Flüchtlingsrat aus der Taufe gehoben

Von: anna
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Den Vorstand im neu gegründeten Flüchtlingsrat im Kreis Heinsberg bilden Vorsitzender Lutz Braunöhler (r.) sowie seine beiden Stellvertreter Hans-Joachim Schwabe (l.) und Achim Kück (Mitte). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Rund 50 Vertreter von Flüchtlingsinitiativen oder von Einrichtungen, die sich der Flüchtlingsarbeit widmen, waren der Einladung zur Gründungsversammlung für den Flüchtlingsrat im Kreis Heinsberg im Kreishaus gefolgt. Dort präsentierte sich zur Verwunderung einiger Anwesender bereits der Vorstand des Vereins.

Er war kurz vor der Versammlung von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche sowie des regionalen Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes für den Kirchenkreis Jülich im Kreishaus gegründet worden.

Vorsitzender des neuen Flüchtlingsrates ist Lutz Braunöhler, der auch Vorsitzender des Katholikenrates ist. Seine Stellvertreter sind Achim Kück, regionaler Flüchtlingsseelsorger der katholischen Kirche, und Hans-Joachim Schwabe aus dem Kreissynodalvorstand der evangelischen Kirche, der seit über 30 Jahren in der Flüchtlingsarbeit tätig ist. Weitere vier Positionen im Vorstand, die in der Satzung nicht weiter beschrieben sind, könnten noch besetzt werden, hieß es.

„Wir wissen alle, dass sich die Situation zugespitzt hat, dass vielfältige Aufgaben zu bewältigen sind“, erklärte Braunöhler in seiner Einführung. Der Flüchtlingsrat verstehe sich als Organ zur Vernetzung und Koordinierung der Aufgaben, darüber hinaus aber auch als ein politisches Organ, das sich für die Rechte derjenigen engagiere, die derzeit in großer Zahl auch in den Kreis Heinsberg kommen würden.

„Es gilt, ihnen zu zeigen, dass es auch ganz anders gehen kann als in ihren Heimatländern“, so der Vorsitzende weiter. Es gelte, sich öffentlich politisch zu positionieren und zu verlangen, dazu zu stehen, was Frau Merkel versprochen habe. „Ihr macht also ein bisschen mehr als das, was wir können“, zog Wilfried Mercks, Geschäftsführer der Initiative „Willkommen in Erkelenz – die Lobby für Flüchtlinge“, sein Fazit.

Man habe zunächst überlegt, auch Vertreter von Ämtern und Parteien in die Vereinsgründung einzubinden. Aber es allein mit den beiden Kirchen zu tun, sei viel einfacher gewesen, führte Braunöhler weiter aus. Unter Umständen könnte ja auch mit dem Amtseid kollidieren, was der Flüchtlingsrat einfordere, merkte er mit Blick auf die Leiter der kommunalen Sozialämter an.

Warum denn in die Vereinsgründung nicht auch Muslime mit eingebunden worden seien, wollte Ilse Lüngen (SPD) wissen. „Weil deren Verfasstheit problematischer ist als die der beiden christlichen Kirchen“, lautete Braunöhlers Antwort. „Wenn die Interesse haben, können die sich hier melden.“ Der Flüchtlingsrat solle keine Interessenvertretung der Kirchen sein, betonte Superintendent Jens Sannig aus dem Plenum heraus. „Das hier ist unser Instrument“, erklärte er. Die Vertreter der Kirchen könnten in Zukunft auch wieder in den Hintergrund treten. Dennoch hätte er sich gewünscht, dass die Gründung eine breitere Basis gehabt hätte als nur die der Kirchen, beklagte auch Dieter Meurer von den Linken.

„Es ist erst einmal auf den Weg gebracht, und dann sehen wir weiter“, sagte Braunöhler. „Das hier soll ein offenes Gremium sein, aber als Vertreter der Kirche sind wir zunächst einmal unverdächtig, eine politische Richtung zu vertreten.“ Wichtig sei, dass der Flüchtlingsrat Position beziehe zu bestimmten Themen, nannte die Grüne Maria Meurer die Gesundheitskarte als Beispiel. „Wenn ­erforderlich, muss der Flüchtlingsrat dann auch Druck ausüben und in Konfrontation gehen zur Politik.“

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