Hückelhoven - Flachpässe auf flauschigem Kunstrasen

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Flachpässe auf flauschigem Kunstrasen

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
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Fünf Tage hat Rico Graf mit seinen Leuten im Ohofstadion in Ratheim gebraucht, den Kunstrasen zu verlegen: Rund 5700 Quadratmeter. Foto: Schuldei

Hückelhoven. Rico Grafs Blick geht nach oben: Die schwarzen Wolken verheißen nichts Gutes. „Lass die Gewichte liegen, sonst fliegt uns das ganze Zeuge noch weg”, ruft er über das Feld seinem Kollegen zu. Fünf Tage Arbeit wären dann umsonst gewesen.

Die Fachleute aus dem westfälischen Halle sind mit ihrer Arbeit nämlich fast fertig, mehr als 5700 Quadratmeter Kunstrasen haben sie in dieser Zeit so akkurat verlegt, dass auch bei genauerem Hingucken kaum eine Naht zu sehen ist. Hätte man einen Ball zur Hand, könnte man auf dem 60 mal 95 Meter großen Spielfeld doch schon mal einen Probekick. „Nein, der Kunstrasen ist zwar verlegt,”, sagt Vorarbeiter Graf. „Aber der muss jetzt noch mit Quarzsand befüllt werden und dann kommt oben drauf noch Granulat. Dann erst kann´s losgehen”.

Lange genug gewartet

Na gut, auf einen Tag mehr oder weniger kommt es jetzt für die insgesamt 18 Mannschaften des Vereins für Jugendsport, kurz VfJ, in Ratheim, auch nicht mehr an: Sie haben lange genug darauf gewartet, dass sie auf einem vernünftigen Untergrund im wunderschön gelegenen Ohofstadion mit den Bällen am Fuß aufs Tor zulaufen können. „Der alte Aschenplatz, der war ja ganz furchtbar”, sagt Hans-Josef Geiser, am Rande des nagelneuen, in einem satten Grün prunkenden Platzes. Wenn´s geregnet hat, stand der in der Mitte unter Wasser, die Drainage war völlig hinüber, und im Sommer bekam man eine Staublunge.”

Der Vorsitzende des Stadtsportverbandes hat sich für den neuen Kunstrasenplatz für „seinen” Verein in den zurück liegenden Monaten bei den zuständigen Stellen im Rathaus stark gemacht. Immerhin kostet die Herrichtung der gesamten Anlage am Ohofstadion 642.000 Euro. „All inclusive, also auch Flutlicht, Umzäunung und so weiter”. Kämmerer Helmut Holländer, der das betont, konnte auf Mittel aus dem Konjunkturpaket II zurückgreifen, als er dem Rat die Bewilligung empfahl. Holländer sagt aber auch: „Mittelfristig wird es keinen anderen Kunstrasenplatz im Stadtgebiet mehr geben.” In Zeiten knapper Kasse müssen andere Prioritäten gesetzt werden. Was man allerdings ins Auge fasst: „Der Rasenplatz in Millich müsste von Grund auf überarbeitet werden”, sagt Holländer. Das würde rund 200.000 Euro kosten. Die man im Haushalt locker machen würde, „wenn gewährleistet ist”, so der Kämmerer, „dass der Platz kontinuierlich genutzt wird”. Das wolle man jetzt prüfen.

Überarbeitet werden soll in den kommenden drei Jahren auch der Rasenplatz im Ohofstadion in Ratheim: Er entspricht nicht mehr den DIN-Normen für Sportplätze. Warum nicht? „Regenwürmer, sagt Holländer. Regenwürmer? „Ja. Die machen so kleine Häufchen, wenn es nass ist. Und wenn die trocken sind, dann sind die steinhart. Da springt der Ball dann ganz komisch”. Holländer ist Fachmann, er ist selbst Trainer einer Jugendmannschaft. Diese Maßnahme gegen die Regenwürmer auf dem Fußballfeld ist allerdings nicht ganz so kostspielig: 12.000 bis 13.000 Euro, das freilich drei Jahre lang.

„Die gesamte Anlage hier am Ohof ist jetzt endlich komplett und vor allen Dingen ist sie auch sicher”, sagt Jürgen Daleiden, der Erste Vorsitzende des VfJ. Das ist vor allen Dingen deshalb wichtig, weil demnächst rund 300 Kinder Jugendliche von den Bambinis bis zu den A-Jugendliche den Kunstrasenplatz nutzen und auf dem Gelände trainieren werden. „Da brauchen die Eltern sich jetzt keine Sorgen mehr zu machen”, sagt er.

Natürlich erhofft der Vorsitzende des VfJ sich durch den neuen Kunstrasenplatz auch eine sportliche Rendite für seinen Verein: „Ich rechne mit noch mehr Zuwachs im Jugendbereich”, sagt er. Schon jetzt ist der VfJ im Nachwuchsbereich der mit Abstand stärkste Verein im Stadtgebiet. „Wir wollen in diesem Jahr zehn A-Jugendliche in die erste Mannschaft einbauen.” Erklärtes Ziel vorerst: „Aufstieg in die A-Liga.”

Rico Graf geht indes die letzten Nahtstellen auf dem flauschteppichweichen Kunstrasen ab. Nein, es ist nichts fliegen gegangen, der Platz ist fest, sieht supergut aus und kann eigentlich bespielt werden. „Beim zweiten Heimspiel, am 12. September also”, sagt Jürgen Daleiden, „werden wir den Platz ganz offiziell einweihen. Dann ist Polythan-Vorarbeiter Rico Graf mit seinen Leuten längst irgendwo anders in der Republik am Werk und verlegt neue Kunstrasenbahnen. Rasenplätze haben nämlich derzeit Konjunktur.
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