Fünf Mäuschen trippeln leise über das Klavier

Von: Dettmar Fischer
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Die weißen und die schwarzen Tasten des Klaviers, die schwarzen im Zweier- und Dreierpack, das reicht dann von der einen bis zur anderen Seite der Tastatur. „Wenn wir mehr wollen”, erklärt Jugendmusikschullehrerin Helena Hahn der achtjährigen Lena, „dann müssen wir neue kaufen.” Wer will das schon? Foto: defi

Heinsberg. Lea ist acht Jahre alt und spielt seit zwei Jahren Blockflöte; Schwesterchen Lisa ist drei Jahre alt, also okey - genau genommen dreieinhalb: Lisa kann aber auf jeden Fall alles, was ihre große Schwester Lea kann - vielleicht sogar Klavier spielen?

Der Tag der Offenen Tür der Jugendmusikschule Heinsberg in der Realschule der Kreisstadt sollte neue Erkenntnisse zur musikalischen Weiterentwicklung der jungen Blockflötistin Lea bringen. Mit Schwesterchen Lisa im Schlepptau und Mama Erdweg ging´s auf die Instrumentenrallye, die die Jugendmusikschule für die Kinder, die ihre musikalische Früherziehung hinter sich haben und sich nun für ein Instrument entscheiden wollen, eingerichtet hatte. Jedes Kind kann mal ausprobieren wie Klavier, Trompete, Gitarre, Querflöte und Co. so klingen.

Jugendmusikschulleiter Theo Krings hat ein heiden Geld, mehrere 10000 Euro an Sponsorengeldern, locker gemacht, um für jedes Kinderalter das Instrument in der richtigen Größe anzuschaffen. Wenn es allerdings nach Lisa gegangen wäre, hätte Herr Krings sich das ganze Geld sparen können, denn Lisa spielt natürlich am liebsten die große Querflöte, die Schwester Lea gerade ausprobiert hat.

Die Trompete ausprobiert

Herr Krings schmeißt natürlich kein Geld zum Fenster raus, der erfahrene Musikpädagoge weiß genau, welches Kind auf welchem Instrument die ersten Töne herausbringen kann. Jonas und Elias sind Brüder, sieben und fünf Jahre alt, und wollen es mal mit der Trompete versuchen. Theo Krings hat für die beiden die „doppelt gewickelte” Kindertrompete parat - klingt seltsam der Name, nicht das Instrument. Doch die „doppelt gewickelte” Trompete wurde tatsächlich mit der gleichen Rohrlänge gebaut wie die für die Großen, nur ist das Rohr einmal mehr gedreht also das Instrument nur halb so lang wie eine normale Trompete. Somit kippt der kleine Trompeter nicht nach vorne über, wenn ihm das Instrument mal zu schwer wird.

Jonas und Elias ist der Stolz ins Gesicht geschrieben, als ihren Trompeten die ersten Töne entweichen. „So mit den Lippen pff, pff machen”, erklärt Theo Krings, „damit sie schön feucht werden, dann geht es besser.” Der siebenjährige Jonas darf dann sogar mal die ersten Trööter auf dem großen Horn versuchen und ist erfolgreich. „Geht sogar leichter als auf der Trompete”, stellt das junge Talent freudestrahlend fest. Mama und Papa sind auch voll zufrieden, nur der kleine Elias sieht die Welt noch nicht in der rechten Ordnung: Warum darf der unbedeutend größere Bruder ins Horn tuten und er nicht? Theo Krings weiß natürlich, dass das große Horn für den kleinen Fünfjährigen zu schwer ist, hat aber leider das „vierfach gewickelte” Kinderhorn nicht zur Hand.

Beim Klavier angekommen

Lisa und Lea sind bei ihrer Instrumentenrallye inzwischen beim Klavier angekommen. Klavierlehrerin Helena Hahn spielt gerade mit der großen Schwester Lea das „Fünf Mäuse im Wald oder wie geht ein Klavier”-Spiel. Schwesterchen Lisa ist etwas ungehalten, hat die Querflöte verstoßen - dem Klavier hat sich ihr junges Musikerinnen-Herz zugewandt, doch die Tasten wollen sich nicht so schnell erobern lassen; die Mama bremst ihre kleine Prinzessin: „Jetzt ist erstmal Lea dran!” „Fünf Mäuse im Wald” geht dann so. „Lea,” fragt Helena Hahn flüsternd, „früh morgens im Wald, ist es da laut oder leise?” „Laut!”, meint Lea. Und die Mama: „Lea ist immer ganz früh auf.” Die Klavierlehrerin gibt nicht auf: „Lea morgens ganz, ganz früh im Wald, wenn sogar die Sonne noch schläft, ist es dann laut oder leise?” Lea hat den Braten inzwischen gerochen: „Es ist leise!” Und dann kommen die fünf Mäuse, ein Finger von Lea hüpft von der einen auf die andere weiße Taste und wieder zurück und vier Finger von Frau Hahn trippeln gemeinsam Leas erste Melodie auf dem Klavier: „Fünf Mäuse im Wald.”
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