Heinsberg-Waldenrath - Für Scholz-Orgel per Fahrrad aus Maastricht angereist

Für Scholz-Orgel per Fahrrad aus Maastricht angereist

Von: sche
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Heinsberg-Waldenrath. Der Besucher ahnt meistens nicht, wie aufwändig Vorbereitungen für ein Konzert sind. Im Falle des Euregio-Orgelkonzertes Maas-Rijn kam der Organist mit dem Fahrrad aus Maastricht, um die Scholz-Orgel in Waldenrath kennen zu lernen.

Stundenlang wurden von Haus zu Haus Handzettel verteilt. Immerhin war das Waldenrather Konzert besser besucht als das in Heinsberg. Offenes Geheimnis ist es, dass Künstler oft „arme Schlucker” sind, die sich zum Beispiel kein Auto leisten können. Trotzdem gehören sie zur ersten Gilde. Ton Reijnaerdts (55) zählt nicht zu den Begüterten, obwohl er auf seinem Gebiet eine echte Kapazität ist, der auch sehr genau zu gewichten versteht. Er lieferte ein „astreines”, von großem Können geprägtes Konzert ab, dass lange begeistert beklatscht wurde, und, was sonst nicht üblich ist, dem Organisten einen großen Blumenstrauß einbrachte.

Gradmesser für das Niveau war wie so häufig Bach, obwohl die beiden Präludien mit Fugen in C bzw. G-Dur nicht zu den „reißerischsten” gehören. Namentlich das zweite hat „arkadische Idyllen” bzw. mozartischen Geist inne. Beide verbindet große Einheitlichkeit. Wenn mit Bach eingeleitet und „postludiert” wird, kennzeichnet das den Charakter. Der Vergleich mit einem Bild tut sich auf, wo der Rahmen kostbarer erscheint als der Inhalt.

Keine Leichtgewichte

Obwohl keine Leichtgewichte, sind Buxtehude und Co. im Verhältnis zu Bach nur kleinere Fische, so sehr gerade Bach den Lübecker verehrt hat. Heute muss man dankbar sein, wenn er im Programm überhaupt auftaucht. Die Choralfantasie bzw. der Orgelchoral sind nicht unbedingt so repräsentativ wie seine groß angelegten Präludien und Kantaten. Fantasiereichtum und detaillierte Ausarbeitungen sind für das Haupt der Norddeutschen stets typisch, und der große Bach machte sich nicht umsonst auf den strapaziösen Weg zu ihm.

Bedeutendster süddeutscher Komponist seiner Zeit könnte sich der Franzose Georg Muffat nennen, indem er italienische, französische und deutsche Stilelemente verband. Seine Orgelwerke waren berühmt. Heute kräht kaum noch ein Hahn danach.

Carl Philipp Emanuel Bach war der zweite Sohn und wurde vom Vater selbst unterrichtet. Als Nachfolger Telemanns errang er später einen größeren Bekanntheitsgrad als Johann Sebastian. Seine „empfindsame” Sonate VI in a-Moll war dann auch eher war fürs Cembalo. Von besonderem Reiz war die Paarung Frescobaldi - de Cabanilles. Der Italiener wurde der erste Großmeister der Orgel, von dem allerdings nur wenige Werke überliefert wurden. Der Organist am Petersdom verfügte über eine selten große Ausstrahlung in ganz Europa, in deren Einfluss auch der Spanier Juan de Cabanilles geriet und an den er sich anlehnte. Von ihm sind mehrere Tientos überliefert. Dabei handelt es sich um ein dem Ricerar (Vorform der Fuge) verwandtes spanisches Orgelstück.

Das Konzert stellte also auch einen Kurzgang durch die Orgelgeschichte dar.

Wenn wir uns ein kritisches Wort erlauben dürfen, dann zur Programmzusammensetzung. Wer an einem heißen Sommerabend einem Orgelkonzert beiwohnt, hat den Wunsch, nicht nur geistig-geistlich gefordert zu werden.

Er braucht auch etwas fürs Gemüt, und, wenn man so will, auch zur Entspannung.
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