„Euriade”-Autorenwettbewerb: Schüler lesen ihre Werke

Von: Petra Wolters
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Die preisgekrönten Autorinnen mit Marcus Mesche (hinten, links) und Josef Bachhaus (hinten, rechts): Rosa Lind, Caroline Kries, Anna-Lena Weiss, Gianna Krieger und Kathrin Völl (vorne, von links) sowie Maria Zielenbach, Silke Reiners, Valerie Ophoven-Hießerich und Paula Randerath (hinten, von links). Foto: Petra Wolters

Heinsberg. Nicht die großen Namen zeitgenössischer deutscher Literatur waren es, die bei der jüngsten Lesung in den schwarzen Ledersesseln der Buchhandlung Gollenstede Platz nahmen. Immerhin saßen darin aber schon preisgekrönte, wenn auch noch ganz junge Autoren.

50 Schüler des Heinsberger Kreisgymnasiums hatten Ende vergangenen Jahres mit ihren Texten und Gedichten am Literatur-Wettbewerb der Stiftung „Euriade” teilgenommen. Neun von ihnen gehörten zu den Preisträgern unter den insgesamt 300 Teilnehmern aus elf Ländern.

Nach der Präsentation ihrer Werke im Rahmen der Preisverleihung Ende vergangenen Jahres in den Niederlanden stellten sie diese jetzt auch heimischem Publikum vor. Und so konnte der für das Projekt zuständige Lehrer Josef Backhaus gemeinsam mit Buchhändler Marcus Mesche rund 80 Besucher zu einer bisher einzigartigen Lesung begrüßen. Dabei verriet er, dass sich das Kreisgymnasium in diesem Jahr erneut den Schulpreis im Wettbewerb gesichert hatte.

„Wir gehen etwas Neues an, und wir hoffen, dass es so gut wird, wie wir uns das vorstellen”, betonte Backhaus und begrüßte in den Reihen der Zuschauer vor allem die vielen Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde der jungen Autoren, aber auch zahlreiche Lehrer der Schule. Besonders willkommen hieß er zudem Martin Bloemers als Vertreter der Wettbewerbs-Jury.

„Epiphaneia, von den Sinnen zu der Seele”, lautete das Motto des Wettbewerbs. Wie intensiv sich die jungen Autoren dieser Thematik gewidmet und wie eindrucksvoll sie ihre Inhalte zu Papier gebracht hatten, zeigte allein schon die Stille, in der alle Zuhörer ihren Lesungen über fast zwei Stunden lauschten. Schon ganz zu Beginn zum Beispiel, als sich Sechstklässlerin Rosa Lind unter dem Titel „Mein Opa” noch mal an all das erinnerte, was sie im Leben mit ihrem Großvater verband, ehe sie die Leichenhalle betrat, um sich von ihm zu verabschieden. Das Gefühl, beim Abstieg vom Berg Furgler und einem Abgang von Steinen und Gröll ihren Bruder für immer verloren zu haben und ihn dann doch wiederzufinden, beschrieb Kathrin Völl (Jahrgangsstufe 8). Begriffen wie Glück, Trauer, Vertrauen und Liebe widmete sich Valerie Ophoven-Hießerich (Jgst. 8) in ihrem Gedicht über „Das Innere des Herzens”.

Paula Randerath (Jgst. 8) hatte ihre Rolle als Romeo in einem Theaterstück zum Anlass genommen, zu schreiben über „Das Gefühl, jemand anderes zu sein”. Nicht nur das tat sie sehr eindrucksvoll, sondern konnte daraus auch noch einen guten Rat ableiten: „Wenn euch zu viel im Kopf herumschwirrt, setzt euch hin und schreibt es auf!” Zudem sei es ganz gut, sich in andere wirklich hineinversetzen zu können, betonte sie, „und sei es nur, um einen Streit zu schlichten.”

Zu Feen und Drachen entführte Gianna Krieger (Jgst. 6) mit einem Gedicht. Als „poetisch verschlungen” charakterisierte Backhaus treffend den Text von Maria Zielenbach (Jgst.). Darum ging es vor allem um die Farbe Gelb, die sie nicht nur auf den Flügeln des Zitronenfalters wahrnahm. Anna-Lena Weiss (Jgst. 6) hatte ihre Beziehung zu ihrer Freundin Tabea aufgeschrieben, die vor einem Jahr an einer Krebserkrankung verstarb. Caroline Kries (Jgst. 8) schaffte es, ihre Zuhörer mitzunehmen in die Welt, die sich ihr beim Hören von Musik eröffnet. Die letzte und längste Geschichte unter dem Titel „Das Rudolph-Kind” trug Autorin Silke Reiners (Jgst. 12) dann gar nicht selbst vor, weil es um ein „dunkles Kapitel” ihres Lebens ging. Ihre Freundin Jennifer Schirrmacher las den Text, in dem sie beschreibt, wie sie im Alter von neun Jahren an Grauem Star erkrankte und zu erblinden drohte.

„Wir haben einen Luftballon steigen lassen. Ich denke, er ist gut geflogen und gut gelandet”, freute sich Backhaus abschließend über das gelungene Literaturprojekt. Lang anhaltender Beifall gab ihm recht. Dieser galt auch der Jazz-Combo des Kreisgymnasiums unter der Leitung von Eckehard Krause, die das Programm musikalisch bereicherte. Hinzu kam an Stelle eines Eintrittsgeldes eine Spendensammlung, mit der die Reisekosten für Schüler der Partnerschule in Südafrika finanziert werden sollen, damit sie in diesem Jahr das Kreisgymnasium besuchen können.

„Euriade” ist eine Stiftung mit Sitz im niederländischen Kerkrade, die jedes Jahr ein internationales Kultur- und Wissenschaftsfestival durchführt.

Der Literatur-Wettbewerb „Jugend im Wort” ist ein Teil davon. Junge Schüler und Schülerinnen bis zum Abitur werden dabei ermutigt, eine Kurzgeschichte, ein Gedicht oder einen dramatischen Dialog zu schreiben.

Das Thema wird von der „Euriade” vorgegeben. Grundlage aller Aktivitäten der Stiftung ist die sogenannte Ich-Du-Philosophie von Martin Buber.

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