Großes Stühlerücken in der Verwaltung

Von: Norbert F. Schuldei
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Am 1. April müssen im Hückelhovener Rathaus viele Mitarbeiter umziehen. Die Personalratsvorsitzende Angelika Grates glaubt nicht, dass dies das letzte Datum ist. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven. In der Verwaltung rumort es. Und zwar mächtig. Eine ganze Reihe - das Wort von „die halbe Verwaltung” machte die Runde - der rund 400 Mitarbeiter hatte Mittwochmorgen eine „Versetzungsverfügung” auf dem Tisch liegen; innerhalb der verschiedenen Ämter werden neue Abteilungen entstehen; ein neues Amt für Kultur- und Stadtmarketing wird eingerichtet.

Und schließlich, das wurde zwar am Mittwoch noch nicht schriftlich mitgeteilt, soll aber in der Sitzung des Rates, also im zuständigen politischen Gremium, am Mittwoch kommender Woche behandelt werden: Das Jugendamt, das am 1. Januar 2003 mit 20 Mitarbeitern in die mit erheblichen finanziellen Aufwand umgebaute ehemalige Ludovicischule eingezogen war, soll dort ausziehen und künftig im Rathaus untergebracht werden. Und zwar in den Räumen, in denen jetzt die Mitarbeiter der Arge sitzen.

Die sollen im Gegenzug in das jetzige Domizil des Jugendamtes an der Ludovicistraße einziehen. „Wir müssen die vorhandenen Stellschrauben anziehen” hatte CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer im interview mit unserer Zeitung am 19. Februar angekündigt. Er hatte damit angesichts des 2,5-Millionen-Euro-Loches im Haushalt für das laufende Jahr auf dringend notwendige Sparmaßnahmen innerhalb der Verwaltung gepocht.

„Das, was Herr Kreutzer angekündigt hat, wird jetzt umgesetzt”, sagt Angelika Grates, Vorsitzende des Personalrates der Stadt Hückelhoven. „Alles ist in einem großem Umbruch”, sagt sie. Aber, und das betont sie nachdrücklich: „Nicht jeder, der am Mittwoch eine Versetzungsverfügung zum 1. April auf dem Tisch liegen hatte, ist darüber unglücklich.”

Für viele Mitarbeiter eröffnete sich auch „die Chance zu einem Aufstieg”. Zum Beispiel für den künftigen Leiter des neu geschaffenen Amtes für „Kultur und Stadtmarketing”. Nach Informationen unserer Zeitung soll dies Holger Loogen werden. Der war bisher persönlicher Referent des Bürgermeisters.

Bald wird zusätzlich zu diesem Job auch noch Amtsleiter sein. Ein weiterer Grund für das große Stühlerücken in der Verwaltung ist die Altersstruktur. „Wir haben rund 50 Mitarbeiter, die einen Antrag auf Altersteilzeit gestellt haben oder ihn noch stellen werden”, sagt Angelika Grates.

Bis zum 31. Dezember 2009 gab es die tariflich vereinbarte Möglichkeit, mit vollendetem 55. Lebensjahr in die Altersteilzeit zu gehen. Für Beamte wurde diese Regelung um drei Jahre verlängert, für Angestellte im öffentlichen Dienst steht eine Verlängerung dieser Regelung noch im Raum. „Ich schätze, dass etwa ein Achttel der Mitarbeiter vor dem Altersruhestand oder der Altersteilzeit stehen”, sagt Grates. „Es wundert mich nicht, dass die Politik glaubt, durch Einsparungen bei den Personalkosten einen Großteil der Mehrkosten im Haushalt auffangen zu können”, sagt Grates. Die Personalkosten ist nun einmal der Posten, der am meisten ins Haushaltskontor schlägt.

Mit weniger Personal die selbe Leistung erzeugen und die gleiche Qualität erzielen - das ist in allen Bereichen der Wirtschaft der Primat des Handels. Dabei habe sich, sagt Grates, in der Verwaltungsarbeit in den letzten Jahren „wahnsinnig viel hin zu mehr Effizienz verändert”.

Sie weiß, wovon sie spricht: Angelika Grates ist seit 36 Jahren Mitarbeiterin der Verwaltung. „Mehr arbeiten, flexibler arbeiten, mehr leisten, mehr organisieren für weniger Geld” - das sei das, was unter dem Strich steht, seit vor fünf Jahren der TVÖD (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst) den BAT (Bundesangestelltentarif) abgelöst habe, sagt sie. Ist mit der gestrigen Versetzungswelle zum 1. April die Umorganisation in der Hückelhovener Verwaltung abgeschlossen? Die Personalratsvorsitzende zögert ein wenig, bis sie antwortet: „Ich denke nein.”
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