Gelungener Auftakt in die Theatersaison

Von: hl
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Erkelenz. Nicht enden wollender Beifall, ein glänzend aufgelegtes Ensemble, eine bewegende Geschichte, eine volle Stadthalle: Besser hätte der Start der Kultur GmbH Erkelenz in die Theatersaison 2012/2013 kaum sein können.

Das Landestheater im Kreis Wesel, die Burghofbühne Dinslaken, gastierte mit „Hotel zu den zwei Welten” von Eric-Emmanuel Schmitt.

Der Autor, 1960 geboren, hat an der Elitehochschule École Normale Supérieur studiert. Er ist promovierter Philosoph, Theaterautor und Regisseur und mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Seine Werke wurden an die 1000 mal aufgeführt. Er präsentiert mit „Hotel zu den zwei Welten” ein Stück, das an die „Geschlossene Gesellschaft” von Sartre erinnert, aber inhaltlich und thematisch doch ganz eigene Wege geht. Dieses Hotel ist nicht etwa eine Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit, sondern ein Ort zwischen Leben und Tod, an dem sich Koma-Patienten treffen auf dem Weg entweder ins Leben zurück oder in den Tod.

Befreit von allem Irdischen, werden die Charaktere der einzelnen „Insassen” klar und ihre Ansichten zu Fragen, die alle Menschen bewegen, etwa: „Was kommt nach dem Tod? Kommt überhaupt etwas? Welche Rolle spielt Gott in dem ganzen Geschehen - wenn es ihn denn überhaupt geben sollte?” Auch Einstellungen zum Leben und seiner Bewältigung werden deutlich: Das Leben ist eine lächerliche Party; nur Dummköpfe ändern ihre Ansichten nicht; die Möglichkeiten der und zur Freiheit entziehen sich allen Berechnungen; ein großes Glück besteht aus ganz kleinen Dingen.

Julien Portal (Christian Furrer), eingeliefert ins „Hotel” nach einem schweren Unfall, ist der absolute Pessimist, der dem Leben nichts abgewinnen kann und der erst durch die Liebe zu Laura (Lara Christine Schmidt), die in ihrer Kindheit immer krank war und nun vor Lebensfreude übersprüht, entdeckt, dass das Leben lebenswert ist. Der Magier Radschapur (Carsten Caniglia), nach dem Tod seiner Tochter zum Menschenfreund geworden, spürt in der Wahrsagerei auch seinem eigenen Schicksal nach.

Der rätselhafte Doktor S (Bettina Schönenberg) teilt den „Gästen” des Hotels den Stand ihrer Körper auf der Erde mit und führt sie auch zum Aufzug, der anzeigt, wohin die Reise nun geht: entweder nach oben ins Jenseits oder doch wieder zurück zur Erde. Präsident Delbec (Wilfried Szubries) hat nur Ansehen und Vermögen im Kopf und will seine Söhne enterben.

Marie Martin (Christiane Wilke), die junge Putzfrau, die ihr ganzes Leben, das es nicht gut mit ihr gemeint hat, schwer arbeiten musste, wünscht sich nach dem Tod einen Garten mit Blumen und Bäumen. Marko Pickart Alvaro braucht als eine Art Portier und Fahrstuhlführer kein Wort zu sprechen und wird von Delbec und Radschapur mal als Raphael, mal als Gabriel tituliert.

Alle Schauspieler gaben ihren Rollen eine außerordentliche Intensität. Sie überzeugten bei komödiantischen Einschüben, aber auch in Szenen, bei denen man die berühmte Stecknadel fallen hörte und Ansätze zum Lachen im Halse stecken blieben.
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