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Gesamtschule Ratheim: Der erste Schultag für alle

Von: Norbert F. Schuldei
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Artisten der Pepperoni-Zirkus-
Artisten der Pepperoni-Zirkus-AG des Gymnasiums Hückelhoven lockerten die Feierstunde anlässlich des ersten Schultages an der neuen Gesamtschule im Schulzentrum Ratheim auf. Natürlich wurden auch Reden gehalten, das gehört einfach auch dazu. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Ratheim. Vom Gezänk und Gezerre, das die Gesamtschule Hückelhoven lange Zeit begleitet hat, war Mittwochnachmittag nichts, aber auch gar nichts zu spüren: Da saßen 120 Mädchen und Jungen zusammen mit ihren Eltern vor der Bühne in dem lichtdurchfluteten Forum der bisherigen Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Hauptschule und warteten gespannt darauf, was da auf sie zukommen würde.

Es war schließlich ihr erster Schultag an der neuen Gesamtschule Hückelhoven, die noch keinen „richtigen” Namen hat.

„Ihr seid die Pioniere, also Wegbereiter an dieser Schule”, sagte Georg Schiefelbein. Dem bisherigen Leiter der Hauptschule im fein aufgeputzen Schulzentrum Ratheim war es als kommissarischer Leiter - zusammen mit Frank Bourguignon, der aus Alsdorf an die für Hückelhoven neue Schulform kommt - vorbehalten, den Schulneulingen ein wenig das Fremdeln zu nehmen, das man ja allem Unbekannten und Neuem entgegenbringt.

Schiefelbein versprach, er und seine Kollegen im Kollegium wollten von heute an ein Lernklima schaffen werden, in dem Lust auf Leistung vermittelt würde („von den baulichen Voraussetzungen und der personellen Besetzung her haben wir hier dafür die besten Voraussetzungen”); in dem Kinder Fehler machen dürfen ( „man muss Fehler machen, um aus ihnen lernen zu können”) und wo man eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens schaffen wolle („das heißt nicht Friede, Freude, Eierkuchen - Konflikte wird es immer geben, aber wir wollen sie friedlich lösen”).

Schiefelbein streifte kurz das Charakteristische einer Gesamtschule: Hier lernen und arbeiten Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und mit verschiedenen sozialen Hintergründen gemeinsam miteinander und auch voneinander. „Es ist normal, verschieden zu sein”, zitierte Schiefelbein den Alt-Bundespräsidenten von Weizsäcker, der seiner bisherigen Schule den Namen gab.

Es ginge im Prinzip darum, nicht die Konkurrenz in den Vordergrund zu stellen, sondern das gemeinsame Ziel. „Bringen Sie sich in die Schule ein, machen Sie den Kindern Mut auf dem Weg in die Selbstständigkeit”, appellierte Schiefelbein an die Eltern der Schulneulinge.

Für die hatten ihre neuen Lehrer ein kleines Programm zusammen gestellt und dabei auf die Pepperoni-Truppe des Hückelhovener Gymnasiums zurück gegriffen. Als die Bälle wie von Zauberhand geführt durch die Luft flogen und die Artisten ihre Kunststücke vorführten hielt es die gerade aus dem Grundschulalter entwachsenen Kinder nicht mehr auf den Stühlen - der Bewegungsdrang suchte sich seinen Raum. Als Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen dann hinter das Rednerpult trat, gings flugs zurück auf die Stühle.

Jansen stellte eine Anekdote an den Anfang, um seine Ansprache etwas aufzulockern: Eine alte Dame schnallt sich vor dem Start in ihrem Sitz im Flugzeug an, guckt sich ängstlich um, hat die Schweißperlen schon auf der Stirn stehen. Die Stewardess (Jansen spricht das sehr rheinisch „Schtuardäss” aus) kommt und fragt „Alles in Ordnung” „Ja”, sagt die Dame, „nur: es ist mein erster Flug”. „Machen Sie sich keine Sorge” sagt die Stewardess. „Für unseren Piloten auch.” Jansen wollte damit verdeutlichen, dass alle Beteiligten mit dem Schulbeginn der Gesamtschule Hückelhoven Neuland betreten: „Es ist der erste Schultag für uns alle”, sagte er.

Natürlich erinnerte er daran, dass es einige Jahre gedauert hat, bis die Entscheidung im politischen Raum für die Einrichtung einer zweiten Gesamtschule im Nordkreis Heinsberg gereift war: „Es war uns wichtig, dass neben einer Gesamtschule alle anderen weiterführenden Schulformen in Hückelhoven Bestand haben würden.” Das sei mit dem Schulentwicklungsplan, den der Kreis vor gut einem Jahr vorgelegt hatte, sozusagen schwarz auf weiß versichert worden. „Die Geburten sind auch in den nächsten Jahren stabil”, sagte der Bürgermeister.

Interessant ist natürlich auch, was bei solchen Anlässen von den Offiziellen nicht gesagt wird. So verlor Jansen kein Wort darüber, dass die Anmeldezahlen für die beiden Hauptschulen im Stadtgebiet dramatisch zurück gehen.

Diese Schulform, so hat es kommissarische Leiter der neuen Gesamtschule im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, werde „von den Eltern einfach nicht mehr angenommen”. Die Stadt Hückelhoven allerdings hat in ihrem ambitionierten Schulbauprogramm schon viel Geld sowohl in die Hauptschule In der Schlee als auch in das Schulzentrum in Ratheim gesteckt.

Mit der Einrichtung der Gesamtschule braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen, dass nicht genügend Schüler für die schönen neuen Schulen (Jansen sprach am Mittwoch von „20 Millionen”, die man bisher in das Schulzentrum Ratheim investiert habe): Für die Gesamtschule gab es weit mehr Anmeldungen als die 120, die man im ersten Jahr aufnehmen kann. Die werden auf vier Klassen verteilt. Und das neue Kollegium hat sich dafür die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde als Symbole ausgedacht. Jedes für sich bietet ein weites Feld...
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