, hieß es weiter. Der großen Nachfrage nach OGS-Betreuung im Nachmittag seitens der Eltern stünden eingeschränkte Möglichkeiten bei den Schulen gegenüber. So erfolgten teilweise Ablehnungen, weil die Kapazität für eine Aufnahme in den OGS-Bereich nicht vorhanden sei.

Während Kommunen, die im Haushaltssicherungskonzept sich befänden, wie die Stadt Wegberg, nur die gesetzlich vorgeschriebene Pauschale zahlen dürften (so die Auskunft von Gerd Pint), könnten Kommunen wie die Stadt Hückelhoven sich freier für eine höhere Pauschale entscheiden, erklärte Helmut Holländer. Diese unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen zeigten allerdings auch das Dilemma der OGS-Landschaft auf. Die AWO wie die Caritas als Träger von 22 OGS-Schulen im Kreis Heinsberg seien verantwortlich für 1735 Kinder im offenen Ganztagskonzept und für die dort tätigen 130 Mitarbeiter jedoch dürfte nicht der Zufall, in welcher Kommune ein Kind gerade lebe, über die Rahmenbedingungen bestimmen, betonte Sevenich-Mattar.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Bedarf an OGS-Plätze noch steigen werde. Um die Qualität der Betreuung zu sichern, sei das Augenmerk auch auf die Aus- und Fortbildung qualifizierten Personals zu legen. Das Stichwort „Quereinsteiger“ machte dabei die Runde.

Die Ausschreibungen mit ihren negativen Auswirkungen seien abzuschaffen, um Verlässlichkeit und Kontinuität der Beziehungspersonen für die Kinder zu sichern, hieß es aus der Trägerschaft wie auch aus den Schulleitungen und pädagogischen OGS-Leitungen. Deshalb seien verbindliche Standards für Sachmittel- und Personalressourcen und ein einheitlicher Finanzierungsrahmen gesetzlich zu regeln.

Thomas Schnelle bekam deshalb seitens der anderen Podiumsteilnehmer ein Paket geschnürt, welches er versprach, im Rahmen seiner Landtagsabgeordnetentätigkeit in die dortigen Gremien einzubringen.

Kinder aus dem OGS-Betreuungsbereich hatten mit selbst bemalten T-Shirts und der Aufschrift „Wir Kinder sind es wert, dass ihr in uns investiert!“ ihren Wunsch nach Unterstützung zum Ausdruck gebracht.

„Wir wollen in einem halben Jahr nachfragen, was daraus geworden ist“, kündigte Ulla Sevenich-Mattar eine Folgeveranstaltung an.

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