Gitarrenvirtuose Viazovskiy gibt Einführung in Meisterkonzert

Von: Petra Wolters
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Konzertpädagogin Kristin Cata
Konzertpädagogin Kristin Catalan, Lehrer Daniel Schindler und Gitarrist Roman Viazovskiy nach dem Interview mit den Schülern des Musikgrundkurses. Foto: Petra Wolters

Heinsberg. Wenn Roman Viazovskiy am Mittwoch, 1. Juni, um 20 Uhr inmitten der Festivalwoche des diesjährigen internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals bei seinem gemeinsamen Meisterkonzert mit Marco Socías in der Stadthalle in seine Saiten greift, ist das gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Auftritt für ihn.

Zum einen ist Viazovskiy nämlich selbst der künstlerische Leiter dieses Festivals, das mittlerweile Weltruf genießt. Zum anderen feiert er in diesem Jahr aber auch ein ganz persönliches Jubiläum, spielt er doch seit genau 25 Jahren Gitarre. Das verriet er Schülern des Heinsberger Kreisgymnasiums, die er im Rahmen der Vorbereitung einer Einführung in sein Konzert in der Schule besuchte.

Zu dieser Einführung laden die Schüler eine Stunde vor Konzertbeginn, also bereits um 19 Uhr, in die Stadthalle ein. „Das habe ich noch nie erzählt”, antwortete er den Zehn- und Elftklässlern des Grundkurses im Musiksaal der Schule, als diese in fragten, wie er zur Gitarre gekommen sei. „Absolut zufällig”, betonte er.

Als kleines Kind habe er erst begonnen, Akkordeon zu spielen. Das lag nicht fern, ist sein Vater Vladimir doch einer der führenden Akkordeon-Virtuosen der Ukraine. Dieser erste Ausflug in die Musik war jedoch schnell zu Ende, denn „ich war ein begabtes Kind, aber genauso war ich faul”, gestand er den Schülern.

Er begann zu tanzen. Als er zwölf Jahre alt war, gab es dann an seinem Berufskolleg eine Arbeitsgemeinschaft, in der Musikinstrumente vorgestellt wurden. „Es war, wie eine Hand, die mich genommen hat, und etwas, das mir gesagt hat, geh hin”, erinnerte sich Viazovskiy. „Und von dem Moment an wusste ich, was ich mein ganzes Leben lang machen will.”

Sein Vater sei jedoch dagegen gewesen, seine Mutter kaufte ihm dennoch eine billige Gitarre. „Ich war wie besessen”, erzählte er weiter. „Ich war schlecht in der Schule, ich war faul, ich bewegte mich in einem schlechten sozialen Umfeld. Was unvernünftig ist, das war ich, bis ich die Gitarre getroffen habe.”

In seiner Heimatstadt Donezk absolvierte er eine Ausbildung als Gitarrist und als Dirigent. Dann kam er nach Deutschland, „um weiter zu lernen”, so der passionierte Musiker.

16 Jahre habe sein Studium insgesamt gedauert, erklärte er den Schülern. Und jeden Tag habe er etwas dazu gelernt und Freude daran gehabt. „Und ich lerne immer noch was!”

Seit mittlerweile elf Jahren ist Heinsberg seine neue Heimat. Hier ist er als Gitarrenlehrer tätig, als konzertierender Künstler und nicht zuletzt als künstlerischer Leiter des Gitarrenfestivals.

Warum er beim Festival gemeinsam mit Socías konzertiere, wollten die Schüler dann von ihm wissen. Der Spanier und Großmeister der klassischen Gitarre sei seit etwa zehn Jahren in Deutschland nur noch ganz selten zu hören. Daher sei es etwas Besonderes, ihn gerade beim Heinsberger Festival hören zu können, so Viazovskiy.

Dann wurde der Musiker ganz persönlich, als er den Schülern eindrucksvoll erklärte, was für ihn das Wesentliche an seiner Musik ist. „Ich spiele nicht Gitarre. Ich spiele die Seele. Ich möchte die Menschen berühren.

Wenn mir das gelingt, bin ich glücklich.” Verständlich dann die Erläuterung, dass ihm riesiger Jubel nach einem Konzert gar nicht so wichtig ist. Für seinen eigenen Musikgeschmack gilt diese Einstellung übrigens auch. „Wenn sie mich berührt, höre ich sie gerne”, lautet sein Auswahlkriterium.

Schließlich betrachtete Viazovskiy mit den Schülern noch zwei der vier Stücke, die er am 1. Juni in Heinsberg präsentieren wird. „Fatum” ist der Titel des einen, das Konstantin Vassiliev eigens für seinen Freund Viazovskiy komponiert hat. Grundlage des Stücks sei ein sehr altes russisches Volkslied, in dem es um einen Soldaten gehe, der verwundet auf dem Feld liege und mit seinem Schicksal ringe, so der Musiker.

Und „Fatum” sei die lateinische Übersetzung des Wortes Schicksal. Mit der Sonata V in G-Dur von Silvius Leopold Weiss wird Viazovskiy schließlich in Heinsberg ein Stück Barockmusik präsentieren, das eigentlich für die 14-saitige Laute komponiert wurde und das er selbst für seine sechs Gitarrensaiten neu bearbeitet hat. Kostenfreie Einführung ins Meisterkonzert

Kostenfreie Einführung

Für die für alle Konzertbesucher kostenfreie Einführung in das Meisterkonzert am Mittwoch, 1. Juni, um 19 Uhr zeichnet Kristin Catalan, die Konzertpädagogin des Heinsberger Gitarrenfestivals, gemeinsam mit Daniel Schindler verantwortlich. Er ist der Lehrer des Grundkurses Musik für die Jahrgangsstufen zehn und elf des Kreisgymnasiums.

Ihr Interview mit Roman Viazovskiy haben die Schüler gefilmt. Mit diesem Videomaterial werden sie sich jetzt intensiv auf ihre halbstündige Präsentation vorbereiten.
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