Heinsberg-Aphoven - Fechtgruppe Brückenschlag: Hauen, stechen, schneiden wie die Ritter

Fechtgruppe Brückenschlag: Hauen, stechen, schneiden wie die Ritter

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
13052626.jpg
Auch Lea Heinrichs und Joel Eibig trainieren den richtigen Schwertkampf. Foto: mib
13052631.jpg
Der Schwertkampf ist keine Show, sondern Sport, blitzschnell, schweißtreibend und nicht ungefährlich. Deshalb gehören gepolsterte Handschuhe, eine Fechtmaske und festes Schuhwerk zur Ausrüstung beim Training der Heinsberger Fechtgruppe Brückenschlag. Foto: mib
13029884.jpg
So soll es aussehen: Auch wenn die heutigen Fechter auf den Spuren ihrer historischen Vorkämpfer ohne Rüstung trainieren, lassen sie sich von Abbildungen wie diesen anleiten. Foto: imago
13027285.jpg
Aus Stahl, Alu oder Holz sind die Schwerter, mit denen die Fechtgruppe trainiert.
13052621.jpg
André Pin und Andreas Schaffrath lernen, das Langschwert so zu führen, wie die Ritter und Fechtmeister des 14. bis 16. Jahrhunderts. Foto: mib

Heinsberg-Aphoven. Metall trifft auf Metall. Hart, laut, klirrend. Das Trommelfell vibriert. Muskeln zittern unter dem Schlag, der den Klang ausgelöst hat. „Anfangs habe ich mir überlegt, Ohropax in die Ohren zu stecken“, sagt die 17-jährige Lea Heinrichs, „aber dann hätte ich Elmar nicht mehr verstanden.“ Und Elmar zu verstehen, ist wichtig. Denn Elmar sagt an, was gemacht wird. Hauen, stechen, schneiden.

Das sind die drei „Wunder“, beziehungsweise „Verwunder“, also die drei möglichen Angriffe mit dem Schwert.Elmar spricht auch vom Ort, und meint damit die Spitze der Klinge, er spricht vom Hau und meint damit einen Hieb, er spricht vom Bruch und meint damit die Abwehr einer gegnerischen Technik. Das klingt mittelalterlich – und ist es auch.

Denn dort, wo sonst die Aphovener Schützen Kugeln fliegen lassen, sausen donnerstags die Klingen der Heinsberger Fechtgruppe Brückenschlag durch die Luft. Mit mittelalterlichen Ritterschauspielen hat das nichts zu tun. Das ist keine Show, das ist Sport, viel zu schnell fürs Auge – und kann auch gefährlich werden. Denn die Schwerter sind aus Stahl, Alu oder Holz, wiegen zwischen 1,3 und 1,7 Kilo, sind zwar nicht scharf, aber in jedem Fall extrem hart.

„Irschrikstu gerne/keyn fechten nymmer lerne (Erschrickst Du gerne, lerne kein Fechten)“, zitiert Elmar Hanrath an dieser Stelle gerne Johannes Liechtenauer, einen deutschen Fechtmeister des 14. Jahrhunderts, der der Begründer der sogenannten Deutschen Schule ist. Die Autoren der historischen Fechtschriften beziehen sich oft auf ihn. Und in diesen Schriften und deren Transkriptionen muss Elmar Hanrath stöbern, wenn er dem Schwertkampf von anno dazumal näher kommen will. Mindestens zehn davon stehen in seinem Regal.

„Das Dilemma ist, dass diese Bücher für Menschen geschrieben sind, die bereits Fechten können“, sagt er. Sie enthalten Feinheiten, Taktiken und Kniffe, erklären aber nicht die Grundlagen des Fechtens. „Bei den Drucken sieht man nur die Endpositionen, wie man da hinkommt, muss man sich erst erarbeiten.“ Deshalb gehöre das Ausprobieren beim historischen Fechten dazu. Und das machen jetzt auch Olga (28) und Andreas (37) Reinartz aus Süggerath, sie probieren aus.

Die beiden sind große Fans des Mittelalters und mit Kostüm und Handwagen auf vielen Festen unterwegs. Wie sie mit Äxten und Wurfmessern umgehen müssen, wissen die beiden bereits. Jetzt wollen sie die Kunst des Schwertkampfes erforschen und haben sich Elmar Hanrath als Lehrer ausgesucht. Sie sind einfach an diesem Donnerstag im Schützenheim in Aphoven vorbeigekommen und halten nach einer kurzen Einweisung bereits jeweils einen Anderthalbhänder mit beiden Händen fest. „Nicht so fest schlagen“, rät Hanrath noch. Dann geht es los.

Der 48-Jährige beschäftigt sich seit vier Jahren mit der alten Kampfkunst. Sein Weg führte ihn vom Taekwondo über den koreanischen Schwertkampf zu den Wurzeln der deutschen Waffenkunst. Ihn interessieren die alten Techniken der deutschen Schule, die ab dem 17. Jahrhundert in Vergessenheit geraten sind, weil sich das Fechten nach italienischer Schule mit Rapier durchsetzte. Altes zu erhalten, ist ihm gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit wichtig.

Ihn begeistert aber auch die Schnelligkeit und Effektivität des Sports. „Fechten ist wie Schachspielen, nur schneller“, sagt er. Und ein Turnier ist die Königsdisziplin für jeden Fechter. Eine Möglichkeit, zu testen, ob und wie die Techniken wirken. Ende August hat Hanrath deshalb an dem „Dutch Lions Cup“, einem internationalen Hema-Turnier (Historical European Martial Arts) in Utrecht teilgenommen. 79 Kämpfer aus zehn Ländern traten gegeneinander an.

Es war sein erstes Turnier. Aufs Siegertreppchen ist er nicht gestiegen, aber er hat Erfahrungen gesammelt, Kontakte geknüpft. Die Schwertkämpfer sind national und international noch eine recht kleine Gemeinschaft. Man kennt sich. „Wir sind die Randsportart der Randsportart“, sagt Hanrath. Sein nächstes Ziel ist das Turnier in Longpoint in den USA im kommenden Jahr.

Olga und Andreas schwitzen. Blasen an den Händen haben sie keine, wiederkommen wollen sie auf jeden Fall. An das Klirren der Waffen haben sie sich schnell gewöhnt, ebenso wie Lea, die hofft, dass sie zu ihrem 18. Geburtstag ein eigenes Schwert geschenkt bekommt. Das Studium historischer Schriften überlässt sie aber lieber Elmar Hanrath.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert