Aachen/Gangelt - Gangelter erhält Otto-Junker-Preis für Studienabschluss

Gangelter erhält Otto-Junker-Preis für Studienabschluss

Von: Kristina Toussaint
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Michael Laumen vor dem Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe. Foto: K. Toussaint

Aachen/Gangelt. Ein bodenständiger Überflieger: so kontrovers diese Beschreibung klingt, so gut trifft sie auf Michael Laumen zu. Allerdings klingt sie nicht besonders positiv. Deshalb vielleicht lieber: Einer der aktuell besten Absolventen seines Studiengangs, Firmenmitbegründer, Doktorand, ehrenamtlich Engagierter – und dabei Gangelter aus Leidenschaft.

Der 26-Jährige erhält im November den Otto-Junker-Preis für hervorragende Studienleistungen. Seinen Master an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RWTH, Vertiefungsrichtung Energietechnik, hat Laumen mit der Note 1,0, also mit Auszeichnung, abgeschlossen.

Große Chancen

Aktuell forscht er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Leistungselektronik – die ist verantwortlich für das Bindeglied zwischen einer Batterie und einem Antrieb, wie zum Beispiel beim Elektroauto oder beim Ladeteil des Handys.

Für sein späteres Berufsleben bedeutet das: hervorragende Chancen in der Branche der E-Mobilität. Doch es zieht ihn nicht nach Süddeutschland, wo viele große Firmen ihren Sitz haben. Was bei der Berufswahl vorgehen wird, ist der Faktor Heimat: Früher oder später will Laumen in Schierwaldenrath, wo er aufgewachsen ist und bis vor kurzem im elterlichen Haus gewohnt hat, ein eigenes Haus bauen.

Sein früh erblühtes Interesse an der Technik hat er seinem Vater zu verdanken: Im heimischen Bastelkeller schraubte der Signalelektroniker mit seinem Sohn an allen möglichen Geräten herum. „Im Kindergarten habe ich dann schon das erste Mal gesagt, dass ich E-Techniker werden will“, erzählt Laumen schmunzelnd.

Elektronik-AG in der Grundschule, Mathe- und Physik-Leistungskurse, dann Bachelor- und Masterstudium der Elektrotechnik, gleichzeitige Arbeit am Institut als studentische Hilfskraft, nun Doktorand – ziemlich zielstrebig hat Laumen den Kindergartenplan verfolgt. Ob es auch mal Stolpersteine gab, Momente des Zweifels oder gar der Verzweiflung? „Mit Klausuren habe ich eigentlich meist wenig Probleme gehabt.“ Allerdings habe er auch von Beginn an mit seiner Lerngruppe extrem viel gelernt. Zeit für große Urlaube blieb deshalb im Studium nicht.

„Und es gibt natürlich auch immer Sachen, die einem nicht so liegen.“ Ein kurzes Tief gab es bei der gefürchteten „Höheren Mathematik II“. Nach dem Bachelorabschluss hat Laumen im Master mit der Vertiefung Energietechnik dann genau das gefunden, was er machen wollte. In seiner Masterarbeit beschäftige sich der Elektrotechniker mit dem Aspekt der Temperatur, die Einfluss auf die Leistungselektronik und die ermittelten Messwerte am Prüfstand hat. Seine zweite Veröffentlichung zu dem Thema führt ihn im Dezember auf eine Konferenz nach Hawaii.

Die Promotion ermöglicht es ihm, noch eine Weile länger an der Universität zu bleiben und vor allem selbst zu forschen. „Man wird nicht wie in der Wirtschaft auf einen Bereich gesetzt, sondern beschäftigt sich selbst mit allen Gebieten, die mit einem Thema zu tun haben.“ Von der Planung des Gehäuses und dem Löten der Platine bis zum Programmieren der benötigten Software sei man für alle Schritte selbst verantwortlich. „Es ist schön, nicht nur am Computer herumzuklicken, sondern dann auch selbst ins Labor zu gehen und zu probieren, messen und reparieren.“

Als Doktorand kommen zudem noch Lehrpflichten hinzu: Laumen plant Prüfungen, stellt und korrigiert Aufgaben. Außerdem betreut er Studierende bei ihren Abschlussarbeiten. Eine weiterführende Karriere an der Uni, ohne zuvor in die Wirtschaft zu gehen, kommt aber nicht infrage, sagt Laumen. In der E-Mobilität gebe es zwar aktuell sehr viele Projekte aufgrund der verfügbaren Förderung, man sei jedoch auch sehr kostengetrieben und habe wenig Freiheiten.

Laumen findet hingegen den Bahn-Sektor spannend: „Da kann man sich oft für die schönere Lösung entscheiden, weil der Kostendruck geringer ist.“ Aber der wichtigste Faktor bei der Berufswahl ist für ihn ja sowieso der Standort: Hier in der Region gebe es schon einige kleinere Unternehmen. Und außerdem hat Laumen auch schon Erfahrung mit der Firmengründung gemacht: Im Studium holten ihn Kommilitonen für die Softwareprogrammierung ins Boot, als sie das E-Bike-Verleihsystem „Velocity“ gründeten.

Seine Schulfreunde können die Begeisterung für Schierwaldenrath größtenteils nicht so ganz nachvollziehen: die meisten sind aus dem kleinen 600-Seelen-Ort weggegangen, und für den Job bis nach Hamburg oder immerhin Neuss oder Erkelenz gezogen. Eine kann seine Heimatverbundenheit jedoch glücklicherweise teilen: Laumens Freundin stammt ebenfalls aus Gangelt und wohnt, auch wenn sie unter der Woche noch in Siegen studiert, mit ihm in Langbroich.

Auf Dauer soll es aber der Nachbar- und gemeinsame Heimatort Schierwaldenrath sein: „Das ist so ein schöner, ruhiger Ort, man kennt jeden und trifft sich auf der Kirmes und Dorffesten“, schwärmt Laumen. Außerdem sei die Umgebung perfekt für Kinder. „In der Stadt schickt man seine Kinder ja nicht einfach auf die Straße zum Spielen – bei uns kann man problemlos mit dem Fußball auf die Straße gehen.“

Woran sein Herz außerdem hängt, ist das Vereinsleben. Seit Laumen 13 ist, ist er Teil der Freiwilligen Feuerwehr. Manchmal rückt er nachts und am Wochenende zu Einsätzen aus. „Ab und an haben wir einen Scheunen- oder Strohballenbrand, aber zum Glück fast nie einen Personenschaden.“ Eine weitere Leidenschaft: die Musik. Seit etwa 15 Jahren spielt er Saxofon im Musikverein – bei Kirmes und Schützenfest, aber auch auf Konzerten und in der Christmette am Heiligen Abend.

Und wenn es die alten Freunde dann doch mal wieder in die Gangelter Heimat verschlägt, unternimmt Laumen mit ihnen gern mehrtägige Radtouren mit dem Zelt im Gepäck.

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