Gedenktafel gegen das Vergessen

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Andreas Koerfer, Dominik Mercks, Christoph Stolzenberger und Benjamin Koerfer (v.li.) zeigen die zweite Gedenktafel. Foto: Strickstrock

Erkelenz. Eine weitere Gedenktafel gegen das Vergessen an ein düsteres Kapitel der Stadt wird jetzt am Haus Spiess die Menschen mahnen.

Sie wurde vom Arbeitskreis „Route gegen das Vergessen” des Heimatvereins der Erkelenzer Lande vorgestellt. Christoph Stolzenberger, Dominik Mercks, Andreas und Benjamin Koerfer markierten die Stelle am Eingang zum Anwesen, wo in dieser Woche der Bauhof die endgültige Befestigung vornimmt.

Die Vorstellung der Tafel war gleichzeitig auch die Gelegenheit für die drei Studenten, in einem Vortrag das Thema „Von der Demokratie zur Diktatur, Weimarer Republik und Gleichschaltung im Erkelenzer Land” zu beleuchten. Die drei jungen Erkelenzer hatten ausführlich über die Parteienlandschaft in den 1920er Jahren, die Entwicklung der NSDAP, kommunale Wahlergebnisse und Einzelheiten von der Machtergreifung bis zur Gleichschaltung sowohl im Reich als auch im Kreis und in der Stadt Erkelenz recherchiert und belegten das mit eindrucksvollen Zahlen.

So erfuhren die zahlreichen Besucher auch, dass in Erkelenz das Zentrum viele Jahre, auch noch nach 1933, stärkste Kraft in Erkelenz gewesen ist, die NSDAP 1928 erstmals hier auftauchte, die SPD weniger Erfolge als die KPD aufweisen konnte und andere Parteien eigentlich bedeutungslos blieben.

Es gab aber schon 1929 Saalschlachten in Erkelenz zwischen KPD- und NSDAP-Anhängern, eine besondere Rolle bei den Nazis spielte Curt Horst, 1931 hier Kreisleiter. Namen, die auch bei Straßen in der Stadt an damalige Persönlichkeiten erinnern wie Dr. Josef Hahn, Reinhold Klügel und Adam Stegerwald, allesamt politisch gegen die aufkommende Gewaltherrschaft der „Führerpartei” tätig, wurden in Erinnerung gerufen. Aber auch die Tatsache, dass in der Stadt eigentlich nie ein wirklicher und starker Widerstand gegen die braune Willkürherrschaft bestand.

Wie sehr allerdings die Menschen in dieser Region der christlich sozialkonservativen Grundhaltung verhaftet waren, zeigt die Tatsache, dass selbst bei den Wahlen im März 1933, also nach der Machtergreifung, das Zentrum im Stadtrat noch 49 Prozent der Stimmen erhielt, die NSDAP bei 28 Prozent lag, im Kreistag allerdings schon 32 Prozent besaß. Im Juli 1933 kam es dann zur Selbstauflösung des Zentrums.
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