Kreis Heinsberg - Evangelische Hofkirchen erzählen ihre Geschichte

Evangelische Hofkirchen erzählen ihre Geschichte

Von: jdk
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Zu Gast in der evangelischen K
Zu Gast in der evangelischen Kirche in Heinsberg-Randerath: Sie wurde 1717/1718 erbaut. Foto: jdk

Kreis Heinsberg. Gut 40 Frauen und Männer hatten sich auf den Weg gemacht, um vier alte reformierte Kirchen im Kirchenkreis Jülich und im niederländischen Sittard zu besuchen.

Unter der Leitung von Elke Bennetreu (Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich) und Heinz-Willi Homrighausen (Synodalarchivpfleger) waren sie einen Tag unterwegs auf den Spuren der Vorfahren. Mit dem Synodalarchivpfleger war ein geschichtskundiger Mann an Bord, der vielfältige Hintergrundinformationen vermitteln konnte.

Kirchmeister Günter Morjan informierte die Gäste über die Geschichte der Lövenicher Hofkirche, die 1683 erbaut wurde, mehr als 100 Jahre nach Gründung der Kirchengemeinde. Der westfälische Friede von 1648, mit dem der 30-jährige Krieg endete, erkannte zwar den lutherischen Zweig der Reformation an, nicht aber den reformierten. So waren die Reformierten gezwungen, ihre Gotteshäuser so zu bauen, dass sie nicht ins Auge fielen - eben in Hinterhöfen und selbstverständlich ohne Turm und Glocken.

Reformierte Kirchen waren schlicht und einfach ausgestattet - ohne bildliche Darstellungen, ohne Kreuz, ohne Kerzen oder sonstigen Schmuck. Reformierte Christen sollten sich ganz auf die Verkündigung des Wortes Gottes konzentrieren und durch keine Äußerlichkeiten abgelenkt werden. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich das Bild der Kirchen. So kamen Türme hinzu und Glocken, aber auch das Innere der Kirchen bekam eine veränderte Gestalt.

So sind heute auf den Abendmahlstischen Kerzen und Blumen zu finden oder hier und da Kirchenfenster mit bildlichen Darstellungen. So zu Beispiel in der evangelischen Kirche Heinsberg-Randerath, die von Pfarrerin Beate Dickmann anschaulich vorgestellt wurde. Dort gibt es ein Kirchenfenster mit dem Siegel der Gemeinde Randerath (die Rose unter den Dornen) oder auch ein Kirchenfenster mit dem Hugenottenkreuz als Zeichen der Verbundenheit mit einer evangelischen Minderheit, die seinerzeit in Frankreich verfolgt und vertrieben wurde. Die Randerather Kirche, erbaut 1717/1718, war ursprünglich in eine geschlossene Häuserfront eingebaut und, da seinerzeit noch ohne Turm, erst dann als Kirche zu erkennen, wenn man unmittelbar davor stand.

„Geusen-Klomp”

Ähnlich erging es der kleinen reformierten Kirche in Geilenkirchen-Teveren, Baujahr 1686. Pfarrerin Tanja Bodewig aus Geilenkirchen und Pfarrer Mathias Schoenen aus der Kirchengemeinde Gangelt - Selfkant - Waldfeucht brachten den Gästen in Dialogform nahe, was der „Geusen-Klomp” über die Jahrhunderte den Menschen vor Ort bedeutet hat. Auch dieser Bau musste sich verstecken und bekam erst 1986 zum 400. Geburtstag seine erste Glocke. In Teveren, wie in allen anderen reformierten Gemeinden, wurde großer Wert auf die Bildung der Menschen gelegt - ein Merkmal reformierten Denkens bis heute. So wurde in vielen reformierten Gemeinden noch vor Bau der ersten Kirche ein Schulhaus errichtet.

Den Nachmittag eines überaus interessanten Tages verbrachte die Gruppe im niederländischen Sittard, das einst mit dem heutigen Kirchenkreis Jülich verbunden war. Bevor abschließend die heute von der Gemeinde genutzte moderne Kirche besucht wurdee, stand die Besichtigung der alten reformierten Kirche im Stadtzentrum auf dem Programm. Diese wurde 1637 erbaut, 1677 von den Franzosen zerstört, um dann 1680 wieder in Dienst gestellt zu werden. Und schon 1684 bekam die Kirche einen Turm. Wie der Gemeindepfarrer der Protestantse Gemeente, Dominee Joachim Stegink, erzählte, wird die Kirche nur noch in Ausnahmefällen benutzt.

Nach der Exkursion war allen klar: Ein solch interessanter Tag verdient eine Fortsetzung. Es gibt ja noch weitere reformierte Kirchen zu besichtigen, so in Linnich, Wassenberg oder Waldniel, das zum Nachbar-Kirchenkreis Gladbach-Neuss gehört.

175 Jahre Kirchenkreis: Festkonzert in Düren

Mit dieser Exkursion haben gewissermaßen die Feiern zum Jubiläum „175 Jahre Kirchenkreis Jülich” begonnen.

Der nächste Termin ist das Festkonzert am 28. Oktober um 16 Uhr in der Dürener Christuskirche.

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