Gitarrenfestival: Triumph und Trauer des Marko Topchiy

Von: Rainer Herwartz
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Marko Topchiy und seine Mutter Natalia traf am Finaltag des Gitarrenfestivals ein schwerer Schicksalsschlag. Foto: Jennes

Heinsberg. Triumph und Trauer, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - das Schicksal schafft es immer wieder, diese Gegensätze in nur wenigen Augenblicken aufeinander folgen zu lassen und diejenigen, die es trifft, auf eine Achterbahn der Gefühle zu schicken.

Einer, den es mit geradezu unvorstellbarer Wucht erwischte, war der überragende Sieger des diesjährigen Gitarrenfestivals in Heinsberg, Marko Topchiy. Erst jetzt, rund zwei Wochen nach dem Finale, solle die Öffentlichkeit nach dem Wunsch des jungen Weltklassegitarristen davon erfahren, was sich am Finaltag vor seinem beeindruckenden Sieg in den frühen Morgenstunden ereignete.

Wie schon zwei Jahre zuvor, war der jetzt 18-jährige Topchiy mit seiner Mutter Natalia und seinem Vater Yuri aus der Ukraine angereist, um sich in Heinsberg der hochkarätigen Konkurrenz zu stellen. Doch diesmal sollte der Junior um den Sieg ein gehöriges Wörtchen mitreden, gewann er doch unmittelbar zuvor einen Wettbewerb in Italien.

Vater Yuri, der sich seit Jahren hingebungsvoll um die Karriere seines Sprösslings kümmerte, hatte dort zwar einen Schwächeanfall erlitten, sich aber wieder berappelt und freute sich schon auf die Kreisstadt. Das dieser Besuch für ihn tragisch enden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand.

Theo Krings, Chef der Jugendmusikschule und Leiter des Festivals, sieht die Bilder des Finaltages noch genau vor sich: „Die Gastgebermutter stand völlig aufgelöst vor mir und sagte, Herr Topchiy sei überraschend gestorben, aber Marko wolle nicht, dass es jemand erfahre.” Ehefrau Natalia hatte den 51-Jährigen am Morgen zum Frühstück rufen wollen, ihn dann aber tot in seinem Zimmer gefunden. Der sofort alarmierte Notarzt konnte dem Ukrainer, der an einem Herzinfarkt verstarb, nicht mehr helfen.

Trotz des immensen Leidensdrucks entschied sich Marko Topchiy dafür, den Wettbewerb nicht abzubrechen. „Er wolle spielen und niemand solle vom Tod seines Vaters erfahren, weil er jede Beeinflussung von irgendjemandem ausschließen wolle”, berichtet Krings. „Mein Vater hat sein Leben für meine Karriere gegeben. Sollte ich hier erfolgreich sein, wäre es das Schlimmste, wenn es später hieße, dass ich den Sieg nur aus Mitleid errungen hätte”, habe Marko ihm erklärt.

In der Tat konnte die Tragödie geheim gehalten werden. „Erst nachdem die Jury die Urkunden unterzeichnet hatte, habe ich es ihnen mitgeteilt. Da habe ich erwachsene Männer weinen sehen”, erzählt Krings.

Jetzt konnte der Leichnam des Verstorbenen per Flugzeug zurück in die Ukraine gebracht werden. Eine nicht so einfache Angelegenheit, wie der Festivalchef berichtet. Die Musikschule hatte mit Unterstützung der Stadt eine Ausfallhaftung übernommen, falls die Versicherung mit Sitz in Kiew den Rücktransport, der rund 5000 Euro koste, nicht bezahlen würde. Im Beisein eines Mitarbeiters des ukrainischen Konsulates musste der Tote zudem in einen Zinksarg eingelötet werden.

„I played for my father (Ich spielte für meinen Vater)”, sagte Marko Topchiy nach dem größten Triumph seiner noch jungen Karriere.
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