Heinsberg-Oberbruch - Flugzeugbau hebt Tenax aus der Krise

Flugzeugbau hebt Tenax aus der Krise

Von: Rainer Herwartz
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Die Flugzeuge der C-Series setzen einen neuen Maßstab in der Klasse 100 bis 149 Sitze und bieten zudem Toho Tenax für die nächsten Jahre einen neuen Absatzmarkt

Heinsberg-Oberbruch. Die Mitarbeiter von Toho Tenax am Standort in Oberbruch werden es mit einem Seufzer der Erleichterung quittiert haben.

Nachdem die Weltwirtschaftskrise auch den innovativen Kohlenstofffaser-Hersteller vor rund eineinhalb Jahren ins Straucheln brachte, sodass 260 Arbeitskräfte in die Kurzarbeit geschickt werden mussten, zeichnet sich jetzt ein mächtiger Lichtstreif am Horizont ab.

Toho Tenax Europe gelang nicht nur ein Vertragsabschluss mit Bombardier Aerospace, der in den nächsten zehn Jahren einen Umsatz von 130 Millionen Euro bescheren soll, sondern zudem ein langfristiger Liefervertrag mit EADS für den neuen Airbus A 350 XWB. „Zu Airbus haben wir seit über 20 Jahren ein sehr gutes Verhältnis”, sagt Fred Horst, Technischer Geschäftsführer von Toho Tenax in Heinsberg.

„Durch den Vertrag mit Bombardier haben wir die Möglichkeit, im Luftfahrtsektor weiter zu expandieren. Die an Bombardier gelieferten Mengen sowie der erzielte Umsatz werden langfristig so groß wie unser Airbus-Geschäft sein.” Die Luftfahrtindustrie sei für das Unternehmen nach wie vor einer der wichtigsten Sektoren. „Etwa die Hälfte der versendeten Mengen waren in 2009 für die Luftfahrtindustrie bestimmt”, erklärt Horst.

Steuert Tenax bei Bombardier die Kohlenstofffasern für bedeutende Primär- und Sekundär-Strukturbauteile beim neuen Luftfahrtprogramm der C-Series-Flugzeuge bei, so produziert das Unternehmen für EADS Kohlenstofffaser verstärkte thermoplastische Platten. Gerade von diesem Auftrag erwartet Tenax eine Reihe weiterer Anwendungsmöglichkeiten der Platten, die sich derzeit noch in der Qualifikation befinden. Zur Unterstützung dieser Strategie investiert Tenax in eine neue Produktionslinie in Oberbruch, die Anfang nächsten Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll.

Mit Airbus verhandelt die Geschäftsleitung momentan den Einsatz weiterer auf Kohlenstofffaser basierenden Materialien für andere Flugzeugtypen und zukünftige Ausführungen des A350 XWB. Eine Möglichkeit sei die Verwendung eines spezifischen Gewebes im Gehäuse der Hilfsturbinen des Airbus A380.

Rund 50 Millionen Euro hatte die vierte Produktionslinie von Toho Tenax im Industriepark Oberbruch gekostet, zu der im April 2008 der Grundstein gelegt worden war. 5100 Tonnen Jahresproduktion wurden damals anvisiert und von einer jährlichen Nachfragesteigerung zwischen 10 und 15 Prozent ausgegangen.

Die globale Entwicklung machte einen unbarmherzigen Strich durch diese zuversichtliche Rechnung. Der Umsatz von Toho Tenax schrumpfte um 20 bis 30 Prozent pro Monat, bestätigte seinerzeit Fred Horst.

„Die Kurzarbeit war unumgänglich, um betriebsbedingte Entlassungen zu vermeiden. Wir sind sehr froh, dass wir durch diese Maßnahmen fast alle Arbeitsplätze erhalten konnten. Wir gehen davon aus, dass wir den Tiefpunkt überschritten haben und dass wir in Zukunft eine bessere Auslastung unserer Linien erreichen werden.”
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