Getarnte Schafe - oder gemeingefährlich?

Von: Dettmar Fischer
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Hubert Lennarz, Bärbel Stangi
Hubert Lennarz, Bärbel Stangier, Bianka Mai und Tierheimleiterin Sina Braun (v.l.) hoffen noch auf ein Einlenken des Rates. Foto: defi

Heinsberg. Was kann ein Bürger tun, wenn er mit einer Entscheidung seiner politischen Vertreter nicht einverstanden ist? Dies fragen sich zurzeit Hundefreunde in Heinsberg und haben sich folgende Möglichkeiten überlegt: Das Gespräch mit Ratsmitgliedern und Verwaltung suchen, den Rechtsweg beschreiten, Mahnwachen abhalten und einen Bürgerantrag an den Rat stellen.

„Das Wichtigste ist, dass wir für unser Anliegen Öffentlichkeit herstellen”, hat die Heinsberger Unternehmerin Bianka Mai erkannt. Snoopy heißt ihr American Bulldog und ist ein wirklich großer Hund. Stattliche 40 Kilo bringt er auf die Waage. Bianka Mai ist aber überzeugt, dass bei verantwortungsvollem Umgang von ihrem Snoopy auch nicht mehr Gefahr ausgeht als vom Beagle der Peanuts. Nach der vom Rat der Stadt Heinsberg beschlossenen neuen Hundesteuersatzung, die, wie berichtet, zum 1. Januar in Kraft getreten ist, muss Bianca Mai für ihren American Bulldog die so genannte „Kampfhundesteuer” zahlen: im Jahr 500 Euro statt wie bisher 50 Euro einfache Hundesteuer. Bianka Mai geht es vor allem um die Diskriminierung bestimmter Hunderassen. Sie ist Gründerin von „ProAmericanBulldog”, einer Hilfsorganisation für Bulldoggen in Not, und denkt verstärkt an die schwindenden Vermittlungschancen dieser Hunde.

Obwohl Bärbel Stangier selber nicht von der Heinsberger Hundesteuersatzung betroffen ist - die Oberkommissarin lebt mit ihrer American Bulldog-Hündin Lene in Wassenberg (und zahlt dort 30 Euro Hundesteuer im Jahr) -, engagiert sie sich zusammen mit vielen anderen Hundehaltern, die sich um das Tierheim in Heinsberg-Kirchhoven geschart haben, für eine Änderung der Hundesteuersatzung der Stadt Heinsberg. Bärbel Stangier klingt zornig, wenn sie sagt: „ Meinetwegen soll die Stadt Heinsberg die Steuer für Listenhunde durchaus erhöhen, meinetwegen auch um 1000 Prozent. Aber Hundehalter, die sich intensiv um ihre Tiere kümmern und sie gut ausgebildet haben, so dass von diesen Hunden nachweisbar keinerlei Gefahr ausgeht, sollten für ihren verantwortungsvollen Umgang mit den Hunden nicht auch noch bestraft werden.”

Hubert Lennarz ist Unternehmer aus Dremmen. Seine Rottweilerhündin Bea hat die Schutzhunde- und Begleithundeprüfung bestanden. Als Lennarz Anfang des Jahres für seine Rottweilerhündin 500 Euro „Kampfhundesteuer” bezahlen sollte, verstand er die Welt nicht mehr. „Ich habe immer gesagt”, erinnert sich Lennarz an seine im April verstorbene Hündin, „Bea ist ein als Rottweiler getarntes Schaf.” Und eine „Lämmersteuer” zu bezahlen widerspricht seinem Gerechtigkeitssinn dermaßen, dass er auch nach dem Tod seiner Hündin gegen eine aus seiner Sicht ungerechte Hundesteuer kämpft.

Sogar klagen wollte Hubert Lennarz gegen die neue Hundesteuersatzung der Kreisstadt. Er hatte sich an einen der prominentesten Rechtsanwälte Heinsbergs gewandt. Doch dieser hatte ihm wenig Hoffnung gemacht. Die Stadt Heinsberg hat die Hundesteuer-Mustersatzung des Städte- und Gemeindebundes NRW übernommen, und die dürfte vor dem Verwaltungsgericht schwer anzufechten sein. Hubert Lennarz hat das Gespräch mit den Dremmener Ratsherren gesucht. Lennarz: „Ich konnte mir einfach nicht erklären, wie so ein Beschluss im Rat gefasst werden konnte. Solche Leute sind für mich nicht wieder wählbar.” Bianka Mai hat sich intensiv mit dem Thema so genannter „Kampfhunde” beschäftigt und ein Schreiben verfasst, in dem sie die Problematik anschaulich darlegt.

Dieses Schreiben hatte sie an die Mitglieder der CDU-Ratsfraktion und den Bürgermeister geschickt. Auf der Suche nach einer Lösung fanden Gespräche der Hundefreunde auch mit Mitgliedern der übrigen Ratsfraktionen statt. Bianka Mai: „Ich hatte das Gefühl, wir haben in Heinsberg Menschen in Rat und Verwaltung, mit denen man reden kann. Wir haben zunächst recht positive Rückmeldungen aus allen Parteien erhalten.” Die FDP-Fraktion habe dann die Initiative ergriffen, so Bianka Mai. Die Freidemokraten haben einen Antrag an den Rat der Stadt Heinsberg angekündigt, den sie aber frühestens für die Ratssitzung im Oktober werden einbringen können.

Der Antrag, der beim FDP-Stammtisch vorgestellt wurde, sieht vor, die Hundesteuersatzung dahingehend zu ändern, das Hundehalter, deren Tiere unter die „Kampfhundesteuer” fallen, von dieser befreit werden können, wenn ihr Hund eine Verhaltensprüfung vor einem Amtstierarzt erfolgreich besteht. Den Heinsberger Hundefreunden wäre mit der Annahme dieses Antrags zwar geholfen, doch Bianka Mai bleibt realistisch: „Ohne die Mehrheitsfraktion haben wir und unsere Hunde keine Chance. Wir überlegen, ob wir nicht einen Bürgerantrag an den Rat stellen, doch zunächst müssen wir die Öffentlichkeit mobilisieren.”

Bärbel Stangier, die für die SPD im Wassenberger Rat sitzt, sagt: „Ich hoffe sehr, dass unser Anliegen nicht der Politik zum Opfer fällt.” Und Mai führt fort: „Wir haben bislang 500 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die uns unterstützen, obwohl nur 37 Hundehalter in Heinsberg direkt betroffen sind. Vor der Ratssitzung am 20. Juli werden wir vor dem Rathaus eine Mahnwache abhalten. Zur letzten Ratssitzung konnten wir 40 bis 50 Unterstützer mobilisieren, diesmal werden es sicher deutlich mehr werden.” Am Samstag über die Hundesteuer diskutieren

Die Ratssitzungam Mittwoch, 20. Juli, beginnt um 18 Uhr. Die Mahnwache soll ab 17.30 Uhr vor dem Rathaus stattfinden. Für den kommenden Samstag, 16. Juli, 14 bis 16 Uhr, laden die Hundefreunde zu einem Treffen zum Thema „Hundesteuer” in das Tierheim in Kirchhoven ein.
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