FDP-Sprecherin zu Gast: Ein Plädoyer für Chancengerechtigkeit

Von: jwb
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„Bildung und Schule“ lautete das Thema bei der FDP: Im Namen des Kreisverbandes begrüßten Dr. Klaus J. Wagner (r.) und Stefan Lenzen (l.) Yvonne Gebauer (2. v. l.) und Ingrid Heim (2. v. r.) in Wassenberg. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Zum Thema „Bildung und Schule“ hatte der FDP-Kreisverband Interessierte aus Partei und Öffentlichkeit zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Wassenberger Restaurant Tante Lucie eingeladen.

Die schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Yvonne Gebauer, referierte zur Bildungspolitik des Landes. An einer Publikumsdiskussion nahmen auch der FDP-Kreisvorsitzende Dr. Klaus J. Wagner, Ingrid Heim als schulpolitische Sprecherin der FDP-Kreistagsfraktion und Stefan Lenzen als Kreistagsfraktionsvorsitzender teil.

„Wer nicht das Beste fordert, bekommt nur Mittelmaß“, lautete eine der Aussagen von Yvonne Gebauer. Aus Sicht der FDP sei die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen verantwortlich dafür, dass wegen diverser Defizite in der Bildungspolitik das Land auf dem besten Wege sei, nicht nur im nationalen Vergleich der Schulabschlüsse auf der Verliererseite zu sein. Vom Unterrichtsausfall über den Lehrermangel und das „Fiasko“ bei der Umsetzung der Inklusion bis zu den Qualitätsmängeln in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung seien Baustellen zu verzeichnen.

Eine situative Problemstellung wie die Integration der hohen Flüchtlingszahlen in die Bildungssysteme verstärke die Problemlage. „Der Markt für ausgebildete Fachkräfte mit der Lehrbefähigung Deutsch als Fremdsprache, um den Asylsuchenden die deutsche Sprache zu unterrichten, ist leergefegt“, so die Referentin.

Sie sei kein Inklusionsverhinderer, aber die Rahmenbedingungen würden nicht stimmen, nahm Gebauer Stellung. So fehlten Sonderpädagogen in der Regelschule, und die vorzeitige Schließung von Sonderschulen führe dazu, dass am Ende alle Kinder von Inklusionsklassen Verlierer sein würden. Zudem sei man im Land vom Schulfrieden wieder so weit entfernt wie lange nicht mehr. Die Gründe dafür sah die Landespolitikerin im Wiederaufleben des alten Streitthemas um „Chancengleichheit oder Chancengerechtigkeit“.

Sie befürchte, dass die Landespolitik auf ein eingliedriges Schulsystem zusteuere, einem Schulsystem der Chancengleichheit, in dem alle Abschlüsse in einer Schulform ermöglicht würden. „Die zieldifferente Unterrichtung auch am Gymnasium führt zur Bedrohung des Bestands dieser Schulform“, betonte Gebauer. „Leistungsanforderungen zugunsten der Chancengleichheit runterzuschrauben, räche sich“, pflichtete die ehemalige Lehrerin Ingrid Heim ihr bei.

In den nachfolgenden von Klaus Wagner moderierten Gesprächsrunden formulierten die Anwesenden ihre Vorstellungen und erhofften sich Lösungsvorschläge von den Politikern. Der stellvertretende Vorsitzende der Junge Liberalen im Kreis, Johannes Kamp, forderte eine Qualitätskontrolle der Leistungen von Lehrern, auch in dem Schüler Lehrer bewerten. Der Kreistagsfraktionsvorsitzende Stefan Lenzen erkannte in den Forderungen nach bundesweit gleichen Schulabschlussstandards einen Weg für mehr Chancengerechtigkeit. Zudem seien Wege zur Unterstützung durch Finanzmittel des Bundes zu suchen, ohne das Prinzip der Landeshoheit in der Bildung aufzugeben.

Aus Sicht der FDP seien verschiedene Punkte essentiell für eine gelingende Bildungspolitik, fasste die Landespolitikerin die Gesprächsergebnisse zusammen. Die Bundesregierung müsse mit Finanzierungen einspringen dürfen. Die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schulen dürfe von situativen Rahmenbedingungen in der Kommune nicht abhängig sein. Der Bestand des Gymnasiums sei zu schützen. Die Rückkehr zum G9 – dem Abitur nach der Jahrgangsstufe 13, also nach neun Jahren Gymnasium – sei zurzeit keine Option. Ihr Schlusswort, dass es keine Chancengleichheit gebe, nur Chancengerechtigkeit fand Zustimmung in der Versammlung.

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