Ganz am Ende geht´s mächtig zur Sache

Von: Dettmar Fischer
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„Gib Gummi bis die Felge kreischt”: das Motto beim Burnen, einer bei Bikern sehr beliebten Art der Altreifenentsorgung. Foto: defi

Heinsberg-Karken. Die Motorsportfreunde Karken laden alljährlich alle Bikerfreunde zu einer großen Party ein. MSF Karken nennt sich die 30 Mann starke Truppe kurz, und sie steht knapp vor ihrem 20-jährigen Jubiläum. Logische Schlussfolgerung: In diesem Jahr wurde die 19. MSF-Party gefeiert.

Karken „End”, „End” heißt der Straßenzug, weil er ganz am Ende von Karken liegt, knapp vor der niederländischen Grenze. „End” ist aber noch nicht abgelegen genug für eine Biker-Party, laute Livemusik gehört einfach dazu. Die lieferte im letzten Jahr die Band „Böckem” und, da die Band einfach super beim Publikum ankam, in diesem Jahr wieder.

Vom „End” gelangt der Partygast über asphaltierte Feldwege weiter in Richtung Niederlande zum Festivalgelände. Abgelegener geht es in unserer dicht besiedelten Region nicht mehr. Und so hat sich auch seit der Umzug vom alten Veranstaltungsgelände, das noch zu nah am holländischen Vlodrop lag, kein Anwohner mehr beschwert - es gibt halt einfach keine dort draußen.

Eine kleine Brücke am alten Klärwerk bildet den Zugang zum Festplatz. Rapper, dieser Schriftzug ist auf seinem T-Shirt zu lesen, steht an der kleinen Brücke, hält in der rechten Hand ein Tablett mit vielen kleinen, randgefüllten Schnapsgläschen. Mit der linken serviert er einen Teller voller Blutwurststücken und einem Schälchen Senf.

Diesen Willkommensgruß bieten die Motorsportfreunde jedem an, der vorbei kommt, und jeder ist willkommen. Nicht nur Biker in passender Kluft bekommen den Gruß, auch die Radfahrerin, die eigentlich gar nicht zur Party will, lässt sich das Schnäpschen munden.

David Backes ist einer der Organisatoren dieser Biker-Party und legt wie seine Mitstreiter größten Wert darauf, dass diese Party keine geschlossene Gesellschaft von Motorradfahrern ist.

Backes freut sich auch über den 80-Jährigen, der aus Effeld abends mit seinem Rad rüber kommt und sein Bierchen an der Theke in illustrer Gesellschaft trinkt. „Hier an unserer Zelttheke”, sagt David Backes, „stehen alle zusammen, der Anwalt neben dem schwer tätowierten Rocker.”

Die Motorsportfreunde Karken sind stolz darauf, dass es in den ganzen Jahren keine Ausschreitungen gab und das bei ein paar hundert Besuchern pro Party. Der Eintritt war wie gewohnt frei.

Gleich hinter der Brücke hatten die Biker ihre Maschinen abgestellt, eine beeindruckende PS-Strecke. Auf der großen Wiese dahinter hatten sich schon Tage vorher die ersten Übernachtungsgäste einquartiert.

Traditionell steht am Freitag eine Ausfahrt auf dem Programm. Die Biker von weiter her sollen sehen, was Karken und Umgebung so zu bieten hat. Größere Bikergruppen kommen jährlich aus dem Ruhrgebiet, dem Raum Stuttgart, Düren und vom Niederrhein.

Gegen Abend werden die Lagerfeuer angefeuert und der Grill vorgeheizt. DJ Schmatz und Stefan Beiten legen die passenden Scheiben auf. Am Samstagmorgen gibt es im Zelt Frühstück für alle. Bis zum Hauptact der Party, dem Live-Konzert am Abend, bleibt Zeit zum Klönen.

Geschicklichkeitsspiele wie Tauziehen, Treckerradrollen oder das Tauchen im Planschbecken nach kleinen Schnapsfläschchen bringen Stimmung unters Volk. Einige Biker tun das Ihrige hinzu beim burn-out.

Beim Burnen wird das Vorderrad des Motorrads mit der Bremse blockiert und dann Gas gegeben, das Hinterrad dreht durch und beginnt auf dem Asphalt zu qualmen. „Geizige” Burner nehmen an diesem Punkt das Gas weg. Noch schöner ist es aber, wenn Motorrad und Fahrer komplett im Gumminebel verschwinden und das Hinterrad runter bis auf die Felgen in Fetzen geht.

Strommast wird angezapft

Wenn dann die Band auftritt, haben die 30 Motorsportfreunde aus Karken schon eine arbeitsreiche Woche hinter sich. Das abgemähte Feld, das die Bauernfamilie Frank Königs zur Verfügung stellt, musste mit Bühne und Zelten bestückt werden. Für den Strom sorgt ein alter Strommast an der Kläranlage, der die Lichterketten zum funkeln bringt.

In der heißen Phase der Party müssen auch die Mädels der MSF-Truppe ran, insgesamt sind 45 Personen im Einsatz. Wenn nach einem gemeinsamen Zeltgottesdienst und Frühstück die Party langsam ausklingt, der letzte Biker seinen Schlafsack eingerollt hat, ist zwar die 19. MSF-Party vorbei.

Doch für die Veranstalter endet die Arbeit noch lange nicht. David Backes und Co. räumen dann noch zwei Tage das Partygelände auf, bis das Feld wieder picobello ist. Bauer Königs soll zufrieden sein und ist es wohl auch.

Denn für das Jubiläum im kommenden Jahr, hat er versprochen, eine zweite Fläche bereit zu stellen, will extra auf die Maiseinsaat dort verzichten. Die Motorsportfreunde planen Großes. Ein 2000 Quadratmeter überspannendes Zirkuszelt wollen sie für die Jubiläumsparty aufschlagen, mit integrierter Bühne, Livemusik, viel guter Laune und einer der längsten Theken der Region unter einem Dach.
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