Kreis Heinsberg - Flüchtlingsrat: Mehr Augenmerk auf Integrationsfähigkeit

Flüchtlingsrat: Mehr Augenmerk auf Integrationsfähigkeit

Von: Johannes Bindels
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Konkrete Hilfe: Helga und Alfred Geiger engagieren sich als Paten für Flüchtlinge und betreuen seit 2015 eine koptisch-christliche Familie aus Ägypten. Foto: Johannes Bindels

Kreis Heinsberg. Wenn zur Gründungsversammlung im Oktober 2015 noch rund 50 Vertreter von Flüchtlingsinitiativen im Kreishaus versammelt waren, so war die Anzahl der vertretenen Initiativen bei der offenen Mitgliederversammlung im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Hückelhoven deutlich kleiner.

Auf der Tagesordnung standen Berichte zur Arbeit des Flüchtlingsrates und der Erfahrungsaustausch aus der Betreuung einzelner Flüchtlingsschicksale. Der erweiterte Vorstand um den Vorsitzenden Hans-Jürgen Knubben, der stellvertretenden Vorsitzenden Jutta Schwinkendorf, dem Geschäftsführer Achim Kück und den beiden Beisitzern Lutz Braunöhler und Hans-Joachim Schwabe berichteten den Mitgliedern über die Arbeitsschwerpunkte des vergangenen halben Jahres.

Knubben betonte, nach der anfänglichen Zustimmung für Kanzlerin Merkels Entscheidung habe sich die Stimmung gewaltig geändert. Die politischen Entscheidungen seien auf eine rigidere Politik ausgerichtet. Und mit dem Asylpaket II gebe es Überlegungen zu einer weiteren Verschärfung in der Abschiebepraxis. Berichte von Flüchtlingspaten sowie der Netzwerker im Flüchtlingsrat zu Einzelschicksalen würden diese Entwicklung bestätigen, so der Vorsitzende. Dies sei auch die Ursache dafür, dass der vorgesehene Bericht aus dem Munde eines betroffenen Flüchtlings nicht zustande gekommen sei, da dieser befürchtete, Nachteile zu erleiden.

Ersatzweise verlas Achim Kück stattdessen die Schilderung der 45-tägigen Flucht eines Asylbewerbers aus Afghanistan. Die Abschiebung zurück nach Afghanistan führe entweder zur Zwangsrekrutierung in Terrorgruppen oder in den Tod.

Die im Ehrenamt engagierte Familie Helga und Alfred Geiger, eingebunden in der Flüchtlingsarbeit in Hückelhoven, betreuen als Paten seit 2015 eine koptisch-christliche Familie aus Ägypten. Insbesondere die Mutter zweier Kinder leide unter dem Trauma der Fluchterlebnisse. Während ein jüngerer weiterer Verwandter innerhalb von drei Monaten eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten habe, habe die gesamte Familie dagegen vor der Abschiebung gestanden, die den sicheren Tod für sie bedeutet hätte. Erst die durch Amnestie International finanzierte Klage und der durch ärztliche Hilfe begleitete psychische Zusammenbruch der Frau hätten die Abschiebung verhindert.

Wenn auch die Fachstelle der Diakonie Ansprechpartner für Ehrenamtler sein könne, wie Larissa Pfeiffer vom Migrationsdienst für Flüchtlings-/Rückkehrberatung in Erkelenz bestätigte, wäre ein standardisierter Ratgeber für den Umgang mit der rigideren Abschiebepraxis für die Ehrenamtler sinnvoll, brachte Winfried Ehde vom Runden Tisch Geilenkirchen in die Diskussion ein. Der Vorstand verwies auf die Planung, dass gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum im Kreis Heinsberg die Notwendigkeit für eine Internetplattform zur Informationsgewinnung und Vernetzung der Ehrenamtler gesehen werde. Die Mühlen würden aber nur langsam mahlen.

Insbesondere sei künftig mehr Augenmerk auf das Thema Integrationsfähigkeit zu legen. Solange Traumata nicht behandelt seien, Ungewissheit über das Schicksal der zurückgebliebenen Familienangehörigen bestehe und die Frage über den Asylstatus noch offen sei, könne eine Integration kaum erfolgen, hieß es aus dem Kreis der Initiativen. Ebenso bedürfe die Nutzung der Arbeitspotenziale von Flüchtlingen einer Klärung, hieß es.

Eine in Kürze geplante Podiumsdiskussion zur Landtagswahl solle die Bereitschaft von Politik und Verwaltung zu einem Überdenken der bisherigen Genehmigungs- und Anerkennungspraxis erhöhen, betonte Knubben.

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