Freie Parzellen für Hobbygärtner

Von: Norbert F. Schuldei
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Frank Wilms aus dem Schwanenbe
Frank Wilms aus dem Schwanenberger Ortsteil Geneiken bei Erkelenz vermietet Parzellen auf einem Flurstück des elterlichen Landwirtschaftsbetriebes an Hobbygärtner. So etwas gibt es im Kreis Heinsberg bisher noch nicht. Foto: N. Schuldei

Erkelenz-Schwanenberg. Das Rad ist auch nur einmal erfunden worden. Und die Idee vom eigenen Garten fernab der vier Wände hatte vor ihm schon der Leipziger Arzt Moritz Schreber, dessen Namen in der Idee weiterlebt: Schrebergarten. „Ja, was ich hier mache, ist sowas Ähnliches”, sagt Frank Wilms.

„Seit mindestens vier Generationen”, wie der 25-Jährige sagt, betreibt seine Familie in dem Flecken Geneicken bei Schwanenberg Landwirtschaft. Und er wird die Tradition als Vollerwerbslandwirt aufrecht erhalten: Frank Wilms studiert Agrarwissenschaften in Bonn.

Wie also ist er auf die Idee gekommen, einen kleinen Teil der landwirtschaftlichen Fläche des elterlichen Hofes in der Gemarkung zwischen Hoven und Schwanenberg an Nichtfachleute zu vermieten? Schrebergärten sind schön und sinnvoll für urbane Gebiete - aber hier bei uns im ländlichen Raum? Ist das nicht sowas wie Eulen nach Athen tragen?

„So etwas gibt es im ganzen Kreis Heinsberg noch nicht. Und in meinem Bekanntenkreis sind viele, die in der Stadt wohnen und sich einen Garten wünschen, um sich ihr Gemüse oder ihre Kräuter selbst anzubauen. Der Balkon reicht dafür oft nicht aus”, antwortet Wilms. Wer einmal durch die Neubaugebiete spaziert ist, der weiß, wie klein die Parzellen dort geschnitten sind: Das langt hinten und vorne nicht für einen Nutzgarten.

Also hat er ein Informationsblatt, einen Flyer also, entworfen, auf dem er seine Idee schriftlich fixierte: „Es gibt zwei Parzellengrößen, die man wählen kann: 50 Quadratmeter und 25 Quadratmeter”, sagt er. Auf diesen Flächen sät der Fachmann, also Frank Wilms, im Frühjahr mehr als 20 verschiedene Kulturen aus oder pflanzt sie an; die wachsen zwar von selbst, werden aber von den Mietern in den kommenden Wochen und Monaten gehegt und gepflegt, ehe sie schließlich geerntet werden. „Da ist alles zu finden, was hier in der Gegend wächst”, sagt der Experte. Von roten Beeten, über Dill, Petersilie, Tomaten, Kopfsalat, Gurken, Kohlrabi, Weißkohl, Kartoffeln bis zu Spinat und Kürbissen - die Klassiker eben”, wie Wilms es nennt. Alles mit der Hand ausgesät, „für Maschinen sind die Parzellen zu klein. Das ist schon ein ziemlicher Arbeitsaufwand”, sagt er.

Am 1. Mai ist Feldübergabe, am 31. Oktober endet der Mietvertrag für die Parzellen: Erntedank.

Derzeit hat er auf dem Landstrich zwischen Hoven und Schwanenberg 17 Parzellen vermietet, die kleinen für 90 Euro pro Saison, die großen kosten 170 Euro. Maximal 40 Grundstücke gibt die Parzelle, die er für sein Projekt angelegt hat, her. „Es sind oft Familien mit kleinen Kindern, die in Erkelenz, Wegberg oder Hückelhoven wohnen und die durch die Flyer, die ich auf den Wochenmärkten verteilt habe, auf die Möglichkeit, ihr eigenes Gemüse zu ernten, aufmerksam geworden sind”, sagt er. Aber auch Singles, junge Ehepaare und ältere Menschen seien unter seinen Kleingärtnern zu finden.

Was man zum Beackern der eigenen Parzelle braucht, das finden die „Gärtner” in einer großen, mit einem Zahlenschloss gesicherten Kiste am Rand der Ackerfläche. Da ist alles drin, was das Herz des Hobbygärtners höher schlagen lässt: Hacke, Rechen, Spaten, Pflanzstock, Gummistiefel und so weiter. „Damit die Leute nicht mit schwerem Gerät hier anrücken müssen”, sagt Wilms. Außerdem steht ein Wassertank parat, aus dem man die Gießkannen füllen kann.

Damit das während der Pflanz- und Erntezeit für die Hobbygärtner immer zur passenden Zeit und fachgerecht in der rechten Dosierung geschieht, gibt Frank Wilms dienstags von 18 bis 19 Uhr persönlich Ratschläge, wenn dies gewünscht wird. „Man kann aber auch im Internet auf der Seite http://www.gesund-und-gartenfrisch.de nachlesen, was aktuell getan werden muss”, sagt der Student der Agrarwissenschaften. Da ist alles nachzulesen: Aktuelle Niederschlagsmenge, Höchst- und Tiefsttemperatur, Wetterprognose...

Neben dem reinen Nutzwert, also unbedenkliche Rohkostnaturprodukte mit garantiert biologischem Gütesiegel mit den eigenen Händen zu hegen, pflegen und zu ernten, gibt es einen weiteren Gesichtspunkt, der auch bei Schrebergärten groß geschrieben wird: Die soziale Komponente. „Die einzelnen Mieter kommen hier über den Parzellenrand hinaus ganz zwanglos ins Gespräch”, hat Wilms beobachtet. „Und im Handumdrehen wird auch über andere Themen als nur über den Garten und die Pflanzen diskutiert.”

Ganz zu schweigen davon, dass Kinder schnell sehen, dass Gemüse nicht nur aus der Tiefkühltruhe kommt, dass man die Pflanzen umsorgen muss - und dass das mit Arbeit verbunden ist. Pädagogisch wertvoll... Und noch ein Aspekt jenseits des rein gärtnerischen ist sehenswert: Die Hobbygärtner haben eine fantasievolle Vogelscheuche gebastelt. Ob die Vögel sich von dem Gestell vom Picken der Samenkörner abschrecken lassen? Wohl kaum. Die Hobbygärtner aber haben ihre Freude dran.

Die einzelnen Parzellen auf dem Acker zwischen den Ortschaften Hoven und Schwanenberg sind 25 und 50 Quadratmeter groß.

In diesem Sommer sind 17 Parzellen vermietet, das Feld gibt maximal 40 Parzellen als Garten her. Kontakt kann man mit Frank Wilms über Tel. 02434/9299907 oder mobil 0177/5400312 aufnehmen.

Der Student der Agrarwissenschaften hat auch eine Internetseite angelegt, über die er Tipps an seine Mieter weitergibt.

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