Kreis Heinsberg - Feuerwehr ohne Nachwuchssorgen. Noch.

Feuerwehr ohne Nachwuchssorgen. Noch.

Von: Annika Kasties und Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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„Klagen auf hohem Niveau“ möchte der Leiter der Heinsberger Feuerwehr, Ralf Wählen, nicht. Denn mit rund 120 Nachwuchskräften dürfte es auch in Zukunft für jeden Feuerwehrhelm noch einen passenden Kopf geben. Foto: Rainer Herwartz

Kreis Heinsberg. Zehn Filtergeräte, 40 Atemschutzgeräte und 82 Einsatzkräfte: Bei dem Wohnungsbrand, der vor wenigen Wochen in der Gaststätte Jägerhof in Hückelhoven ausgebrochen war, ging die Freiwillige Feuerwehr erneut an ihre Belastungsgrenze. Sieben Stunden lang kämpften die Brandschützer gegen das Feuer. Ein aufsehenerregender Einsatz.

Wenn die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn um die Ecke braust, ist das Interesse in der Bevölkerung groß. Doch wenn es darum geht, selbst mitten in der Nacht aus dem Bett zu springen und den Feuerwehrschlauch in die Hand zu nehmen, sinkt die Bereitschaft gewaltig. Mit der Personaldichte vieler Wehren sieht es schlecht aus, vor allem, wenn der Dienst freiwillig geleistet wird.

Um bei der Nachwuchssuche nicht abgehängt zu werden, startet das Innenministerium mit dem Verband der Feuerwehren in NRW eine Image- und Werbekampagne. Auftakt ist am Samstag, 5. November. Ab 2017 sollen dann landauf, landab Plakate und Aktionen für das Ehrenamt werben.

Konkrete Nachwuchssorgen plagen die Brandschützer jedoch nicht. Zumindest noch nicht. „Das wäre Klagen auf hohem Niveau“, gibt der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Heinsberg, Ralf Wählen, zu Protokoll. Zwischen 100 und 120 Jugendliche zählt die Jugendfeuerwehr in Heinsberg. Die Zahlen blieben bislang trotz des demografischen Wandels stabil, auch weil die Feuerwehr eng mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeite, sagt Wählen. So bieten die Brandschützer in der Realschule Heinsberg eine Blaulicht-AG an. Dieses Konzept geht auch in Wassenberg auf. An der Katholischen Grundschule Birgelen steht freitagnachmittags die „Feuerwehr AG“ auf dem Studentenplan. Dort werden die Jungen und Mädchen der Offenen Ganztagsschule kindergerecht an das Ehrenamt herangeführt.

Vor allem der Löschzug 2 (Birgelen, Effeld, Ophoven) profitiere von dieser Form der Nachwuchsrekrutierung, berichtet Holger Röthling. „Seitdem ist der Zuwachs enorm gestiegen“, sagt der Stadtbrandinspektor weiter, und das nicht ohne Stolz, schließlich weise der Landestrend in die andere Richtung. Viel mehr als die 33 Jugendlichen, die die Jugendfeuerwehr zurzeit in Wassenberg zähle, könne die Feuerwehr auch gar nicht betreuen.

Ausruhen dürfe man sich auf diesen Zahlen jedoch nicht, auch nicht im Selfkant, wo die Jugendabteilung mit 23 Mitgliedern ähnlich gut aussehe, betont der örtliche Feuerwehrleiter Josef Dahlmanns. „Wir müssen auf der Hut sein“, warnt Dahlmanns. Schließlich sei die Konkurrenz durch Sportvereine groß.

Auch in Geilenkirchen hat bislang niemand offiziell Nachwuchssorgen beklagt. Allerdings ist das Thema vor dem Hintergrund der geplanten Schließung der Löscheinheit Beeck zurzeit ohnehin brandaktuell. Die Zahl der aktiven Freiwilligen ist hier in den vergangenen zehn Jahren um fast ein Drittel zurückgegangen. Dennoch heißt es im Brandschutzbedarfsplan, dass man sich in den kommenden Jahren keine Sorgen zu machen brauche. Diese Diskrepanz zeigt, dass offizielle Verlautbarungen immer die Frage aufwerfen, wie weit tatsächlich gedacht wird.

Eine Möglichkeit, Anreize zu schaffen und das Ehrenamt zu stärken, ist die Feuerwehrrente, von der seit Anfang 2015 die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Baesweiler profitieren. Für jedes aktive Mitglied zahlt die Stadt pro Monat pauschal einen Betrag von zwölf Euro in die Rentenversicherung ein. Hinzu kommt ein Betrag von 6,50 Euro pro geleisteter Einsatzstunde.

Auch die Stadt Herzogenrath will die Feuerwehrrente einführen. Im Kreis Heinsberg sei dieses Modell noch in keiner Kommune diskutiert worden, teilt Kreisbrandmeister Klaus Bodden auf Anfrage mit. Für Josef Dahlmanns ist die Feuerwehrrente jedoch ein erstrebenswertes Modell. Er betont: „Wir würden das im Selfkant gerne machen.“ Offen bleibe jedoch die Finanzierung, gibt Frank Bienwald, Leiter des Ordnungsamtes Selfkant, zu Bedenken.

Die Feuerwehrrente gilt als freiwillige Leistung und nicht als Pflichtaufgabe einer Kommune. Und freiwillige Leistungen werden in den meisten Kommunen eher gekürzt als erhöht. In Selfkant werden derzeit noch andere Möglichkeiten diskutiert, das Ehrenamt zu fördern, sagt Bienwald. Spruchreif sei jedoch noch nichts.

Wenn es nach Gemeindebrandmeister Josef Dahlmanns geht, dann sollte nächstes Jahr auch über die Feuerwehrrente gesprochen werden. „Ich habe das auf jeden Fall auf dem Schirm“, unterstreicht er.

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