Fast 120 getötete Greifvögel und kein Täter in Sicht

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
12419121.jpg Symbolbild: dpa
In der vergangenen Woche wurden fünf mutmaßlich vergifteten Mäusebussarden bei Immendorf gefunden.

Kreis Heinsberg/Jülicher Land. Es ist eine traurige Bilanz. Nach Angaben der vom Bundesumweltministerium finanzierten Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) sind zwischen 2005 und 2016 mehr als 60 Fälle von Vergiftung, Abschuss oder Fang von Greifvögeln mit 118 Opfern im Kreis Heinsberg nachgewiesen worden. Ein Täter wurde von der Polizei allerdings in keinem einzigen Fall ermittelt.

„Das ist ungemein frustrierend, liegt aber auch in der Natur der Sache“, erklärt Axel Hirschfeld, Pressesprecher des Komitees gegen den Vogelmord, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Im Münsterland haben wir es schon geschafft, ein Dutzend Leute vor Gericht zu bringen. Wir haben uns zum Teil im Gebüsch versteckt und gewartet, bis Fallensteller zurück zu ihren Fallen gekommen sind.“ Im Kreis Heinsberg stellte sich die Lage bislang jedoch anders dar, denn Fallen wurden hier wohl nicht entdeckt.

Nachdem in der letzten Woche über den Fund von fünf mutmaßlich vergifteten Mäusebussarden bei Immendorf berichtet wurde, seien beim Komitee Hinweise auf 16 weitere tote Greifvögel eingegangen, die seit Mitte Januar in der Region von Zeugen gefunden wurden. Die neuen Meldungen stammen aus Jülich-Güsten (2 tote Vögel), Immendorf (3), Kogenbroich (2), Süggerath (1) Waurichen (4), Aldenhoven (1), Übach Palenberg (1), Randerath (1) und Wegberg (1).

Aufgrund der Vielzahl der Meldungen und der Fundumstände gehen die Vogelschützer davon aus, dass ein Teil der Vögel mit illegal ausgelegten Giftködern getötet wurde. In der Feldflur bei Waurichen wurden an einer Stelle drei tote Bussarde und ein toter Fuchs entdeckt, die offenbar alle von einem toten Feldhasen gefressen hatten.

„Ein Bussard lag tot auf den Resten des Hasen, der Fuchs und die anderen Vögel nur wenige Meter davon entfernt. Wir gehen deshalb davon aus, dass der Hasenkadaver mit Gift präpariert worden ist“, so Hirschfeld. Ob und welches Gift verwendet wurde, werde jetzt vom Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld geklärt.

Hauptkommissar Patrik Mensing von der Kreispolizei bestätigt diesen Fall vom 21. Januar und berichtet gleich noch von einem zweiten an der K8 bei Floverich, wo am 31. Januar etwa zwei Kilometer entfernt vier tote Mäusebussarde gefunden wurden, einen Giftköder entdeckten die Beamten hier jedoch nicht. „Signifikante Organe“ würden in solchen Fällen dem Toxikologischen Institut in Münster zugeleitet, sagt Mensing. „Wir nehmen das sehr ernst.“

Zu Recht, schließlich drohen Ersttätern im Falle einer Straftat laut Hirschfeld 3000 bis 5000 Euro Strafe. Der Strafrahmen reiche sogar bis zu fünf Jahren Haft. Um verurteilt zu werden, genüge das bloße Nachstellen schon aus. Bislang, so Hirschfeld, stammten überführte Täter stets aus den Reihen von Tauben- oder Hühnerzüchtern und Jägern. Gerade mit Letzteren pflegten die Vogelschützer aber auch eine gute Zusammenarbeit im Kampf gegen schwarze Schafe.

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