Gewerkschafter nehmen Politiker „ins Verhör“

Von: Alexander Barth
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„Tour für gute Arbeit“. Ralf Woelk vom DGB sowie Rudi Clemens (l.) und Holger Vermeer (r.) von der IG BAU in Heinsberg. Foto: Alexander Barth

Kreis Heinsberg. „Willkommen zum feucht-fröhlichen Schwitzen“ – mit dieser Begrüßung hatte Ralf Woelk, Regionsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Rahmenbedingungen gleich passend umschrieben. ­Woelk und seine Kollegen waren am Donnerstag mit einem roten Doppeldeckerbus auf dem Heinsberger Markt vorgefahren, um gemeinsam mit Vertretern der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) die Bundestagskandidaten aus dem Kreis Heinsberg unter die „Arbeitslupe“ zu nehmen.

Gleichzeitig startete der DGB seine „Tour für gute Arbeit“, bei der gewerkschaftliche Anforderungen an die künftige Regierung vorgestellt werden.

Neben dem Bus als Hingucker hatten Ralf Woelk sowie Rudi Clemens als Kreisvorsitzender und Holger Vermeer als Landesleiter der IG BAU vor allem Forderungen mitgebracht, mit denen sie die Kandidaten konfrontierten. Dabei hatten Ayten Kaplan (Linke), Hans-Josef Dederichs (Bündnis 90/Die Grünen), Linus Stieldorf (FDP), Wilfried Oellers (CDU) und Norbert Spinrath (SPD) nicht nur mit schweißtreibenden Temperaturen zu kämpfen.

Die Gewerkschafter nahmen die Kandidaten „ins Verhör“, pochten vehement auf ihre Positionen in Sachen Mindestlohn und Rente, daraus entwickelten sich teils hitzige Redebeiträge. Vermeer brachte als Moderator Linie in die Diskussionen mit einfachen wie direkten Fragen.

Besonders Rudi Clemens setzte sich leidenschaftlich für die soziale Gerechtigkeit ein und spielte außerdem die regionale Karte aus: „Wir sind stolz auf die Firmen unserer Branchen, die den Kreis groß gemacht haben und die vereinbarten Mindestlöhne umsetzen. Das wünsche ich mir für alle Arbeitsbereiche.“ Unterstützung fand das Urgestein der IG BAU in der Region bei den nicht gerade zahlreichen, dafür aber engagierten Zuhörern.

Da fanden sich durchweg erhitzte Gemüter aus dem Gewerkschaftsumfeld, denen vor allem die Aussagen der Vertreter der Regierungsparteien CDU und FDP sauer aufstießen. Mehr Applaus ernteten da schon die Vertreter von SPD und Grünen oder die Kandidatin der Linken, die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit offenbar nach dem Geschmack der Zuhörer formulierten.

Zuvor hatte DGB-Mann Ralf Woelk die Resistenz der Bundesregierung gegen Beratung durch die Gewerkschaften kritisiert.

Hitzig diskutiert wurde auch der Dumpinglohn-Skandal bei der Glasfaserkabelverlegung im Kreis Heinsberg. In diesem Zusammenhang monierte Clemens, das „von keiner Partei eine eindeutige Verurteilung dieser Vorgänge“ erfolgt sei. „Das schießt den Vogel ab, das geht gar nicht“ – Worte zum Skandal, mit denen Vermeer offenbar die allgemeine Meinung erfasste.

Die Vertreter der Parteien gelobten Engagement im Interesse der Kreisbewohner, von denen sich allerdings nur knapp zwei Dutzend versammelt hatten.

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