Geheimnis und Sünde stecken in jeder dieser Holzskulpturen

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
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Kleine Skulptur, großes Interesse: Die Vernissage der neuen Ausstellung im Heinsberger Begas-Haus war gut besucht. Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen, führte wortgewandt ins Thema ein.
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Ben Berger aus Gangelt fasziniert „Das Geheimnis“ im Ei. „Alles mit der Hand gemacht“, staunt er. Foto: mib
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Aus einem Holz: Der Gangelter Künstler Andreas Joerißen haut seine Skulpturen aus Eichenholz heraus. Diese heißt „Think self“.

Kreis Heinsberg. Klack, klack, klack – ping! Schreibmaschinengeräusche. Neben Holzskulpturen. Das ist wieder so eine typische Idee von Andreas Joerißen. Statt eines gebundenen Gästebuches nebst Stift, stellt der Gangelter Bildhauer eine Schreibmaschine hin, damit die Besucher des Begas-Hauses ihre Eindrücke von der Ausstellung hinterlassen können. Der Mann ist eben Handwerker. Er mag es ursprünglich, handfest. So wie seine Arbeit mit dem Werkstoff Holz.

Seit Sonntag sind im Museum für Kunst und Regionalgeschichte Heinsberg einige seiner Werke in einer Wechselausstellung zu sehen. Sie trägt den Titel „Der Mensch, das Geheimnis und die Sünde“. Es ist die erste reine Skulpturenausstellung im Begas-Haus, sagt Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann etwas stolz. Dafür ist auch der „Vogelbote“, die holzgewordene Hommage an Hieronymus Bosch, die einige Zeit als Leihgabe im Eingangsbereich des Museums stand, ins obere Stockwerk gezogen.

„Das ist doch Kunst!“ Die Worte sprudeln ganz spontan aus Ben Berger heraus. Der kleine Gangelter mit der wilden Frisur ist zwar erst zehn Jahre alt, aber er ahnt schon, dass es etwas ganz Besonderes ist, was er da sieht: jede Skulptur aus nur einem Stück Holz herausgehauen. Die pralle, „sündige“ Erdbeere kann gar nicht vom Sockel purzeln, weil Sockel und Beere eins sind.

Das hat Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwig-Galerie Oberhausen, in ihrer lebendigen Einführung soeben erklärt. „Ich finde es Wahnsinn. Die ganze Arbeit!“ Ben fasziniert vor allem „Das Geheimnis“, ein skurriles, zweibeiniges Schnabelwesen, ebenfalls inspiriert von Bosch, das aus einem Ei blickt, und „Sir G. Brexit“ mit seiner goldenen Hörnerhaube und dem Stachelhalsband.

Der ist auch von hinten spektakulär, raubtierartig. Kunsthistorikerin Christine Vogt empfiehlt sowieso, die Skulpturen zu umrunden, was angesichts der drallen Enge bei der Vernissage ein Kunststück ist. Joerißens Kunstwerke biete in allen Dimensionen, mit vielen filigranen Details vielfältige Interpretationsspielräume, politische, lustvolle, menschliche, sagt sie. Inspiriert von Gemälden von Hieronymus Bosch, Francis Bacon oder Franz Raziwill hat er Zweidimensionales, dreidimensional werden lassen und eigene Geschöpfe erschaffen.

Dr. Rita Müllejans-Dickmann erklärt zur Sicherheit den jüngeren Besuchern die Funktion des Gerätes am Ausgang noch einmal: Tasten kräftig nach unten drücken, so erscheinen ganz unmittelbar Buchstaben auf dem Papier. Wie das geht, wissen aber dann doch noch viele. Am Ende steht dort trotz fehlender Autokorrektur mit nur wenigen Tippfehlern: „Bravo“ und „Mit jedem Blick steigt die Faszination“ und „In jedem Stück steckt ein Geheimnis und bestimmt auch ein Stück Sünde“. Klack, klack, klack – ping!

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