Gitarrist Marko Topchij spielt in der evangelischen Kirche

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Heinsberg. Wie definiert sich heute ein Superstar? Schein oder Sein? Der 19-jährige Ukrainer Marko Topchij stellt alles in den Schatten. Dabei ist er alles andere als ein Showstar.

Die Heinsberger kennen ihn seit 2009. Er war der Gewinner des dritten Gitarrenfestivals, der gleich alle Preise einsackte. Verbunden damit war eine Einladung der VHS zu einem Gitarrenkonzert. Zwei Stunden gab er sich seiner großen Liebe, einer Meistergitarre von Yuichi Imai hin und tauschte sich ausdrucksvoll mit ihr aus und bekehrte selbst Besucher, die sonst nicht allzu viel mit der Nachfahrin der Laute am Hut haben.

Auf der Gitarre kann Topchij einfach alles. Aber darin erschöpft er sich nicht. Als mehr introvertierter Künstler ist es ihm in erster Linie um den künstlerischen Ausdruck zu tun. Von seiner „Majestät” Johann Sebastian Bach ist er fasziniert und macht tiefe Bücklinge. Prälidium und Fuge aus der Lautensuite e-Moll (BMV 996) war schon krönender Start.

Tschaikowski mit der westlichen Ausrichtung stand schon ziemlich allein auf weiter Flur. Der Kiewer erwies sich als ausgewiesener Kenner und Könner der einschlägigen westlichen Gitarrenliteratur und rammte mit ihr einen Pflock nach dem anderen in den Boden, bodenständig und bogengleich.

Er spannte seine Gewehrsträger zu einem erlauchtem Kreis und gab jedem das Seine. Das Tremolo war eine seiner besonderen Stärke. Er beherrschte diese Form bis „Ultimo”.

Illustrative Erhellung

Das Programm reichte von Variationen über das „Lied vom Kohlbauern Bub” (wobei man sich nur wundern konnte, wie gut sich der Neapolitaner Mauro Giuliani mit dieser Ackerbaukunst auskannte), bis zu Francisco Tarrega, der Schlüsselfigur für die moderne spanische Gitarrenschule. Apercus dienten der illustrativen Erhellung.

Breiten Raum verschaffte der Gitarrist den Variationen, die sich nicht nur durch große Meisterschaft auszeichneten, wie die von Leo Brouwers über ein Thema von Django Reinhardt - einem echten Höhpunkt des Konzertes - wie auch zur Charakterisierung dieser Kompositionsart, mit der es viele Meister zu einer Meisterschaft gebracht haben, die das Thema in den Schatten stellt.

Giuliani war sich dafür ebenso zu schade wie Llobet, Tansman und Tarrega, die über Sor, Skrjabin und den venezianischen Karneval „fantasierten”, der zu den beliebtesten Themen gehörte.

Nach zwei Stunden entledigte sich der Ukrainer leicht zweier Zugaben als Dank an die Heinsberger für ihre große Wertschätzung. Theo Krings von der Jugendmusikschule Heinsberg hielt den Besuchern zugute, dass sie ohne Reue den einmaligen Genuss dieses Konzertes gegen das Frühlingswetter eingetauscht hatten. Zugleich bedankte er sich für die allzeit offene Tür der evangelischen Kirche und die Gastfreundschaft. Heinsberg wird bei dem eigens angereisten Gitarristen nicht so leicht aus der Erinnerung kommen - und sei es als Ausgangspunkt einer steilen Karriere.
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