Kreis Heinsberg - Führerschein mit 17: Spritztouren ins Ausland nicht unproblematisch

Führerschein mit 17: Spritztouren ins Ausland nicht unproblematisch

Von: Jessica Küppers
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Grenzüberfahrt mit Folgen: Wer als 17-Jähriger mit dem Auto im Ausland unterwegs ist, fährt ohne gültigen Führerschein. Hohe Strafen drohen. Foto: Jessica Küppers

Kreis Heinsberg. Die Neutrale Straße, auch Heringsbosch genannt, an der Grenze zwischen Gangelt und Schinveld in den Niederlanden ist nicht so harmlos, wie ihr Name zunächst vermuten lässt.

Für Fahranfänger, die ihren Führerschein mit 17 Jahren gemacht haben, könnte eine Fahrt dort sogar zu einem ernsten Problem werden. Nach etwa drei Kilometern Richtung Brunssum taucht am linken Straßenrand das Schild „Nederland“ auf, das die Grenze kennzeichnet. Die dürfen siebzehnjährige Autofahrer mit einer eingeschränkten Fahrerlaubnis nicht überfahren.

Einen Seitenstreifen für einen Fahrerwechsel mit der Begleitperson gibt es auf der schmalen Straße nicht. Wendemanöver mitten auf der Straße sind nicht erlaubt. Die minderjährigen Autofahrer müssen also zum ordnungsgemäßen Wenden trotzdem über die Grenze fahren und sind damit ohne Führerschein unterwegs, ganz offiziell.

„Gültig ist diese Bescheinigung nur in Deutschland“, erklärt Polizeipressesprecher Karl-Heinz Frenken. Auch wenn es in den Nachbarländern Niederlande und Belgien ähnliche Führerscheinmodelle für Minderjährige gibt, gelten die Regeln nur national. Mit einer Ausnahme: In Österreich und Deutschland werden die Führerscheine des jeweiligen Nachbarlandes anerkannt. Weitere Ausnahmen sind Frenken nicht bekannt. Das bestätigt auch das Straßenverkehrsamt auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach Angaben der Kreisverwaltung Heinsberg haben im vergangenen Jahr 1644 Fahranfänger den Führerschein mit 17 Jahren erworben. Das seien circa 44,7 Prozent aller Antragsteller im gesamten Kreisgebiet. Sobald sie die Prüfung bestanden haben, dürfen sie demnach in Begleitung eines Elternteils mit dem Auto fahren – nur eben nicht überall.

Dass das zum Problem werden kann, sieht auch Fahrlehrer Heinz Fiss aus Geilenkirchen. Er legt deshalb viel Wert darauf, dass seine Fahrschüler sowohl im Fahrschulwagen als auch im theoretischen Unterricht auf die eingeschränkte Gültigkeit des Führerscheins hingewiesen werden. „Darauf achten wir hier in Grenznähe natürlich besonders“, sagt Fiss.

Wird ein Fahranfänger trotzdem beim Schwarzfahren im Nachbarland erwischt, muss er mit einer saftigen Strafe rechnen. ADAC-Jurist Michael Nissen sagt: „Die Geldstrafen beginnen in den Niederlanden bei 300 Euro.“ Wie hoch die Strafe tatsächlich ausfällt, ist einkommensabhängig und bedarf einer Einzelfallbeurteilung. Kommt es zum Unfall, werde es jedenfalls doppelt teuer. Außerdem liege es im Ermessen des Polizisten, ob der Fahranfänger festgenommen werde, sagt der Jurist. Grundsätzlich sei auch deshalb zu Vorsicht geraten, weil mit der Grenzüberschreitung ein Verlust des Versicherungsschutzes einhergehen könne.

Im Nachbarland Belgien wird das Vergehen ähnlich hart bestraft. Wer dort mit einem ungültigen Führerschein angehalten oder in einen Unfall verwickelt wird, muss mit einer Geldstrafe von 1200 bis 12000 Euro rechnen.

Anders herum gelten diese Regeln natürlich auch für Fahranfänger aus dem Ausland, die als 17-Jährige ohne gültigen Führerschein in Deutschland unterwegs sind. Hierzulande bekommt der Verkehrssünder für das Fahren ohne Führerschein eine Strafanzeige. Zudem erwartet den Fahrer eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine hohe Geldstrafe. Auch auf den Begleiter des Fahranfängers kann eine Strafe zukommen. Dazu gebe es jedoch keinen Präzedenzfall, sagt ADAC-Mann Nissen.

Fakt ist: Wer ohne gültigen Führerschein angehalten wird, für den ist die Fahrt erst einmal vorbei. „Das Auto bleibt dann stehen oder die Begleitung muss weiterfahren“, erklärt Fiss.

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