Erkelenz - Fortbildung zur Tagesmutter: Das Geld spielt doch eine Rolle

Radarfallen Bltzen Freisteller

Fortbildung zur Tagesmutter: Das Geld spielt doch eine Rolle

Letzte Aktualisierung:
erk-tagesmutter-bu
Die Teilnehmerinnen am Basis-Kurs „Tagesmütter” erhielten in Erkelenz ihre Zeugnisse. Foto: Koenigs

Erkelenz. Der Bedarf an Tagesmüttern steigt. Viele Mütter wollen oder müssen frühzeitig wieder in den Beruf zurückkehren und suchen daher eine Möglichkeit, ihre Kinder tagsüber betreuen zu lassen.

Die Jugendämter aus Hückelhoven, Erkelenz und Heinsberg bieten deshalb seit 2007 Fortbildungsmaßnahmen an, bei denen sich Interessentinnen zu qualifizierten Tagesmüttern fortbilden können. Und müssen, denn der Gesetzgeber sieht eine Ausbildung vor, wenn die Pflege gegen Entgelt, länger als drei Monate oder 15 Stunden pro Woche geleistet wird.

Um die entsprechende Pflegeerlaubnis des zuständigen Amtes zu erhalten, müssen die Frauen neben einem polizeilichen Führungszeugnis und einem Kursus in Erster Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern auch eine anerkannte Qualifizierung aufweisen. Nach einer Einschätzung des ”Deutschen Jugendinstitutes” (DJI) seien rund 160 Stunden nötig, um die Qualifizierung für die Pflegeerlaubnis zu erlangen.

Vor zwei Jahren beschlossen die Jugendämter des Kreises, mit einer fachlichen Basisqualifikation von 48 Stunden zu beginnen. Inzwischen sind bereits sechs solcher Basiskurse abgehalten worden. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Ausbildungsmodule mit jeweils 56 Stunden angeboten werden. „In den Kursen wird neben Kenntnissen im Umgang mit den Kindern auch rechtliche Sicherheit vermittelt”, erklärt die Kursleiterin Renate Ernst.

Die Sozialpädagogin klärt auch darüber auf, welche Konfliktpotenziale zu erwarten sind. Denn die Kinder stehen zwischen ihren eigenen und den Pflegefamilien. Daher sei es wichtig, dass die Tagespflege die Erziehung durch die eigene Familie unterstützt. Darüber hinaus sind auch versicherungsrechtliche Fragen zu klären. Die Kursinhalte sind durch das „Kinder- und Jugendhilfegesetz” (KJHG) definiert.

Die Hälfte der Kursteilnehmerinnen im Erkelenzer Familienzentrum an der Westpromenade arbeitet bereits in der Tagesbetreuung und nutzt die Möglichkeit, die notwendige Qualifikation nachzuholen. Gemeinsam mit den Interessentinnen werden dann geeignete Pflegekinder gesucht und Kontakte zu den Familien hergestellt. Denn natürlich müssen Pflegemütter und Kinder auch zusammen passen. Wichtig sei auch, dass die Eltern davon überzeugt seien, dass ihre Erziehung in den Tagespflegefamilien unterstützt werde.

Dabei geht es den angehenden Tagesmüttern nicht in erster Linie um den Verdienst, wie Ernst betont. Denn laut „Bundesverband der Tageseltern” sollten rund fünf Euro pro Kind und Stunde drin sein. Die Jugendämter im Kreis zahlen bei der ersten Qualifikationsstufe drei Euro, bei mehr als vier Jahren Berufserfahrung bis zu 4,40 Euro.

Das spiegele den Stellenwert der Arbeit wider, so Ernst. „Die Arbeit der Tagesmütter muss politisch und finanziell anerkannt sein”, betont sie. „Schließlich fängt die Bildung der Kinder auch in der Tagesfamilie an.” Viele der bisher 70 Teilnehmerinnen ihres Kurses hätten die Arbeit wieder eingestellt, weil es sich nicht lohnt. Der notwendige Papierkram und der schlechte Verdienst schreckten viele ab.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert