Kreis Heinsberg - Gesangsstunde bei der Lebenshilfe kommt an

Gesangsstunde bei der Lebenshilfe kommt an

Von: anna
Letzte Aktualisierung:
15679123.jpg
„Gesangsstunde mit Schwester Bernadetta“: Die Nonne im Mitmach-Stück der Opernwerkstatt am Rhein ist ­Tamara Peters aus dem Selfkant. Foto: Anna Petra Thomas
15679147.jpg
Der künstlerische Leiter der Opernwerkstatt, Sascha von Donat, traf in der Kantine des Lebenshilfe-Centers in Oberbruch seine Schwester Corinna.

Kreis Heinsberg. Am Klavier ein Mönch, auf der Bühne daneben eine Nonne, die mit ihrem Rohrstock einen großen Chor in der Kantine des Oberbrucher Lebenshilfe-Centers dirigiert, der sich kurz nach dem Mittagessen an einem ganz normalen Werktag zu einem „Lobe den Herren“ versammelt hat.

Schon das erscheint dem unvorbereiteten Betrachter ungewöhnlich. Mehr noch wundert er sich, als die Nonne die Filmmelodie „Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey!“ singt, „Männer sind Schweine“ anstimmt oder für „Schmidtchen Schleicher“ sogar in ihre Stepptanz-Schuhe springt.

„Gesangsstunde mit Schwester Bernadetta“ heißt das Projekt, mit dem die Opernwerkstatt am Rhein in Oberbruch für einen Nachmittag zu Gast war. Dieser Auftritt war darüber hinaus noch gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Zunächst freute sich Sascha von Donat, künstlerischer Leiter der Opernwerkstatt, dass er bei diesem Besuch seine zwei Jahre ältere Schwester Corinna treffen würde, die in der Wohnstätte der Lebenshilfe in Heinsberg-Kirchhoven lebt.

Zum anderen war beschriebene Nonne niemand anderes als die Sängerin Tamara Peters, die aus dem Selfkant stammt. Als Sopranistin hat sie von der Jugendmusikschule Heinsberg aus den Sprung ins klassische Gesangsstudium in die Niederlande und nach Großbritannien geschafft. Seit ­Abschluss ihres Studiums gehört sie zum Ensemble der Opernwerkstatt – neben Auftritten in Gala­konzerten oder Touren mit dem Traumschiff. Und natürlich war dann auch der Mönch, der sie am Klavier begleitete nicht echt, sondern in Wirklichkeit der Pianist Yuhao Guo.

Da sein Vater bei der EU-Kommission in Brüssel arbeitete, habe man für die behinderte Schwester Corinna nach der Schule in Belgien eine deutschsprachige Einrichtung in der Nähe gesucht und sie vor etwa 30 Jahren mit der Lebenshilfe Heinsberg gefunden, ­erzählte Donat am Rande der Veranstaltung. Er selbst habe Jura studiert, sei dann jedoch im Theater gelandet. Seine künstlerische Karriere begann bei den Salzburger Festspielen.

Tamara Peters habe gleich nach ihrem Studium bei der Opernwerkstatt vorgesungen – und das sei einfach „wunderbar“ gewesen, erinnerte sich Donat. Sie passe gut in diese Form des Improvisationstheaters. „Sie hat eine irrsinnige Spielfreude und animiert die Leute zum Mitmachen.“ Das gelang ihr auch in Oberbruch mühelos, obwohl nicht alle Besucher die Texte ihrer Lieder lesen konnten. Viele hatten sie jedoch einfach im Ohr. „Die Ausschreibung war einfach für mich geschrieben“, erinnerte sich Tamara Peters an ihre Bewerbung. Das war vor vier Jahren. Seitdem ist sie bei der Opernwerkstatt aktiv.

Neben dem Gesang hat der Auftritt auch eine Geschichte, die recht schnell erzählt ist: Schwester Bernadetta hat die Klosterkasse für eine Nasen-OP „verbraten“. Also wird sie dazu verdonnert, das Geld mit Gesangsstunden wieder herbeizuschaffen. Das gelingt ihr allerdings nicht so ganz. Und so kam es auch in Oberbruch, wie es kommen musste: Nach der Pause schon kehrte Bernadetta im leichteren Outfit auf die Bühne zurück, sang mit den Lebenshilfe-Mitarbeitern freudig weiter von brechendem „Marmor, Stein und Eisen“, brannte dann jedoch mit Bruder Yuhao einfach durch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert