„Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht”

Von: Bodo Strickstrock
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven. „Die silberne Ära” der Operette Anfang des 20. Jahrhunderts ist zweifellos passé. Totgesagt zu sein, weil längst vom Broadway stammenden Musical verdrängt, ist allerdings ein Irrtum. Die leichtgängige Musik dieser Gattung musikalischer Bühnenwerke mit auch heute noch bekannten Melodien ist vor allem bei der älteren Generation ungebrochen beliebt.

Das gilt auch für die 1914 von den Librettisten Leo Stein und Bela Jenbach mit dem Komponisten Emmerich Kálmán begonnenen „Csárdásfürstin”, die ursprünglich „Es lebe die Liebe” heißen sollte und deren Hauptperson, die rumänische Sängerin Sylvia Varescu, zur Ungarin mutierte.

Die ins Ohr gehenden Melodien wie „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht”, „Tanzen möchte ich”, „Die Mädis vom Chantant” oder „Machen wir´s den Schwalben nach” sind heute noch weit bekannt.Und diesem Genre ist seit vielen Jahren das Tourneetheater Erich Schmidtke aus Wien verbunden, das jetzt in der Aula Hückelhoven unter der Regie von Adi Straßmayr gastierte. Der hatte auf eine moderne Inszenierung verzichtet und blieb weitgehend werkgetreu.

Tatsächlich war fast nur die ältere Generation in der Aula vertreten, die aber nicht nur starken Szenen- sondern auch lang anhaltenden Schlussbeifall spendete. Besonders Tom Reisinger in der Rolle des Boni (Bonifazio) und Anita Tauber als Stasi (Anastasia) spielten sich in die Herzen des Hückelhovener Publikums.

Den musikalischen Part meisterte die in Polen geborene Komponistin, Juristin, Pianistin und Dirigentin Arienne Dorothea Agnoletto mit dem 21 Personen starken Orchester temperamentvoll.

Stimmlich die Aula gefüllt

Die Rolle der erfolgreichen Chanconniere Sylvia Varescu verkörperte die Witwe des verstorbenen Gründers der „Johann-Strauß-Operette-Wien” und heutige Leiterin de Ensembles, Evelyn Lennert, selbst, die stimmlich die Aula durchaus füllte.

Einigen Pfeffer brachte die Showeinlage von Manuela Miebach als Ehefrau Anhilte des Fürsten im dritten Akt nach ihrer Enttarnung als Provinzmadonna.

Die Handlung ist kurz erzählt. „Die erfolgreiche Sängerin bereitet eine Amerikatournee vor, davon soll sie durch einen Heiratsantrag abgehalten werden, der wieder verhindert werden muss, es gibt schon im ersten Akt etliche Verwirrungen.

Wenig später steht eine Verlobung an. Plötzlich erscheint die angeblich in Amerika Weilende auf der Bildfläche und die Missverständnisse nehmen zunächst zu, klären sich dann aber im letzten Akt nach etlichen Turbulenzen. Alle finden ihr Glück und es kann geheiratet werden.”

Bei den Vorstellungen können nicht beliebig viele Darsteller mitreisen. So mussten besonders einige Damen in sehr unterschiedlicher Kleidung ihre Parts bestreiten. Die neuesten Kritiken der Aufführungen des Tourneetheater zur „Csárdásfürstin” sind allerdings sehr unterschiedlich. Wenn man jedoch weiß, dass jeweils zwei Besetzungen quer durch die Republik und zum Beispiel im Januar 2011 an allen 31 Tagen unterwegs sind und keinen Staatsopernauftritt erwartet, wurde man nicht enttäuscht.

Und auf dem Nachhauseweg antwortete eine Zuschauerin auf die Frage ihrer Begleitung: „Wie war„s?” nur einfach: „Schön” - und traf damit sicherlich die Zustimmung vieler Besucher des Abends.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert